Tragödie im Kroatien-Urlaub

Deutsche (35) ertrinkt bei Tauchtour – Mutter sieht zu, wie Tochter stirbt

YouTube-Video zeigt den Sturm vom 4. August.
© Youtube/Morski.hr

13. August 2020 - 9:27 Uhr

Deutsche (35) wurde von Wellen mitgerissen

Es sollte ein schöner Tauchausflug in der kroatischen Adria werden – und endete in einer tödlichen Tragödie: Eine 35-jährige Urlauberin aus Deutschland ist am 4. August vor den Augen ihrer Mutter ertrunken, als sie versuchte, sich mit anderen Touristen auf ein Boot zu retten. Denn ein Sturm war plötzlich aufgezogen, während die Urlauber noch unter Wasser waren. Die Frau wurde einfach von den Wellen mitgerissen.

Levrnaka: Plötzlich bildeten sich "schwarze Wolken"

"Eine 35 Jahre alte deutsche Staatsbürgerin ist am 4. August nahe der Insel Levrnaka im Nationalpark Kornati ertrunken", bestätigt Marica Kosor, Sprecherin der Polizei Šibenik-Knin, gegenüber RTL am Mittwoch. Die Frau sei gemeinsam mit anderen Touristen aus Deutschland und einer Familienangehörigen bei einem organisierten Tauchgang gewesen, so Kosor. Zwischen 18.30 und 19.00 Uhr sei es dort zu einem Unfall ohne Fremdverschulden gekommen. Wie das kroatische Nachrichtenportal "24sata" berichtet, handelt es sich bei der Familienangehörigen um die Mutter der 35-Jährigen.

Doch was war geschehen: Die beiden Frauen haben in einem Tauchzentrum mit Sitz in der kroatischen Hauptstadt Zagreb eine Tour gebucht. Von Zadar aus seinen die Urlauberinnen am Nachmittag mit einer elfköpfigen Gruppe in einem 26 Meter langen Schiff aufs Meer gefahren, schreibt das lokale Portal "Morski.hr". Plötzlich bildeten sich "schwarze Wolken aus Richtung Italien", während die Tauchgruppe unter Wasser war, erzählt ein Besatzungsmitglied. Der Kapitän habe versucht, mit den Tauchern Kontakt aufzunehmen und sie vor dem Sturm zu warnen – aber erfolglos. 40 Minuten kreisten sie umher, bis die Gruppe aufgetaucht war. "Die Wellen waren da schon drei bis vier Meter hoch", erzählt der Matrose. Chaos sei ausgebrochen.

Matrose versuchte Frau aus Meer zu retten

Der Mann habe mit anderen Besatzungsmitgliedern den Tauchern ein Seil zugeworfen und einen nach dem anderen mit ihrer Ausrüstung – die zwischen 40 und 50 Kilogramm wiegt - an Deck gezogen. "Die Wellen waren so hoch, dass vier Taucher von den Wellen mitgerissen wurden", erzählt er dem Portal. Man habe sie später eingesammelt. Als dann die 35-jährige Deutsche an der Reihe war, habe man sie nur bis zur Hälfte hochziehen können. Sie sei von kräftiger Statur gewesen, so der Matrose. Dann sei sie von einer Welle wieder ins Wasser zurückgeworfen worden.

Einer von der Crew sei ins Wasser gesprungen, um die Frau zu retten. "Er versuchte ihren Kopf über Wasser zu halten", erzählt er. Doch die Wellen seien so hoch gewesen, dass es nicht gelang. Als die Frau das Bewusstsein verlor, habe er die 35-Jährigen mit einer Herzmassage retten wollen. Aber auch das blieb ohne Erfolg. Als sich das Boot den beiden näherte, warf der Matrose ihnen ein Seil zu. "Er hatte es um die Frau gebunden, so konnte ich sie hochziehen, ich weiß selbst nicht mehr, wie mir das gelungen ist", sagt er. Zu der Zeit sei die Deutsche bereits tot gewesen.

Heftige Kritik nach Tauchtour in der Adria trotz Sturm-Warnung

In den sozialen Medien sei das Tauchzentrum für die Tour heftig kritisiert worden, schreibt das Portal. Viele können nicht verstehen, wieso die Crew trotz Unwetterwarnung aufs Meer gefahren ist. Doch das Crew-Mitglied wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Alle Gäste wussten vom Unwetter, aber wenn man eine siebentägige Tour bucht, will niemand an die Küste gefesselt sein", sagt der Matrose zu "Morski.hr". Man sei da schon fünf Tage unterwegs gewesen, es war der zweite im Nationalpark Kornati. Die Gäste hätten darauf bestanden aufs Meer zu fahren. Weil das Wetter zu dem Zeitpunkt gut gewesen wäre, ließ der Kapitän schließlich nach.

Jeden Tag werde an einem anderen Ort getaucht, sagt er. Wo das Unwetter letztendlich aufziehen werden, habe man am Nachmittag noch nicht gewusst. "Wir haben alles versucht, um die Frau zu retten", sagt er, "jede Nacht geht mir der Horror durch den Kopf." Aber hätte die Besatzung nicht so reagiert, hätten noch mehr Menschen im Sturm ihr Leben verloren.