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Kindesmissbrauch durch Frauen: Hamburger UKE-Studie bricht mit Tabuthema

Forscher holen Kindesmissbrauch durch Frauen aus der Tabuzone

Diese vier Typen von Frauen vergewaltigen Kinder

Anzeichen für Kindesmissbrauch
Ein Kind sitzt im Flur, Symbolfoto. Foto: Silvia Marks/dpa-tmn
deutsche presse agentur

Kindesmissbrauch: Wenn der Täter eine Täterin ist

Es ist ein Tabuthema in der Gesellschaft: Frauen, die sexuelles Interesse an Kindern haben und sexualisierte Gewalt an ihnen ausüben. Bei Missbrauchsfällen wird in der Regel zuerst von männlichen Tätern ausgegangen. Auch die Wissenschaft hat sich bisher kaum mit Täterinnen auseinandergesetzt, Forschungen gibt es so gut wie gar nicht. Deshalb hat das Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf (UKE) jetzt eine Studie in Auftrag gegeben.

Diese vier weiblichen Täter-Typen gibt es

Laut Studie kann man zwischen vier verschiedenen Typen von Täterinnen unterscheiden:

  1. Die sadistische Täterin zeigt ein starkes Ausmaß an Gewaltanwendungen
  2. Die parentifizierende Täterin sieht in Kindern einen Ersatz für erwachsene Sexualpartner
  3. Die vermittelnde Täterin führt betroffene Kinder zu dritten Tatpersonen
  4. Die instruierende Täterin tritt im Kontext von organisierten Gewaltstrukturen auf

Die Mehrheit der Opfer, die von sexuellem Kindesmissbrauch durch Frauen betroffen ist, habe berichtet, dass die sexualisierte Gewalt über mehrere Jahre angedauert und schon in der frühen Kindheit begonnen hat.

Wie kommt die Studie zu den Ergebnissen?

Zum einen wurden Personen online anonym befragt, die sexualisierte Gewalt durch eine Frau erlebt haben. In einer weiteren Online-Studie befragten die Forscher Frauen mit einem sexuellen Interesse an Kindern. Zusätzlich werteten sie schriftliche Berichte von betroffenen Personen aus und analysierten vertrauliche Anhörungen.

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Missbrauch durch Frauen wird weniger ernst genommen

Laut der Forscher falle es Verwandten und Bekannten oft schwer, den Kindesmissbrauch durch Frauen zu erkennen. Die Täterinnen sollen subtiler vorgehen. Auch psychische Manipulationem spielten oft eine Rolle. Opfer würden sich häufig nicht trauen über Erlebtes zu sprechen, die Tabuisierung des Themas sorge für große Hemmungen. Das Vertrauen sei stärker erschüttert und Schamgefühle größer als bei männlichen Tätern. „Ein großer Teil der Betroffenen gab auch an, dass sexualisierte Gewalt durch Frauen allgemein weniger ernst genommen werde als durch männliche Tatpersonen“, berichtet Prof. Dr. Johanna Schröder vom Institut für Sexualforschung.

Wie können Kinder vor Übergriffen bewahrt werden?

„Um Kinder auch vor sexualisierter Gewalt durch Frauen besser schützen und Betroffene bedarfsgerecht versorgen zu können, muss an erster Stelle die Tabuisierung des Themas beendet werden“, so Dr. Safiye Tozdan vom Institut für Sexualforschung. Das soll durch weiteres Wissen aus der Forschung, Aufklärung der Öffentlichkeit und Fortbildungen von Fachpersonen in pädagogischen und medizinischen Einrichtungen gelingen. Auch Polizei und Justiz sollen stärker geschult werden, empfiehlt die Forscherin. (cta)

Hilfsangebote für Betroffene

Sind Sie Opfer von sexuellem Missbrauch oder haben etwas beobachtet? Dann wenden Sie sich an das Hilfe-Telefon. Unter der 0800-22 55 530 werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene vertraulich beraten. Auch online unter www.hilfe-telefon-missbrauch.online gibt es Hilfe.