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Mutterpass: Erklärung der Abkürzungen

Wozu genau ist das gute Stück genau da?

Mutterpass: Erklärung der Abkürzungen

Hebamme Beate Aus dem Moore (r) liest im Geburtshaus in Münster in dem Mutterpass der schwangeren Julia Börger (l) (Foto vom 07.08.2006) .  Die Entbindung in Geburtshäusern erfolgt fernab der typischen Krankenhausatmosphäre in gemütlicher, häuslicher
Das hellblaue Heft, das in jede Handtasche passt bekommt jede werdende Mutter ausgehändigt.
picture-alliance/ dpa, Friso Gentsch

Mutterpass: ein Buch mit sieben Siegeln?

Der Mutterpass ist der Ausweis, den jede schwangere Frau in Deutschland bekommt. Alle wichtigen Daten zur Gesundheit der Mutter und des Kindes werden dabei festgehalten. Und das wichtigste für die meisten Schwangeren: Der Geburtstermin. Wir erklären Ihnen die wichtigsten Fakten.

Der Mutterpass sollte immer dabei sein

​In Deutschland gibt es den Mutterpass seit 1961, ein paar Jahre später wurde er sogar Pflicht. In Notfällen kann der Pass eine große Hilfe für Ärzte sein, da schneller und passender reagiert werden kann. Es ist also empfehlenswert, den Mutterpass immer bei sich zu haben.

Was aber steht drin im Mutterpass, der sein Aussehen bis heute kaum verändert hat? Für viele sind die Begriffe reines Fachchinesisch. Es geht um „Serologische Untersuchungen“, „HB-Werte“ und Screenings“ – für den Laien oft nicht zu verstehen. Damit Sie wissen, worum es im Mutterpass geht erklären wir Ihnen jede einzelne Seite.

Seite 2 und 3: Serologische Untersuchung

Manche Krankheiten können ein ungeborenes Baby gefährden. Daher ist es wichtig, zu wissen, ob die Mutter eine Krankheit, wie Röteln, Hepatitis oder auch Chlamydien auf das Kind übertragen könnte. Im Laufe der Schwangerschaft werden dazu einige Untersuchungen gemacht und auf den Seiten 2 und 3 eingetragen. Die Blutgruppe und der Rhesusfaktor werden festgestellt, beim Antikörper-Suchtest wird untersucht, ob sich Antikörper gegen Blutgruppen-Antigene gebildet haben. Und da eine Rötelninfektion während der ersten drei Monate einer Schwangerschaft Folgen wie Herzfehler, Blindheit und Taubheit, sowie geistige Behinderungen zur Folge haben kann, wird untersucht, ob ausreichend Antikörper im Blut vorhanden sind.

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Seite 4 (linke Seite): Vorhergegangene Schwangerschaften

Diese Seite ist nur wichtig, für Frauen, die schon mal schwanger waren. Hier werden Informationen zur vorherigen Schwangerschaft eingetragen. Aus diesen Daten kann der Arzt auf mögliche Risiken schließen.

Seite 4 (rechte Seite): Besonderheiten / Cardiotographische Befunde

Hier werden Besonderheiten, wie auffällige Herztöne des Kindes aufgezeichnet. Außerdem werden stationäre Behandlungen eingetragen.

Seite 5 und 6: Anamnese und allg. Befunde/Erste Vorsorge-Untersuchung

Hier geht es um die Vergangenheit der Mutter. Eine Anamnese ist wichtig, um festzustellen, ob ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind besteht. Es geht um Adipositas, also wenn das Gewicht der Frau mehr als 20 Prozent über dem Normalgewicht liegt und sie sich nicht gut fühlt. Als Risikoschwangerschaft zählt auch, wenn die Mutter noch unter 18 oder über 35 Jahre alt ist. Und dann gibt es noch den wichtigsten Eintrag für werdende Eltern: Der errechnete Geburtstermin!

Auf Seite 6 werden die besonderen Befunde im Verlauf der Schwangerschaft eingetragen. Dazu können seelische Belastungen, Blutungen oder Infektionen. Durch einen Eintrag in diesen Listen sollten sich Schwangere aber nicht allzu sehr beunruhigen. Sie bedeuten nur, dass der Arzt oder die Hebamme besonders gut aufpassen, damit es Ihnen und Ihrem Baby gut geht.

Seite 7 und 8: Gravidogramm

In den ersten drei Spalten des „Gravidogramms“ werden das Untersuchungsdatum, die angenommene und die möglicherweise korrigierte Schwangerschaftswoche eingetragen. Der „Fundusstand“ gibt den ertasteten oberen Gebärmutterrand an.

