Ihre Geschichte inspiriert

Geflüchtete Taekwondo-Kämpferin verpasst Medaille ganz knapp

Kimia Alizadeh (l.) schrammte knapp an der Bronzemedaille vorbei.
Kimia Alizadeh (l.) schrammte knapp an der Bronzemedaille vorbei.
© REUTERS, MURAD SEZER, sg

25. Juli 2021 - 18:04 Uhr

Alizadeh fand in Deutschland ihr Glück

Das Historische lag in der Luft, am Ende reichte es nicht ganz: Taekwondo-Kämpferin Kimia Alizadeh hat in Tokio die erste olympischen Medaille eines Flüchtlings knapp verpasst. Die Athletin aus dem 29-köpfigen Flüchtlingsteam unterlag in der Klasse bis 57 kg im Kampf um Bronze der türkischen Vize-Europameisterin Hatice Kübra Ilgün mit 6:8.

Sie wünscht sich ein "Leben mit Taekwondo, in Sicherheit und Gesundheit" 

Im Achtelfinale hatte Alizadeh, die in Rio 2016 noch Bronze für Iran gewonnen hatte, überraschend die zweimalige Olympiasiegerin und Topfavoritin Jade Jones aus Großbritannien ausgeschaltet.

Die 23-Jährige, die in Tokio auch vom deutschen Bundestrainer Vanja Babic betreut wurde, hatte vor fünf Jahren in Rio de Janeiro als erste Iranerin in der Geschichte eine Medaille gewonnen. Die Repressalien und Unterdrückung in ihrer Heimat bewogen sie jedoch im vergangenen Jahr zur Flucht. Über die Niederlande kam Alizadeh nach Deutschland und fand in Aschaffenburg ihr Glück.

"Ich bin eine von Millionen unterdrückter Frauen im Iran, mit denen sie seit Jahren spielen", erklärte Alizadeh nach ihrer Flucht 2020 mit ihrem Ehemann Hamed. Alizadeh berichtete von Ausbeutung und Sexismus, Anfeindungen und Drohungen, iranische Athletinnen würden gedemütigt und ausgenutzt: "Ich habe keinen anderen Wunsch als ein Leben mit Taekwondo, in Sicherheit und Gesundheit."

Auch wenn sie das Edelmetall nun ganz knapp verpasst hat: Ihre Geschichte inspiriert und sendet eine hoffnungsvolle Botschaft in die Welt.

Die Highlights des 3. Olympia-Tages

Aus deutscher Sicht ruhen die Taekwondo-Hoffnungen nun auf dem einzigen Starter Alexander Bachmann. Der Weltmeister von 2017 befindet sich in der Klasse über 80 kg im erweiterten Favoritenkreis. Der Stuttgarter kämpft am Dienstag um eine Medaille.

Im zweiten Flüchtlingsteam in der Olympia-Geschichte stehen 29 Athletinnen und Athleten. Sieben jetzt in Deutschland lebende Sportler waren vom Internationalen Olympischen Komitee nominiert worden. Neben Kimia Alizadeh schafften es die Schwimmer Alaa Maso und Yusra Mardini, Boxer Wessam Salamana, Judoka Ahmad Alikaj sowie Karateka Wael Shueb und Saeid Fazloula (Kanu) in die Mannschaft. (msc/sid/dpa)