Gemütszustände negativer Emotion

Gesundheitslexikon: Aggression

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5. März 2019 - 11:38 Uhr

Aggression: Wenn sich negative Emotionen häufen

Reizbar? Die nächste Stufe lautet Aggression. Mediziner und Psychologen definieren Aggressionszustände als Gemütszustände negativer Emotion, die zu einem verbalen oder körperlichen Ausbruch drängen. Aggression kann sich gegen andere oder gegen die eigene Person richten. Mit Theorien wie der psychoanalytischen Aggressionstheorie, der Lerntheorie oder der Aggressions-Frustrations-Theorie bietet die Wissenschaft mittlerweile verschiedene Erklärungsansätze zu den Entstehungsmechanismen von aggressivem Verhalten. Aggression kann nicht nur ein Frustrationssymptom sein, sondern ebenso gut Hinweise auf seelische Störungen wie Borderline-Persönlichkeitsstörungen oder körperliche Erkrankungen geben, darunter vor allem hormonelle Ungleichgewichte.

Was ist Aggression?

Freud interpretiert Aggression in der psychoanalytischen Aggressionstheorie als Antrieb aller zerstörerischen Handlungen des Menschen und spricht aggressiven Zuständen genau wie anderen Trieben das Erfordernis einer gelegentlichen Abreaktion zu. In der Instinkttheorie von Lorenz und Eibl-Eibesfeldt stellt Aggression dagegen den Arterhalt sicher. Banduras geht in der Lerntheorie davon aus, dass aggressive Verhaltensweisen erlerntes Verhalten darstellen. In der Frustrations-Aggressions-Theorie von Dollard und Miller resultiert Aggression wiederum immer aus Frustrationserlebnissen im Sinne von Störungen der zielgerichteten Aktivität. Einige andere Theorien weisen auf genetische Faktoren der Aggressionsanfälligkeit hin. Mittlerweile hält die Wissenschaft die Einzelkomponenten aller genannten Theorien für zutreffend.

Ursachen und Symptome

Aggression kennt unterschiedliche Auslöser. So tritt aggressives Verhalten vor allem in den folgenden Kontexten auf:

- Selbstverteidigung

- Eigentumsverteidigung

- Sexualitätsrivalität

- Rangordnungskämpfen

- Frustration

- psychische Störungen wie das Borderline-Syndrom

- schizoaffektive Störungen

- Suchterkrankungen

- Angsterkrankungen

Im Hinblick auf körperliche Erkrankungen zeichnen sich vor allem Hormonerkrankungen mit Testosteron- oder L-Thyroxin-Überschuss durch aggressive Verhaltensweisen aus. Auch mit Medikamentengaben kann eine niedrige Aggressionsschwelle verbunden sein, so vor allem mit Substanzen wie

- Piracetam

- aktivierenden Antidepressiva

- Antiepileptika

- Coffein

- Appetitzüglern

Die Begleitsymptome der Aggression hängen von der Ursache ab, beinhalten aber oft Schlaflosigkeit.

Diagnose und Behandlung/Therapie

Aggression führt zu Selbst- oder Fremdgefährdung und hängt oft mit vermehrter Gewaltbereitschaft zusammen. In der Regel begeben sich Aggressionspatienten nicht von sich aus zu einem Arzt. Psychologen und Allgemeinmedizinern können Aggressionszustände bei der Diagnose verschiedener Erkrankungen helfen. Aggression ist also ein Symptom und nicht selbst als Diagnose zu verstehen. Bei psychisch verursachten Aggressionszuständen geht es um die Aufarbeitung und Neubewertung von frustrierenden Situationen. In der kognitiven Verhaltenstherapie lassen sich aggressive Verhaltensweisen anpassen. Hormonell verursachten Aggressionszuständen begegnen Ärzte mit Hormontherapien. Falls Medikamente der Auslöser sind, helfen Anpassungen der Wirkstoffe. Auch Entspannungstechniken sind sinnvoll. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung erhalten Aggressionspatienten Beruhigungsmittel.

Vorbeugung

Ein Blick auf das Tierreich zeigt, dass Aggression bis zu einem gewissen Maß ein vorgesehener Gemütszustand ist. Aggressionszustände machen speziell in Bedrohungssituationen Sinn. Eine niedrige Aggressionshemmschwelle kann aber gerade unter Menschen gefährliche Folgen haben. Um die Aggressionsschwelle anzupassen und Ausbrüche zu vermeiden, helfen neben Entspannungstechniken frühzeitige Aufarbeitungen möglicher Belastungssituationen. Viele Aggressionszustände deuten an, dass die Betroffenen mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Frustrationsaggressionen dieser Art können Patienten gegebenenfalls durch Anpassungen des Lebenswandels vorbeugen. Wichtig ist zur Vorbeugung vor allem die ehrliche Selbstbeobachtung.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.