Mutter mit Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom behandelt ihre kerngesunde Tochter jahrelang wie Todkranke

Gypsy (links) und ihre Mutter Dee Dee, die ihre kerngesunde Tochter jahrelang krank machte.
Gypsy (links) und ihre Mutter Dee Dee, die ihre kerngesunde Tochter jahrelang krank machte.
© Youtube/HBODocs

29. Mai 2017 - 10:53 Uhr

Mutter Dee Dee wurde vor zwei Jahren ermordet

Es gibt Geschichten, da kann man kaum glauben, dass sie echt sind. Wie in diesem Fall: Dee Dee Blancharde hat eine kerngesunde Tochter - Gypsy. Aber Dee Dee ist krank. Sie hat das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Jahrelang behandelt sie Gypsy wie eine Todkranke. Die Mutter behauptet, ihre Tochter leide an Leukämie, Epilepsie und Muskelschwund. Außerdem sei sie seh- und hörbehindert. Doch das alles ist nicht ganz wahr. Dennoch überzeugt sie jahrelang die Ärzte von den Krankheiten ihrer Tochter. Jetzt wurde dieses Familiendrama von einer amerikanischen Produktionsfirma als Dokumentation verfilmt.

Gypsy wächst bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Zwischen 2005 und 2014 bringt sie ihre Tochter mehr als 100 Mal ins Krankenhaus. Gypsy bekommt Medikamente gegen Epilepsie. Wegen der erfundenen Leukämie muss sich das junge Mädchen in der Tat einer Chemotherapie unterziehen. Ihre Mutter rasiert ihr die Haare ab, mit der Begründung, durch die Chemo würden sie eh ausfallen. Sie wurde mehrfach operiert, obwohl ihr nichts fehlte. Zeitweise hatte sie sogar eine Magensonde, über die sie ernährt wurde. In der Dokumentation erzählt Gypsy: "Darüber konnte sie alles kontrollieren: Was ich esse und meine Medikamente."

Und in der Tat geht es Gypsy schlecht: Die zahlreichen Operationen und die starken Nebenwirkungen der Medikamente bringen sie an ihre Grenzen. Beispielsweise fallen ihr von den Epilepsie-Medikamenten irgendwann die Zähne aus. Ihre Mutter impft ihr sogar ein, nicht laufen zu können. Aber daran glaubt Gypsy irgendwann nicht mehr, denn sie weiß, dass sie es kann. Mit 23 Jahren beschließt sie, sich an ihrer Mutter zu rächen. Sie beauftragt einen Freund, ihre Mütter zu töten. Für die Anstiftung zum Mord muss Gypsy zehn Jahre ins Gefängnis. Erst da erholt sich Gypsy von den jahrelangen Qualen. Nicht sie war die, die krank war, sondern offenbar ihre Mutter.

Beim Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom machen häufig Mütter ihre Kinder absichtlich krank, um sie anschließend gesund zu pflegen. Das tun sie in der Regel nur, um Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen. In Gypsys Fall hat ihre Mutter die Ärzte so lange bedrängt, bis diese ihr schließlich glaubten, ihre Tochter sei krank. Für das Umfeld ist die Krankheit nicht immer leicht zu entdecken. Die Betroffenen verschleiern ihr Tun und sind immer engagiert. Gerade, weil man selten einer Mutter solche Taten unterstellt, ist es für Ärzte oder Krankenhauspersonal schlecht nachzuvollziehen.

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