Ist Ihr Partner ein Narzisst?

Wie Sie den Absprung aus einer „toxischen“ Beziehung schaffen

Immer schneller geraten Menschen in toxische Beziehungen - ohne es zu merken.
Immer schneller geraten Menschen in toxische Beziehungen - ohne es zu merken.
© iStockphoto

10. August 2021 - 15:36 Uhr

Psychologin Stefanie Stahl hilft, toxische Beziehungen zu erkennen

Erst der Himmel voller Geigen, dann der Sturz ins Nichts: Eine toxische Beziehung ist eine Achterbahnfahrt – und richtig gefährlich, sagt Psychologin Stefanie Stahl im RTL-Interview.

Total-Crash toxische Beziehung

Die rosarote Brille, große Liebesschwüre und Träume von der gemeinsamen Zukunft – die meisten Beziehungen beginnen mit Herzklopfen auf Wolke Sieben. Dass der Höhenflug nach den ersten Monaten zur Landung ansetzt und die wilde Verliebtheit etwas mehr Bodenhaftung weicht, ist ganz normal. Doch im Falle von toxischen Beziehungen kommt es zum Total-Crash: Das, was beginnt wie ein Liebesroman, wird plötzlich zum Psychodrama.

Der Partner mit den zwei Gesichtern

Gerade noch umgarnt und bewundert er Sie, wirkt so verliebt – doch plötzlich wandelt sich der Partner. Er ist gereizt, egoistisch, belügt Sie. Versprechen hält er nicht ein, würdigt Sie herab. Für alles gibt er Ihnen die Schuld. Der Lieblingsvorwurf: "Wenn du anders wärst, könnte das mit uns klappen." Aber: Gelingen kann diese Beziehung nicht.

Denn wer sich so verhält, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Narzisst. Und das, was hier gerade passiert, der Anfang einer toxischen Beziehung.

So erging es auch Nina, die sich im Podcast "Stahl aber herzlich" Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl anvertraut, die unter anderem das Buch "Jein! Bindungsängste erkennen und bewältigen"* geschrieben hat. Stahls Diagnose ist eindeutig: Auch hier war die Beziehung toxisch.

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An diesen sieben Merkmalen erkennen Sie einen toxischen Partner:

  • Er ist sehr leicht kränkbar und reagiert auf die kleinste Kritik übermäßig wütend
  • Er sieht sich nie in der Schuld, empfindet sich meist als Opfer und ist unfähig, sich zu entschuldigen
  • Er nutzt Degradierung, Herabwürdigung und Schuldzuweisungen, um Sie zu verunsichern
  • Er zeigt wenig bis keine Empathie
  • Er macht große Versprechen, die er nicht einhält
  • Er lügt und verleugnet Aussagen, die er getätigt hat
  • Er isoliert Sie von Freunden und Familie, vereinnahmt sie komplett

Systematische Verunsicherung

Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl ist Expertin auf dem Gebiet "Selbstwertgefühl".
Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl ist Expertin auf dem Gebiet "Selbstwertgefühl".
© Stefanie Stahl, Roswitha Kaster

Jetzt schnell die Reißleine ziehen – raus da! Der beste Rat, aber richtig schwierig, weiß Beziehungsexpertin Stefanie Stahl: "Das hat eine fiese, fiese Dynamik, weil es am Anfang ja gut anfängt. Und im Grunde kämpft der Partner nur darum, dass es wieder so wird wie es am Anfang war." Denn das sogenannte "Lovebombing", also die intensive Anfangsphase, in der der toxische Partner Sie idealisiert, umgarnt, verehrt, macht süchtig.

Gerade Menschen, die sich nach einer besonders innigen Beziehung sehnen, verlieben sich in dieser Phase stark in den toxischen Partner, sagt Stahl im RTL-Interview. Er schenkt ihnen das romantische Ideal, pusht das möglicherweise nicht so ausgeprägte Selbstbewusstsein. Nach der schönen Anfangszeit sind die Rollen dann klar verteilt. Der Narzisst hat die Macht, ist Alleinherrscher über Nähe und Distanz – sein Partner ohnmächtig, weiß die Expertin: "Diese Beziehungen sind nicht ungefährlich, die Leute zerbrechen und verzweifeln daran. Das ist psychisch extrem destabilisierend." Denn die ständigen Schuldzuweisungen und Erniedrigungen können das Opfer eines Narzissten so verunsichern, dass es sich selbst anzweifelt und das Selbstwertgefühl immer mehr schwindet. Es entsteht eine große Abhängigkeit. Der toxische Partner scheint über das eigene Lebensglück zu entscheiden.

Mit diesen Schritten befreien Sie sich aus einer toxischen Beziehung:

  • Erkennen Sie: Nicht Sie sind schuld, sondern Ihr Partner hat eine Persönlichkeitsstörung. Machen Sie sich klar, wo und wie Sie zu Unrecht beschuldigt werden und weisen Sie die Vorwürfe zurück.
  • Führen Sie sich vor Augen: Weil Ihr Partner die Macht in der Beziehung hat, idealisieren Sie ihn automatisch, blicken zu ihm auf. Aber: Ist der Mensch, der sie belügt und betrügt wirklich Ihr Traummann? Kann eine Frau, die Sie täglich herabwürdigt und verletzt, die Frau für ein glückliches Leben sein? Bauen Sie Distanz zur Idealisierung des toxischen Partners auf.
  • Finden Sie Ressourcen außerhalb der Beziehung, um Ihren Selbstwert zu stärken. Wo liegen Ihre Stärken im Bereich Freundschaften, Job, Sport, Hobbies?
  • Gehen Sie in den Kontakt mit Freunden und Familie. Auch professionelle Unterstützung durch eine Psychotherapie kann sehr hilfreich sein.
  • Nötig ist nach einer Trennung der komplette Kontaktabbruch zum Ex-Partner – wie in der Drogentherapie hilft hier nur der "kalte Entzug", sagt die Expertin

Treffen Sie den Entschluss, sich aus der Beziehung zu befreien, und gehen entsprechende Schritte, gibt es große Hoffnung, verspricht die Expertin aus Erfahrung: Dann – und nur dann – sind Sie wieder frei für einen Menschen, mit dem Sie die glückliche Zukunft erleben können, von der Sie träumen. (dsc)

„Stahl aber herzlich“ – Der Podcast mit Stefanie Stahl auf AUDIO NOW

In der aktuellen Folge des Podcasts "So bin ich eben!" mit Stefanie Stahl gibt es zum Thema "Toxische Beziehungen" weitere Hintergründe und Übungen zum Umgang mit Narzissten. Auf AUDIO NOW behandelt die Beziehungsexpertin in ihrem Podcast Themen wie Liebeskummer, Bindungsangst und Beziehungskrisen.

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