Organisationsform der tierischen Einzeller

Gesundheitslexikon: Amöbe

1. April 2019 - 13:48 Uhr

Amöben: Welche Bedeutung haben die Einzeller für die menschliche Gesundheit?

Amöben sind strukturlose Einzeller, die an lebendigen Schleim erinnern. Sie haben einen festen Zellkern und wurden wegen ihres Verhaltens (Habitus) und Aussehens (Morphologie) früher als Verwandte von anderen Einzellern angesehen. Neue Forschungsergebnisse zeigen aber, dass Amöben eine eigene Organisationsform darstellen. Was genau sind Amöben und welche Krankheiten können sie auslösen?

Was sind Amöben?

Als Amöbe wird eine Organisationsform der tierischen Einzeller bezeichnet. Amöben besitzen keinen genetisch nachvollziehbaren Verwandtschaftsgrad. Die Zuordnung der Amöben zu den Protozoen (Urtierchen) ist nicht mehr aktuell, da die Klasse der Protozoen auf Grund neuerer Forschungsergebnisse ebenfalls nicht mehr haltbar ist. Die Amöben zeichnen sich durch eine stetig wechselnde und anpassungsfähige äußere Form aus. Sie ernähren sich von Einzellern und nutzen ihre veränderbare Form um andere Lebewesen einzuschließen und aufzunehmen. Dieser Prozess vollzieht sich häufig schleichend, sodass beispielsweise friedlich träumende Pantoffeltierchen erst die Anwesenheit einer Amöbe erkennen, wenn sie bereits von allen Seiten eingeschlossen sind und lebendig phagozytiert (aufgelöst) werden.

Wodurch zeichnen sich die Amöben aus?

Amöben stellen keine genetisch verwandte Gruppe dar, sondern haben sich im Laufe der Evolution in verschiedenen Gruppen parallel entwickelt. Die Amöbe ist deswegen eine Organisationsform. Sie zeichnet sich durch die Ausbildung von Scheinfüßchen (Pseudopodien) und eine stetig ändernde Gestalt aus. Die Scheinfüßchen dienen der Amöbe zur Fortbewegung und sind Teil der fortlaufend wechselnden Morphologie. Amöben sind in vielen Gruppen der einzelligen Urtierchen vorhanden. Die amöben Arten unterscheiden sich gleichzeitig durch weitere Eigenschaften wie den Energiegewinn durch Photosynthese (durch Lichtaufnahme) und Heterotrophie (durch die Aufnahme von anderen Lebewesen). Auch in der Gestalt lassen sich zahlreiche Unterschiede innerhalb der Gruppe der Amöben erkennen.

Vorkommen von Amöben

Amöben besiedeln alle nur denkbaren Lebensräume der Erde. Viele Arten haben eine globale Verbreitung. Besonders gut können Amöben aus feuchten Böden und Schlamm isoliert werden. Die Isolierung aus Meer- und Süßwasser ist ebenfalls unproblematisch. Amöben machen auch vor extremen Klimazonen nicht halt und werden auch in der Arktis und Antarktis vorgefunden. Eine Isolierung aus der Luft ist ebenfalls möglich. Hier bestehen die Amöben in Zystenform und verbreiten sich durch den Wind. Amöben finden sich auch häufig im menschlichen Gewebe ohne Beschwerden zu verursachen oder aufzufallen. Insbesondere in der Mundhöhle und im Verdauungstrakt können Amöben symptomlos überleben.

Welche Krankheiten können sie verursachen?

Pathogene Amöbenarten wie die Entamoeba histolytica werden durch kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommen und können die Amöbenruhr (invasive Amöbendysenterie) auslösen. Die Entamoeba histolytica hat trotz ihres tierischen Zellaufbaus keine Mitochondrien und bildet Cysten aus. Die Cysten werden von Menschen über Lebensmittel aufgenommen und setzen sich in und auf den Schleimhautzellen des Darms ab. Durch eine anschließende Invasion können einem asymptomatischen Verlauf schwere Durchfälle und Darmkoliken folgen. Bei ausbleibender medizinischer Behandlung kann die Erkrankung tödlich enden. Die Amöben dringen in weitere Organe wie die Leber ein und befallen letztendlich sogar das Hirn. Weltweit sterben etwa 100.000 Menschen jährlich aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung an der Amöbenruhr.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.