Todesfälle sollen dadurch geklärt werden

Gesundheitslexikon: Autopsie (Obduktion, innere Leichenschau)

© dpa, Jens Kalaene, jka sne jol

11. März 2019 - 14:04 Uhr

Autopsie - den Todesumständen auf der Spur

Immer mehr Fernsehsender zeigen Formate, bei denen in detektivischer Kleinarbeit spektakuläre Todesfälle aufgeklärt werden. Dabei genießt der Zuschauer einen voyeuristischen Einblick in die Abläufe eines Leichenschauhauses. Bei einer Autopsie, so scheint es, arbeiten Gerichtsmediziner und Forensiker Hand in Hand. Dass eine reale Leichenschau weitaus weniger spektakulär abläuft, ist den wenigsten Zuschauern bewusst.

Was ist eine Autopsie?

Mit einer Autopsie, auch Obduktion oder innere Leichenschau genannt, sollen die Umstände eines Todesfalls festgestellt werden. Sie wird meist kurzfristig nach Todeseintritt vollzogen und findet in der Pathologie oder Rechtsmedizin statt. Sie kann von Ärzten, Pathologen oder Gerichtsmedizinern vorgenommen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung werden im sogenannten Obduktionsbericht ausführlich festgehalten. Eine Obduktion dauert zwischen zwei bis vier Stunden. Die Kosten liegen bei rund 900 EUR, für die der Steuerzahler aufkommt. Nach der Autopsie wird der Leichnam gesäubert und den Angehörigen zur Bestattung freigegeben.

Welche Gründe gibt es für eine Autopsie?

Eine Leichenöffnung wird in jedem Fall gerichtlich angeordnet, wenn der Tod durch ungeklärte Umstände oder eine vermutete Fremdeinwirkung eingetreten sein könnte. Wenn Angehörige letzte Gewissheit darüber wollen, welcher Umstand genau zum Tode führte, können sie eine Obduktion erbeten. Auf diesem Wege können unentdeckte Erbkrankheiten ausgeräumt werden. Interessant ist eine Autopsie für angehende Mediziner. Sie lernen rund ein Semester im Rahmen des Medizinstudiums die genauen Abläufe und Techniken einer Leichenschau. Dabei werden auch anatomische Präparationen von Gewebeteilen oder Organen hergestellt.

Welche Bedingungen müssen bei der Obduktion erfüllt sein?

Generell gilt die Einhaltung der Totenruhe. Ein eng gestecktes Regelwerk erlaubt es allerdings, eine Leiche unter bestimmten Umständen zu untersuchen. Einerseits kann eine gerichtliche Anordnung (nach §87 Strafprozessordnung) vorliegen. Damit soll zumeist ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden. Andererseits kann sogar der Verstorbene noch zu Lebzeiten um eine Obduktion bitten, wenn beispielsweise eine Krankheit final abgeklärt werden soll. Manche Menschen verfügen auch in ihrem Testament, dass sie ihren Körper zu Forschungszwecken spenden möchten. Wenn Seuchengefahr besteht, ordnet das Gesundheitsamt eine Leichenschau an.

Welche Verfahren der Autopsie gibt es?

Es gibt mehrere Arten. Die klinische Obduktion dient der Qualitätssicherung des Krankenhauses. Sie wird empfohlen, wenn es Unklarheiten bezüglich der Diagnostik oder Therapie des Verstorbenen gibt oder der Verdacht einer Erbkrankheit naheliegt. Die gerichtliche Obduktion wiederum wird angeordnet, wenn eine nicht natürliche oder unklare Todesursache vermutet wird. Auch bei einem Suizid, einem Tötungsdelikt, unterlassener Hilfeleistung oder einem Unfalltot wird sie richterlich angeordnet. Sie muss dann von mindestens einem Gerichtsmediziner durchgeführt werden. Die anatomische Autopsie wiederum wird zu Ausbildungs- und Weiterbildungszwecken vorgenommen.

Wie ist der Ablauf einer Autopsie?

Zunächst werden die äußere Erscheinung sowie der Zustand des Verstorbenen protokolliert. Darunter fallen auch die Feststellung der Körpergröße, etwaige Hautveränderungen, Narben und der Zahnstatus. Danach folgt die innere Besichtigung, wobei der Leichnam an Schädel, Brust und an der Bauchhöhle geöffnet wird. Es wird nach Auffälligkeiten oder krankhaften Veränderungen geschaut. Wenn nötig, werden Organ- und Gewebeproben oder Blut- und Urinproben genommen. Diese werden im Nachgang toxikologisch untersucht. Nach der Obduktion werden entnommene Organe wieder eingesetzt, die Schnittstellen vernäht und der Körper gesäubert.