Gesundheitslexikon: Tracheostoma (Luftröhrenzugang)

29. November 2018 - 15:53 Uhr

Zugang zur Luftröhre: Ein Tracheostoma sichert die Sauerstoffzufuhr

Der menschliche Atemtrakt teilt sich in zwei Abschnitte – die unteren und die oberen Atemwege. Sie gehören zum respiratorischen System und dienen der Zu- und Ableitung von Atemluft. Zu den oberen Atemwegen zählt man die Nasenhöhle mit den Nebenhöhlen, die Mundhöhle und den Rachen (Pharynx). Die unteren Atemwege bestehen aus Kehlkopf (Larynx), Luftröhre (Trachea), Bronchien und Alveolen. Sind die oberen Atemwege krankheits- oder verletzungsbedingt versperrt, kann man durch eine Öffnung (Stoma) in der Luftröhre die Luftzufuhr ermöglichen.

Was ist ein Tracheostoma?

Der Begriff Tracheostoma beschreibt einen mittels einer Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) künstlich geschaffenen Zugang zur Luftröhre. Dabei wird unter Narkose in einem operativen Eingriff die Trachea mit einem Schnitt geöffnet. Man unterscheidet ein vorübergehendes und ein dauerhaftes Tracheostoma. Die vorübergehende (passagere) Öffnung wird meist oberhalb der Schilddrüse angelegt, die größere dauerhafte (definitive) Öffnung dagegen unterhalb davon. Dieser Eingriff darf nicht mit der Koniotomie (Luftröhrenpunktion) verwechselt werden, die eine Notfallmaßnahme bei drohendem Erstickungstod darstellt und im Bereich des Kehlkopfes durchgeführt wird. Dabei werden mit einer speziellen Kanüle die Haut und die weiche Struktur des Kehlkopfes durchstochen.

Funktion

Das Tracheostoma hat die Aufgabe, die Luftzufuhr zu sichern, und wird in der Intensivmedizin eingesetzt. Normalerweise gleitet die Atemluft über Mund oder Nase bis in die Alveolen der Lunge. Kann dies nicht auf natürliche Weise stattfinden, beispielsweise wegen Verletzung oder Krankheit, bietet das Tracheostoma einen künstlich geschaffenen Eingang für die Atemluft. In diese Öffnung wird ein Kunststoffschlauch gelegt, der an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird. Diese Kanülen gibt es in verschiedenen Materialien, Größen und Längen sowie in unterschiedlichen Krümmungsgraden. Man unterscheidet zwei Arten: Bei der blockbaren Kanüle ist der Patient ohne Stimme, bei der nichtblockbaren kann er über den Kehlkopf ausatmen und deswegen sprechen.

Anwendungsgebiete

Ein Tracheostoma wird immer dann angewendet, wenn die Sauerstoffversorgung nicht mehr normal stattfinden kann. Patienten, die über einen längeren Zeitraum als 21 Tage beatmet werden müssen, erhalten diese künstliche Öffnung anstelle eines Tubus. Auch wenn die Atemwege blockiert sind, beispielsweise durch allergisch verursachte Schwellungen im Hals oder Mund, oder wenn Fremdkörper in die Luftröhre gelangt sind, wird durch ein Tracheostoma beatmet. Außerdem wird es angewendet bei größeren Operationen im Mund oder Rachen, bei Verengungen, Verletzungen oder Tumoren des Kehlkopfs und wenn durch neurologische Erkrankungen der Schluckreflex nicht mehr funktioniert.

Mögliche Risiken oder Komplikationen

Verschiedene Risiken bestehen bei der Durchführung des Eingriffs: So kann es zu Verletzungen der Schilddrüse kommen. Da sie gut durchblutet ist, kann ein Schnitt sehr starke Blutungen verursachen. Auch Nerven können beschädigt werden, da im Hals zahlreiche sensible und motorische Nervenbahnen verlaufen. Die Folgen könnten eine Beeinträchtigung der Stimmbänder, Taubheitsgefühle und Lähmungen sein. Werden Nerven gänzlich durchtrennt, führt das zu Atemschwierigkeiten, da die Luftröhre durch die Lähmung verschlossen wird. Ist das Tracheostoma gelegt, besteht das Risiko einer Entzündung der Öffnung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.