Sind Marienkäfer in Wahrheit sexsüchtige Kannibalen?

Marienkäfer sind nicht so harmlos wie sie aussehen.
© ZB, Matthias Hiekel

07. Mai 2015 - 18:08 Uhr

Larven fressen ungeschlüpfte Eier

Marienkäfer sollen ihren Namen daher haben, dass die Schädlingsvertilger Bauern als Geschenk der heiligen Maria galten, schreibt die Zeitung 'Die Zeit'. Doch die allseits beliebten Käfer sind in Wahrheit gar nicht so harmlos wie sie scheinen.

Klar, die gepunkteten Tierchen werden sogar vom 'Naturschutzbund Deutschland' (NABU) als "biologische Blattlausbekämpfung" empfohlen. Ein Käfer soll in pro Tag 100 bis 150 Schädlinge vertilgen. Auch die Larven sind ganz schön hungrig und vernichten bis zu 600 Blattläuse in den drei Wochen bis zu ihrer Verpuppung. Soweit sind sie nützlich, diese Käfer.

Doch der Appetit der Marienkäferlarven beschränkt sich nicht allein auf die von Gärtnern so verhassten Läuse, auch Artgenossen stehen auf dem Speiseplan. Der britische Sender BBC berichtet, dass sich früher geschlüpfte Larven häufig mit großem Appetit über die Eier ihrer Geschwister hermachen, die nicht schnell genug sind. Ein englisches Forscherteam rund um die Marienkäferexpertin H. E. Roy konnte sogar belegen, dass die Larven, die kannibalistische Tendenzen zeigen, größere Überlebenschancen haben.

So erreichen laut der Studie 81 Prozent der Kannibalen-Larven das Erwachsenenstadium, während nur 46 Prozent derer, die sich nicht an ihren Artgenossen vergehen, so lange überleben.

Fast alle Marienkäfer leiden unter sexuell übertragbaren Krankheiten

Auch Partnertausch ist bei den Marienkäfern beliebt. Der Paarungsakt an sich dauert laut des 'Zeit'-Artikels bis zu 18 Stunden, doch das reicht den Marienkäferweibchen offenbar nicht. Sie suchen sich gleich mehrere Männchen, um sich befruchten zu lassen, auch wenn ein einziger Akt schon ausreichend wäre. Die Eier werden häufig von drei oder sogar mehr männlichen Marienkäfern befruchtet, berichtet die BBC.

Doch der Geschlechtsverkehr mit vielen verschiedenen Sexualpartnern führt dazu, dass sich Geschlechtskrankheiten schnell verbreiten. Denn bei jeder Paarung werden nicht nur Spermien, sondern auch durchschnittlich 81 spezielle Milben übertragen, weiß der britische Sender zu berichten.

Diese Milben sollen Marienkäferweibchen unfruchtbar machen. 'Bild der Wissenschaft' erklärt, dass zu Beginn einer Saison die Rate der befallenen Käfer etwa 20 Prozent beträgt. Wenn die Käfer es dann munter treiben, könne sich diese Zahl innerhalb von zwei Wochen auf 80 Prozent erhöhen.

Zum Glück für die Käfer würden die Weibchen aber erst drei Wochen nach dem Milbenbefall unfruchtbar, sodass ihnen gerade noch genug Zeit für die Eiablage bleibe. Sonst würde ihr Geschlechtstrieb die Käfer an den Rand ihrer eigenen Ausrottung treiben. Vielleicht sollten wir also noch einmal überdenken, was wir uns da als Glückssymbol ausgesucht haben.