Obwohl sie so winzig sind

Gefräßige Mini-Killer: Warum Borkenkäfer so schädlich für unsere Wälder sind

Ein Wald nach Borkenkäferbefall
© iStockphoto, Thomas Muller

26. August 2020 - 7:55 Uhr

Gibt es bald Entspannung für unsere Wälder?

Gerade in der Corona-Krise ist der Wald für viele ein Erholungsort. Doch ein kleiner Käfer lässt von der grünen Lunge mancherorts nicht mehr viel übrig. Und das schon im dritten Jahr in Folge. Experten sind in Sorge, dass es erst in ferner Zukunft Entspannung gibt.

Milliardenheer in deutschen Wäldern

Sie sind nur millimetergroß, doch ihr Milliardenheer macht den Wäldern in Deutschland auch in diesem Jahr erneut schwer zu schaffen: Borkenkäfer, oder genauer gesagt Buchdrucker, verwandeln innerhalb kürzester Zeit ganze Waldlandschaften. Wo einst tiefgrüne Fichten standen, bleiben vielerorts nur noch braun-gräuliche Holzgerippe. Forstleute sind vielerorts nahezu pausenlos im Einsatz, um betroffene Bäume aus den Wäldern zu holen.

Borkenkäfer in Nahaufnahme
Borkenkäfer in Nahaufnahme
© iStockphoto

Wenn der Baum erste Anzeichen zeigt, ist es längst zu spät

Denn die Gefahr sei, dem Borkenkäfer immer hinterher zu laufen, sagt der Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, Andreas Bolte. "Der Borkenkäfer sitzt unter der Rinde und durchtrennt Stück für Stück die Kohlenhydratzuleitung der Wurzeln bis zur Baumkrone", erklärt der Waldökologe. Die Bäume sterben also nicht primär durch den Trockenstress, sondern daran, dass langsam die Wurzeln absterben und sie kein Wasser mehr transportieren können.

Der sichtbare Schaden tritt daher erst verzögert ein. Ein Baum könne schon komplett dem Tode geweiht sein, man sehe es ihm aber nicht an, da der Baum in der Krone noch grüne Nadeln habe, weiß Bolte. "In diesem Moment, wo das festgestellt wird, ist der Käfer aber längst schon wieder aus dem Baum draußen und befällt neue."

Durch Trockenheit fehlt den Bäumen das Abwehrsystem

Neben Stürmen bereitete vor allem die Trockenheit dem Borkenkäfer in den vergangenen Jahren leichtes Spiel: "Mit jedem Niederschlagsdefizit, das von Jahr zu Jahr zunimmt, werden die Wasser-Reserven in den Bäumen aufgebraucht", erklärt der Stadtforstdirektor von Fürstenwalde an der Spree, Thomas Weber. In seinem Forst sind viele Fichten bereits verschwunden. "Wenn Wasser fehlt, dann haben Nadelbäume auch keine Abwehrreaktion mehr bei einem Borkenkäferbefall." Denn normalerweise können die Bäume die Eindringlinge mit ihrem Harz übergießen und so unschädlich machen.

Aus ökologischer Sicht hat der Buchdrucker durchaus auch eine Berechtigung, denn eigentlich sorgt er dafür, dass sich Fichtenwälder regenerieren. Indem die Käfer kranke Bäume befallen, machen sie Platz für neue, gesunde. Zuletzt explodierten aber die Käfer-Populationen.

Wie steht es um die deutschen Wälder?

Den deutschen Wäldern geht es ohnehin nicht all zu gut, wie zuletzt auch neue Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums belegten. Demnach haben Stürme, Dürre und Schädlinge den Wäldern noch heftiger zugesetzt, als bisher bekannt. Rund 285 000 Hektar müssen aufgeforstet werden - das ist mehr als die Fläche des Saarlandes. Bislang war die Bundesregierung im Zeitraum von Januar 2018 bis Ende Juni 2020 von 245 000 Hektar ausgegangen. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als elf Millionen Hektar Wald.