Kastrierter Mann

Gesundheitslexikon: Eunuch

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2. August 2019 - 11:58 Uhr

Eunuch - gesellschaftliches Ansehen durch Kastration

Eunuchen besetzen zahlreiche politische und religiöse Posten in der Kulturgeschichte des Menschen. In vielen antiken Kulten und politischen Landschaften des Altertums können Eunuchen beobachtet werden. Wir erklären, wie es zum Eunuchentum kam und warum die Eunuchen bei der herrschenden Klasse so beliebt waren.

Was ist ein Eunuch?

Eunuch ist eine Wortzusammensetzung aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie "Betthüter". Es handelt sich um kastrierte Männer, die oftmals hohe gesellschaftliche Positionen vertraten. Eunuchen können in der Geschichte zahlreicher Kulturen beobachtet werden. Insbesondere im asiatischen Raum genossen die Eunuchen ein hohes Ansehen. Mit der Kastration und Penektomie (Entfernung von Hoden und Penis) geht auch das Fortpflanzungsbedürfnis und, nach damaliger Vorstellung, das egoistische Denken verloren. Deshalb waren die Eunuchen als politische Berater und kaiserliche Diener beliebt. Die Tradition der chinesischen Eunuchen reicht bis in die Moderne und endet im Jahr 1996 mit dem Tod des letzten Eunuchen Sun Yaoting.

Wer wurde Eunuch?

Die Gründe für das Eunuchentum sind vielseitig. Oftmals zwang die soziale Situation den Mann zum Werdegang des Eunuchen. In vielen Kulturen bestand für den Einzelnen die Möglichkeit aus lebensbedrohender Armut das Eunuchentum frei zu wählen und somit gesellschaftlich aufzusteigen. Den Eunuchen im eigentlichen Sinne zeichnet deswegen nicht nur die Kastration aus, sondern auch eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Sowohl in antiken Kulten als auch der politischen Landschaft vieler Kulturen bot das Eunuchentum neue Perspektiven und Aufstiegschancen. Beispielsweise gab es im chinesischen Kaiserreich für viele Menschen nur die Wahl zwischen dem sicheren Hungertod oder dem hohen Lebensstil als Eunuch am kaiserlichen Hof.

Wie wurde die Kastration durchgeführt?

Die Kastration wurde stark durch den medizinischen Fortschritt der einzelnen Kulturen bedingt. Die chinesische Medizin beweist ungewöhnlich früh einen außerordentlichen Sachverstand und kann das Ableben von Eunuchen-Neulingen auf ein Minimum beschränken. Das vorzeitige Ableben der Eunuchen wurde häufig durch den Verschluss der Harnröhre ausgelöst. Die chinesische Medizin entwickelte deswegen sehr früh Techniken, um dies auszuschließen. Der Kastrierte ging nach der vollständigen Entmannung, von einem Helfer gestützt, mehrere Minuten im Raum auf und ab. Danach wurde dem Neu-Eunuchen ein Korken in die Harnröhre geschoben, um einen Verschluss zu verhindern. Anschließend musste der Kastrierte drei Tage ohne Wasser und Nahrung liegen.

In welchen Kulturen waren Eunuchen besonders vertreten?

Eunuchen sind insbesondere in politischen Haremskulturen und pantheistischen Urkulten zu finden. Der Harem des chinesischen Kaisers durfte von keinem anderen Menschen mit männlichem Geschlecht betreten werden. Es waren also ausschließlich Frauen und Eunuchen für große Areale des kaiserlichen Palastes zugelassen. Hier lässt sich der politische Einfluss der Eunuchen gut nachvollziehen. Besonders wichtige Botengänge und politische Absprachen wurden aufgrund der starken Reglementierung durch die Eunuchen bewerkstelligt - sie waren somit also enge Vertraute von Machtpersonen. Aber auch niedere Arbeiten im Palast wurden von Eunuchen durchgeführt. Für die Kaste der Eunuchen boten sich also Aufstiegschancen, die vom herkömmlichen Palasteunuchen bis zum politischen Diplomaten oder sogar militärischem Heerführer reichen konnten (beispielsweise Zheng He).