Wie schnell sinken rote Blutkörperchen ab?

Gesundheitslexikon: Blutsenkung (Blutsenkungsgeschwindigkeit)

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23. April 2019 - 9:06 Uhr

Die Bestimmung der Blutsenkung - eine wichtige Diagnosemethode

Neben der Erstellung des Blutbildes gehört auch die Bestimmung der Blutsenkung zu den Standardmethoden der klinischen Diagnostik. Während für die Bestimmung des Blutbildes verschiedene Bestandteile des Blutes gemessen werden, handelt es sich bei der Blutsenkung um eine physikalische Methode, die auf der Trennung von zellulären und nichtzellulären Bestandteilen des Blutes beruht. Die Geschwindigkeit des Absenkens der zellulären Blutanteilen bildet den Blutsenkungswert. Durch diesen Wert allein kann man keine Krankheiten feststellen. Allerdings gibt er eine wichtige Orientierungshilfe für das weitere Diagnosevorgehen.

Was ist eine Blutsenkung?

Die Blutsenkung erfolgt durch die Trennung von zellulären und nichtzellulären Bestandteilen des Blutes. Die zellulären Blutbestandteile wie Erythrozyten sind deutlich schwerer als das nichtzelluläre Blutplasma. Wenn Blut ungerinnbar gemacht wird, setzen sich die Blutkörperchen durch Schwerkraftwirkung bei ruhendem Blut ab. Die Geschwindigkeit dieser Absetzbewegung kann Hinweise auf bestimmte Erkrankungen geben. Daher wird bei der Bestimmung des Blutsenkungswertes auch von Erythrozytensedimentationsrate (ESR), Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder Blutsenkungsgeschwindigkeit gesprochen. Die Diagnostizierung einer speziellen Krankheit ist durch die Bestimmung der Blutsenkung jedoch nicht möglich.

Wie wird die Blutsenkungsgeschwindigkeit bestimmt?

Eine Blutsenkung ist nur dann möglich, wenn die Gerinnungsfaktoren ausgeschaltet werden, die eine Absenkung der Erythrozyten verhindern. Daher wird zumeist nach der Methode von Westergren das zu bestimmende Vollblut mit einer Natriumcitratlösung versetzt. Citrate binden Kalziumionen, die eine wichtige Voraussetzung für die Blutgerinnung darstellen. Das so behandelte Blut wird in ein senkrecht stehendes Kunststoff- oder Glasröhrchen gefüllt und einige Stunden stehen gelassen. Dabei wird die Senkung der zellulären Blutbestandteile durch zwei bis drei Messwerte dokumentiert, die nach einer, zwei und 24 Stunden bestimmt werden.

Wer bestimmt die Blutsenkungsgeschwindigkeit?

Die Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit gilt als Standarduntersuchungsmethode. Sie wird sowohl bei ambulanten Untersuchungen als auch im Krankenhaus angewendet, da sie wichtige Anhaltspunkte gibt, welche Richtung beim weiteren Diagnosevorgang eingeschlagen werden soll. So deutet eine zu hohe Erythrozytensedimentationsrate auf Entzündungsprozesse oder verstärkten Gewebezerfall im Körper hin. Die Ermittlung der Ursache dieser Entzündungs- oder Zerfallsprozesse ist durch diese Methode jedoch nicht möglich. Eine zu niedrige Blutsenkungsgeschwindigkeit kann wiederum durch Formveränderungen der Blutkörperchen wie bei Sichelzellanämie, bei einem Überschuss an Blutkörperchen oder bei einer perniziösen Anämie vorkommen. Die Normalwerte liegen zwischen 15 und 25 Millimetern nach zwei Stunden, wobei Frauen höhere Werte als Männer aufweisen.

Warum deuten unterschiedliche Blutsenkungsgeschwindigkeiten auf bestimmte Krankheiten hin?

Bei Entzündungsprozessen werden im Blut vermehrt Stoffe gebildet, die eine Zusammenballung von Blutkörperchen fördern. Diese Verbindungen wie beispielsweise Akute-Phase-Proteine neutralisieren die negative Ladung der Erythrozyten und heben so ihre gegenseitige Abstoßung auf. Dadurch entstehen größere Komplexe an Blutzellen, die noch schwerer als einzelne Blutzellen werden und dadurch schneller absinken. Im Gegensatz dazu vermindern Proteine der Albumin-Gruppe die Senkung. Auch bei Erhöhung des Anteils an Erythrozyten im Blut verringert sich die Blutsenkungsgeschwindigkeit, weil die Zelldichte steigt. Des Weiteren wird die Zusammenlagerung der Blutzellen durch Formveränderungen bei Blutkrankheiten oder durch unterschiedliche Reifegrade bei perniziöser Anämie mit dem Ergebnis einer niedrigen Blutsenkung verhindert.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.