Beethovens 10. Sinfonie

Künstliche Intelligenz vollendet die Unvollendete - Weltpremiere bei RTL im Livestream

Ein Team von Musikwissenschaftlern und Programmierern hat den Versuch unternommen, eine "Beethoven-KI" zu entwickeln. Der Computer soll also genauso genial komponieren können wie der Maestro selbst.
Ein Team von Musikwissenschaftlern und Programmierern hat den Versuch unternommen, eine "Beethoven-KI" zu entwickeln. Der Computer soll also genauso genial komponieren können wie der Maestro selbst.
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09. Oktober 2021 - 17:58 Uhr

Uraufführung der vollendeten 10. Sinfonie am 9. Oktober ab 19 Uhr im Livestream

Meister, erster Popstar der Musikgeschichte, Jahrhundertgenie: Nur wenige Komponisten werden so verehrt wie Ludwig van Beethoven. Jetzt hat ein Team von Musikwissenschaftlern und Programmierern den Versuch unternommen, eine "Beethoven-KI" zu entwickeln. Der Computer soll also genauso genial komponieren können wie der Maestro selbst. Wie sich das anhört, davon können sich alle Musikliebhaber selbst überzeugen: Am Samstag den 9. Oktober ab 19 Uhr zeigt RTL die Weltpremiere der vollendeten 10. Sinfonie im Livestream.

Der Livestream startet am Samstag um 19 Uhr

Ludwig van Beethoven X - The AI Project

Unter der Leitung von Dirk Kaftan findet am Samstag den 9. Oktober ab 19 Uhr die Uraufführung statt. Schauplatz ist das Telekom Forum in Bonn. Der Konzern hat das Vorhaben initiiert.

Dass es sich um ein ambitioniertes Unterfangen handelt, ist allen Beteiligten klar. Die 10. Sinfonie ist nicht irgendein beliebiges Stück, sondern eine Art klaffende Wunde in der Musikgeschichte. Zeitweise wurde ihre Existenz von der Musikwelt sogar angezweifelt - zu groß war der Mythos um Beethovens "Neunte". Die landläufige Meinung: Der Meister selbst habe mit dem Schlusschor "An die Freude" sein sinfonisches Werk vollendet.

So war es aber keineswegs. "Beethoven hat in der Regel an zwei Sinfonien gleichzeitig gearbeitet. Während er also an der 9. Sinfonie schrieb, brachte er auch Ideen für 'die andere' zu Papier, wie er sie nannte", sagt Matthias Röder, Direktor des Karajan Instituts (Salzburg), der das KI-Team geleitet hat. Geblieben sei es aber bei Skizzen - letztlich Ideen - in einem sehr frühen Stadium der Komposition. Beethoven starb, bevor er die 10. Sinfonie vollendet hatte.

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KI-Projekt will Beethoven nicht vom Sockel stoßen

Röder und seine Kollegen fanden im Nachlass Noten, aber manchmal auch Wörter, etwa spirituelle Gedanken. Daraus versuchten sie abzuleiten, welche Art von Werk dem Komponisten vorgeschwebt haben könnte. Welche Richtung. Und sie fütterten die KI - mit Beethoven, aber auch mit Musik von Zeitgenossen wie Mozart oder Haydn. Sie trainierten sie.

Man darf das Projekt also nicht so verstehen, dass man einem Computer die alleinige Kontrolle überlassen hätte. Die Auswahl der Stücke, anhand derer die KI lernte, wie Beethoven klingt, der Auswahlprozess – an vielen Stellen waren menschliche Entscheidungen gefragt.

Wenn man sich an einen Übervater wie Beethoven herantraut, ist Kritik gleichwohl vorprogrammiert. Die Beteiligten betonen aber, dass man den Genius natürlich nicht vom Sockel stoßen wolle. Es handele sich um ein Experiment, um zu zeigen, wie kreative Zusammenarbeit von menschlicher und künstlicher Intelligenz funktionieren könne.

"Wir möchten mit diesem Projekt nicht sagen, dass eine Maschine plötzlich besser komponieren kann als Beethoven", erklärt Röder. Er sagt aber auch: "Wenn Beethoven heute leben würde, würde er all diese Technologien ausprobieren. Davon bin ich überzeugt." (dpa/aze)