Paartherapeut gibt Tipps für mehr Zweisamkeit

Sexflaute nach der Geburt - was tun?

Auch Monate nach der Geburt kaum Sex zu haben, sei völlig normal, erklärt Paartherapeut Fabian Lenné.
Auch Monate nach der Geburt kaum Sex zu haben, sei völlig normal, erklärt Paartherapeut Fabian Lenné.
© iStock, boggy22

15. Juni 2021 - 14:05 Uhr

Ausbleibende Lust ist "gesund und normal"

Wird ein Baby geboren, steht das Familienglück an erster Stelle. Die gesamte Aufmerksamkeit liegt auf dem Nachwuchs. Oft heißt das aber auch, dass das Liebesleben erst einmal hintenansteht. Viele Paare haben auch Monate nach der Geburt noch keinen oder wenig Sex. Aber bedeutet das direkt, dass ein Beziehungsproblem besteht? Paartherapeut Fabian Lenné sagt dazu eindeutig: nein! "Das ist gesund und normal, dass das seine Zeit braucht", erklärt Lenné. Schließlich verändert die Geburt eines Kindes viel im Leben und die frischgebackene Familie muss sich neu aufeinander einstellen. Bis aus der Liebesflaute also wieder ein Liebessturm wird, kann (und darf) dauern.

Nähebedürfnis der Frau oft durch Stillen erfüllt

Bei der Hälfte der Eltern kann es bis zu einem halben Jahr nach der Geburt dauern, bis es im Bett wieder rund läuft, schätzt Paartherapeut Fabian Lenné. Einige haben zu Beginn auch einfach wenig Sex oder zählen einige missglückte Versuche. Bei einem Drittel dauere es aber auch länger als sechs Monate, weiß der Autor – der ein Buch über den "Umgang mit der Liebe" geschrieben hat – aus der Erfahrung mit seinen Patienten. Doch er kann beruhigen: "Bei den meisten pendelt es sich wieder ein".

Vor allem bei Frauen entwickelt sich das Lustbedürfnis nicht so schnell zu alter Form zurück. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Die körperliche Nähe von Mutter und Kind und eine intensive Stillbeziehung können das Nähebedürfnis der Frau in den Wochen nach der Geburt schon erfüllen. Außerdem kostet ein Baby viel Aufmerksamkeit und Zeit. "Dann ist einfach kein Platz für Sex", erklärt der Therapeut. Trotzdem sei alles kein Grund zur Sorge. "Das ist eine gesunde Überlastung", sagt Lenné. Aber auch körperliche und seelische Wunden der Frau, wie ein Dammriss oder Schmerzen, können das Lustbedürfnis auslöschen. In einigen wenigen Fällen würden aber auch Männer, die die Geburt begleitet haben, ihr Lustbedürfnis vorerst verlieren.

Umgekehrt kann die Geburt Frauen aber auch einen Lustschub bringen. "Es gibt auch Fälle bei Frauen, die einen besseren Zugang zur Sexualität bekommen, das führt dann auch zu einem erfüllteren, selbstbewussteren Sex." Eins ist also klar: Jeder Körper ist individuell und gerade Frau sollte sich nach einer Geburt die Zeit geben, die sie braucht.

Mit Druck klappt es am wenigsten

Wichtig ist, dass beide Partner ihre Bedürfnisse formulieren und das Gespräch suchen, wenn es nach der Geburt noch nicht richtig klappt. Dabei rät Lenné, die Wünsche und die Situation des Partners ernstzunehmen. "Man muss dem Raum geben, auch wenn das für die meisten Paare komisch ist, das bewusst zu machen", erklärt der Paartherapeut. Ein romantisches Date, die bewusste Verabredung zu zweit schaffen eine Gelegenheit, die Liebesflamme neu zu entzünden. Trotzdem sollte kein Druck herrschen, dass der bewusst gewählt Termin auf Sex hinausläuft. Vielmehr rät der Experte dazu, zu schauen, was passiert. Bleibt das Liebesspiel auch nach über einem Jahr noch aus oder entsteht schon früh Streit über die Bedürfnisse, sollten sich Paare Hilfe suchen, um ihrem Sexleben wieder neuen Schwung zu verleihen. (nba)

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