Mit den Fingerspitzen lesen

Gesundheitslexikon: Blindenschrift

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23. April 2019 - 9:47 Uhr

Blindenschrift – mit den Fingern lesen

Eine große Hilfe für blinde Menschen stellt die Blindenschrift dar, die mithilfe des Tastsinns der Finger gelesen wird. Sehbehinderte Menschen können durch die Blindenschrift diverse schriftliche Informationen einholen und sich so besser im Leben zurechtfinden.

Was versteht man unter der Blindenschrift?

Als Blindenschrift werden Schriftzeichen bezeichnet, die auch von sehbehinderten Menschen gelesen werden können. Das Lesen der Blindenschrift wird mit den Fingern durchgeführt. Sehbehinderte nehmen mit ihren Fingern die Strukturen der Zeichen wahr und können diese daraufhin identifizieren. Während die Schrift für Sehbehinderte als Blindenschrift bezeichnet wird, bezeichnet man die Schrift der Sehenden oftmals als Schwarzschrift. Heutzutage gibt es zahlreiche verschiedene Blindenschriften. Zu den bekanntesten von ihnen zählt die Brailleschrift, die im Jahr 1825 erfunden wurde. Als Erfinder gilt Louis Braille. Aufgrund seiner eigenen Sehbehinderung entwickelte er ein praktisches Schriftsystem für Blinde.

Der Erfinder der Blindenschrift: Louis Braille

Das Punktschrift-Alphabet von Louis Braille wurde in den Jahren 1821 bis 1825 aus der sogenannten Nachtschrift von Charles Barbier kreiert. Der damals erst jugendliche Braille ersetzte die Silben dafür durch Buchstaben und reduzierte die Anzahl der Punkte pro Schriftzeichen von zehn auf sechs, sodass seine Schrift gut lesbar und schreibbar wurde. Obgleich die Brailleschrift erstmals im Jahr 1829 veröffentlicht wurde, dauerte es noch lange, bis sie ihren heutigen Bekanntheitsgrad erreicht hatte. Viele andere Blindenschriften haben den Nachteil, dass sie - im Gegensatz zur Brailleschrift - von sehenden Menschen für erblindete Menschen entwickelt wurden.

Wie unterscheiden sich die einzelnen Blindenschriften?

Es gibt zwei Arten von Blindenschriften. Bei der sogenannten Reliefschrift werden normale lateinische Buchstaben oder grafische Muster tastbar gemacht. Die Punktschrift wiederum bildet die Buchstaben als Punkte ab oder übersetzt diese in einen Code. Die bekannte Brailleschrift zählt zu den Punktschriften und verwendet sechs Punkte zur Darstellung von Buchstaben und Zeichen. Eine weitere bekannte Punktschrift, die vor der bekannten Brailleschrift in Nordamerika verwendet wurde, ist die sogenannte New York Point". Die Darstellung der Punktschrift kann sowohl mittels Braillezeilen als auch mittels dauerhafter Prägung in Papier oder Karton erfolgen. Die permanente Darstellung erfolgt üblicherweise auf Karton oder auf Papier mit einer stärkeren Dicke. Oftmals kommen auch Metallplatten mit der Punktschrift oder Kunststoff-Folien zum Einsatz.

Warum ist die Blindenschrift so wichtig für die Menschheit?

Die Blindenschrift ist eine nützliche Erfindung für sehbehinderte Menschen und nimmt in ihrer Verbreitung stetig zu. Ihre Einführung erleichterte das Leben von Blinden in verschiedenen Bereichen. Mithilfe der Computer-Braille können Blinde den Inhalt eines Computer-Bildschirmes auslesen und sich so in der digitalen Welt bewegen. Mit dem Computer-Brailledisplay werden Buchstaben über acht Tasten eingegeben. Dank des Dudens in Punktschrift können Blinde selbstständig Informationen einholen. Durch Pharmaverpackungen, die mit Blindenschrift versehen sind, können außerdem Gefahren durch falsche Einnahme der Arzneimittel verhindert werden. Diese Beispiele demonstrieren, wie wichtig die Blindenschrift für Sehbehinderte ist, um selbstständig zu leben und Teil der Gesellschaft zu sein.