Künstlich herbeigeführte Kausalzusammenhänge

Gesundheitslexikon: Artefakt

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2. April 2019 - 15:02 Uhr

Diagnostische Artefakte - alles anders, als es aussieht

Artefakte sind vor allem aus archäologischen Ausgrabungen bekannt, etwa in Form von Krügen, Waffen und sonstigen Gebrauchsgegenständen aus längst vergangenen Zeiten. Auch aus der medizinischen Sicht sind Artefakte etwas vom Menschen Erzeugtes. Während sich die Archäologie über Artefakte freut, gilt für die medizinische Diagnostik jedoch das Gegenteil. Artefakte jeglicher Art erschweren Medizinern nämlich die Arbeit: Es handelt sich um vermeintliche, aber in Wirklichkeit künstlich herbeigeführte Kausalzusammenhänge innerhalb der Diagnostik, die Psychologen, Medizinern und Forensikern die Interpretation von Testergebnissen erschweren.

Was ist ein diagnostisches Artefakt?

Medizinische Diagnostiker und Forensiker befinden sich auf der Suche nach Kausalzusammenhängen. Wollen Ärzte eine zuverlässige Diagnose stellen, so sind kausale Zusammenhänge zwischen Beschwerden und bestimmten Krankheitsprozessen zu ziehen. Zur Verifizierung eines bestimmten Krankheitsprozesses sind Testergebnisse zu analysieren, deren Werte einen Kausalzusammenhang mit dem entsprechenden Krankheitsgeschehen ableiten lassen. Artefakte erschweren es der Diagnostik, echte Kausalzusammenhänge zu erkennen. Der Begriff steht in der Medizin für menschlich oder technisch entstandene Produkte und Phänomene, die wissenschaftlich wertlos sind und über den Untersuchungsgegenstand trotz überzeugendem Eindruck rein gar nichts aussagen. Damit bilden Artefakte eine diagnostische Fehlerquelle und legen Kausalzusammenhänge nahe, die gar nicht existieren.

Wer ist besonders mit technischen Artefakten konfrontiert?

Die bekanntesten Artefakte stammen aus der bildgebenden Diagnostik. Befinden sich Ärzte beispielsweise auf der Suche nach den Ursachen einer Lähmungserscheinung, halten sie ringförmige Strukturen im MRT-Bild des Gehirns womöglich fälschlicherweise für eine Hirnläsion (Gewebebereich, der durch eine Krankheit oder eine Verletzung beschädigt wurde). Diese Strukturen überlagern das Bild, so beispielsweise in Form von Ringartefakten im Sinne einer kreisförmig konzentrischen Ringstruktur. Obwohl ein diagnostisches Artefakt auch menschlich verschuldet sein kann, sind die Artefakte der Bildgebung meist technikbedingt. In diagnostischen Bildgebungen wie der Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen sich oft Strukturen, die auf minimale Bewegungen oder Störeinflüsse von Materialien wie Metallen zurückgehen.

Wie können menschliche Artefakte die Diagnostik behindern?

In der Forensik sind menschliche Artefakte an der Tagesordnung. In der Zeit zwischen einem begangenen Verbrechen und der Spurensicherung hinterlassen Menschen am Tatort versehentlich ihre Spuren. Solche menschlich verursachten Artefakte erschweren der Spurensicherung die Arbeit, indem sie die Ergebnisse verfälschen. Ein ähnliches Phänomen kann auch im Bereich der medizinischen Laborbefunde vorkommen, wenn Laborproben versehentlich verunreinigt werden. Davon zu unterscheiden sind Artefakte, die auf der Natur der Probenentnahme basieren. Letztere Artefaktart ist beispielsweise in der Histologie verbreitet, wo Präparationsmethoden wie das Einfrieren oder Trocknen verfälschende Spuren in der Gewebeprobe hinterlassen.

Warum wirken sich Artefakte auf die Zuverlässigkeit von Diagnostika aus?

Als Gütekriterium für Mess- und Testverfahren entspricht die Validität, das heißt die Übereinstimmung von empirischen Messungen mit logischen Messkonzepten. Testverfahren mit guter Validität besitzen eine hohe Genauigkeit und messen am ehesten dasjenige Merkmal, das mit dem Verfahren tatsächlich gemessen werden soll. Je eher Messverfahren aus sich selbst heraus für Artefakte anfällig sind, desto weniger valide sind sie. Speziell in der Bildgebung lassen sich Artefakte relativ leicht erkennen und sogar ausschließen, indem Patienten beispielsweise zum Stillhalten angewiesen werden. Auch Wiederholungserhebungen helfen bei der Validierung der Ergebnisse.