Gesundheitslexikon: Hymen (Jungfernhäutchen)

29. November 2018 - 15:52 Uhr

Mythen um den Hymen: Was hat es mit dem Jungfernhäutchen auf sich?

Es ist das sagenumwobene, winzig kleine Hautareal, an dem sich die Gemüter durchaus erhitzen können. In vielen Kulturkreisen dient es dem Nachweis der körperlichen Enthaltsamkeit und soll für die Reinheit der Frau stehen. Über den Hymen bzw. das Jungfernhäutchen wird viel gestritten. Selbst in manchen Gerichtsakten wird der Zustand der kleinen Hautschicht akribisch festgestellt, um der Beweisaufnahme zu dienen.

Was ist der Hymen?

Das Jungfernhäutchen ist, entgegen der weitläufigen Meinung, kein durchgehendes Häutchen, sondern vielmehr ein schmaler Hautsaum. Er bedeckt bei Frauen den Eingang der Vagina, kann aber auch ganz fehlen. Der Hymen ist mit bloßem Auge zu erkennen, grenzt sich dabei jedoch kaum vom umliegenden Hautareal ab. Das kleine Häutchen ist zumeist leicht dehnbar und zeigt die natürliche Grenze zwischen äußeren und inneren Geschlechtsorganen an. In manchen Kulturkreisen gilt dem Jungfernhäutchen ein besonderes Interesse, weil seine unterstellte Unversehrtheit für die körperliche Keuschheit des Mädchens steht. Dabei muss man aber wissen, dass der Hymen nie einen wirklichen Verschluss der Vagina darstellt.

Anatomie

Am äußeren Beginn der Scheide, also zwischen dem Ausgang der Harnröhre und dem Zusammenlaufen der inneren Schamlippen in Richtung Damm, sitzt dieses kleine Häutchen. Es umringt den Eingang der Vagina und besteht aus einer Art Hautfalte. Diese Hautfalte kann ganz unterschiedlich ausgeformt sein. Manche Jungfernhäutchen sind dünn und dehnbar, andere wiederum wulstig und fest. Manche Hymen sind sichelförmig geformt, andere wiederum einmal oder mehrfach perforiert. Der Hymen kann die Vaginalöffnung ganz oder teilweise bedecken; zuweilen fehlt das Jungfernhäutchen aber auch ganz. Das Gewebe ist stark durchblutet und ähnelt optisch der glänzenden, dünnen Hautschicht der Vagina.

Funktion

Wozu genau der Hymen gut ist, darüber streiten sich die Forscher. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Hymen ein Schutz vor Viren, Bakterien und sonstigen Keimen ist. Die Scheide entwickelt nämlich erst mit der Pubertät ein saures Milieu, welches durch Milchsäurebakterien aufgebaut wird. Auch die Möglichkeit der Selbstreinigung der Scheide entwickelt sich erst durch hormonelle Veränderungen im Teenageralter. Insofern könnte der Hymen eine Schutzbarriere darstellen, um den weiblichen Genitaltrakt vor Schmutz und Krankheitserregern zu sichern. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Hymen ein Überrest der Evolution ist. Einen Nachweis zur Keuschheit der Frau stellt der Hymen nicht dar.

Erkrankungen und Verletzungen

Die winzigen Hautfältchen können von jeder Erkrankung betroffen sein, die auch die sonstigen Hautareale betreffen. Es kann beispielsweise zu Kontaktallergien (Kondome, Vaginalzäpfchen, Gleitcreme, sonstige Produkte der Intimpflege), Hautausschlägen, Schwellungen oder dem Ansammeln von Gewebewasser kommen. Zu den häufigsten Verletzungen des Jungfernhäutchens gehört das (unfreiwillige) Einreißen. Hierbei muss man aber wissen, dass der Hymen oft schon im Kindesalter einreißt, was beispielsweise durch Sport, Fahrradfahren oder Herumtoben schnell passieren kann. Medizinisch kann ein so gedehnter oder eingerissener Hymen wieder minimalinvasiv verschlossen werden, wenn dies (aus kulturellen Gründen) von der Betroffenen gewünscht ist. Der Eingriff wird von den gesetzlichen Kassen allerdings nicht bezahlt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.