Die „Kindslage“ hat erst ab dem Ende der Schwangerschaft eine Bedeutung. Hier wird eingetragen, ob das Baby in den letzten Wochen vor der Geburt in Schädel-Lage (SL), Beckenendlage oder Steißlage (BEL), Querlage (QL) oder Seitenlage (S) liegt.

Die „Herztöne“ des Babys sind ein wichtiger Hinweis darauf, ob es dem Baby gut geht. Der Puls eines Kindes im Mutterleib ist doppelt so schnell wie bei einem Erwachsenen. 120 bis 140 Schläge pro Minute sind normal.

Die „Kindsbewegung“ wird bei der Mutter erfragt. In der ersten Schwangerschaft sind diese ca. ab der 18. Bis 20 Schwangerschaftswoche zu spüren.

Ödeme“ sind Wassereinlagerungen, die gegen Ende der Schwangerschaft fast alle Frauen betreffen. Sie sind nur dann besorgniserregend, wenn gleichzeitig der Blutdruck steigt und im Urin Eiweiß zu finden ist. Dann müssen möglicherweise Medikamente verschrieben werden.
Varikosis“ sind Krampfadern in den Venen, die in der Schwangerschaft auftreten und die Gefahr einer Thrombose erhöhen können.

Das „Gewicht“ ändert sich bis zur 16. Schwangerschaftswoche kaum. Danach bis zum Ende der Schwangerschaft ist eine Gewichtszunahme von 12 bis 16 Kilo normal.

RR“ Hier wird der Blutdruck eingetragen. Bei Schwangeren mit Blutdruckproblemen achtet der Arzt besonders darauf, ob das Baby gut versorgt wird.

Der „HB“-Wert dient zur Feststellung von einer Anämie (Blutarmut), also einem Mangel an Hämoglobin, dem Blutfarbstoff. Hier geht es um Eisenmangel. Besonders in der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf an Eisen, daher ist eine Ernährungsumstellung oder die Gabe von Eisentabletten oft notwendig.

Sediment“ Hier werden die Werte einer Urinuntersuchung eingetragen. Eiweiß-, Zucker-, Nitrit- und Blutgehalt im Urin werden hier kontrolliert.

Bei der „Vaginalen Untersuchung“ wird die Beschaffenheit von Muttermund und Gebärmutterhals untersucht. So kann eine Neigung zu einer Frühgeburt festgestellt werden.

Bei den „Sonstigen Befunden“ kann ein möglicherweise gemachter Tripletest oder andere zusätzliche Untersuchungen eingetragen werden.

Seite 10 und 11, 12 und 13: Ultraschall-Untersuchungen

Auf diesen Seiten ist Platz für die Daten aus den drei Ultraschalluntersuchungen, die laut Vorsorgeplan in der neunten bis zwölften, 19. bis 22. und zwischen der 29. Und 32. Schwangerschaftswoche stattfinden sollen. Der Arzt prüft hier, ob sich das Kind gesund entwickelt. Screening bedeutet nichts anderes als Ultraschalluntersuchung. Sollten Auffälligkeiten festgestellt werden, kann der Arzt weitere Ultraschalluntersuchungen veranlassen und die Ergebnisse würden dann auf der Seite 12 und 13 festgehalten.

Seite 14: Normkurve für den fetalen Wachstumsverlauf

Bei den Ultraschalluntersuchungen wird das Baby jedesmal vermessen und die Daten in die Grafik eingetragen. So kann der Arzt eine normale Entwicklung des Babys verfolgen. SSL ist die Länge vom Scheitel bis zum Steiß, BPD ist der Querdurchmesser des Babykopfes und ATD ist der Querdurchmesser des Babybauches.

Seite 15: Abschluss Untersuchung

Auf der Seite 15 wird eingetragen, wie die Geburt und das Wochenbett verlaufen sind. Auch das Baby wird untersucht und die Ergebnisse festgehalten. Eingetragen wir, ob es sich um eine Spontane Geburt (sp), einen Kaiserschnitt, Sectio (s) , oder um eine vaginale Operation (vag.Op), also eine Zangengeburt oder einer Saugglockengeburt handelte. Auch die Kindslage wird vermerkt. Wichtig für das Baby ist die Apgar Zahl. Dafür wird das Neugeborene direkt nach der Geburt untersucht. Es sind fünf einzelne Tests, für die es je null bis zwei Punkte gibt. Hat das Kind acht bis zehn Punkte, ist alles in Ordnung. Niedrigere Zahlen lassen auf eine, vielleicht vorrübergehende, Störung deuten. Hat das Baby weniger als vier Punkte, wird es sofort behandelt. Der pH-Wert sagt etwas über eine Blutuntersuchung beim Baby aus: Aus der Nabelschnur-Arterie wird etwas Blut entnommen und auf den Säuregrad untersucht.