Mediziner erklärt Zungendiagnostik

Fieser Belag, Form, Farbe: Was die Zunge über unsere Gesundheit verrät

Farb- und Strukturveränderungen der Zunge, aber auch Belag können auf verschiedene Erkrankungen hindeuten.
Farb- und Strukturveränderungen der Zunge, aber auch Belag können auf verschiedene Erkrankungen hindeuten.
© NILS KAHLE (NILS KAHLE (Photographer) - [None], istockphoto, NILS KAHLE

14. Januar 2022 - 7:03 Uhr

Wir brauchen unsere Zunge zum Sprechen, Schlucken und Schmecken. Sie kann aber noch weitaus mehr als das. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spiegelt die Zunge die wichtigsten inneren Organe des menschlichen Körpers wider. Das heißt: An ihr soll man erkennen können, ob unser Körper gesund ist oder nicht. Eine belegte, geschwollene oder brennende Zunge – all das kann Auskunft über eine körperliche Erkrankung geben.

Farbliche Beläge auf der Zunge

Weißlicher Zungenbelag kann nach der Traditionellen Chinesischen Medizin eine Erkrankung sein.
Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) deuten weißliche Beläge auf der Zunge auf eine gestörte Entgiftungsfunktion von Darm und Nieren, eine Entzündung des Darms oder eine Erkältung hin.
© Andrey Popov

Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet die Zunge als Spiegelung innerer Vorgänge. Bei einem ersten Blick auf die Zunge sieht man sofort, ob die Zunge belegt ist oder nicht. Normalerweise ist sie sacht rosa, wenig belegt und hat eine raue Oberfläche. Doch was bedeutet es, wenn ein farblicher Belag zu sehen ist?

Nach der TCM können dies Hinweise auf Störungen im Organismus sein:

  • Weißliche Beläge auf der Zunge deuten auf eine gestörte Entgiftungsfunktion von Darm und Nieren, eine Entzündung des Darms oder eine Erkältung hin.
  • Gelbliche Beläge weisen auf Störungen der Galle, Leber und einen Reizdarm hin.
  • Eine gräulich gefärbte Zunge ist ein Hinweis auf Blutarmut.

Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht bestätigt im RTL-Interview: Leber- und Gallenschäden lassen sich öfters an der Zunge ablesen. Auch Vergiftungen, die mit der Leber zusammenhängen, seien an gelblichen Belägen erkennbar. "Das meiste, was bei Belägen in Frage kommt, ist eigentlich eine Pilzerkrankung. Aber es ist eben nicht immer eine Pilzerkrankung. Es kann auch auf eine Störung im Magen-Darm-Trakt beziehungsweise auf Leber- und Gallenschäden hinweisen", erklärt der Mediziner.

Gerade bei Rauchern könne es vorkommen, dass eine Zunge dunkel verfärbt sei, erläutert Specht. Dies könne aber auch nach der Einnahme von bestimmten Antibiotika möglich sein.

Auch eine sogenannte "Landkartenzunge" mit weißlichen Belägen auf der Zungenoberfläche, an denen einzelne Stellen frei sind, sei kein Hinweis einer Erkrankung. "Das ist nicht ansteckend, ist keine Infektion und da macht man auch nichts", so Specht.

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Was die Form der Zunge über die Gesundheit aussagt

Nicht nur der Zungenbelag, sondern auch die Form der Zunge liefert nach der Traditionellen Chinesischen Medizin Hinweise auf eine mögliche Erkrankung.

  • Eine stark geschwollene Zunge mit Zahn-Eindrücken kann einen Hinweis auf eine gestörte Leberentgiftung sein. Liegen die Zahneindrücke sehr seitlich an der Zunge, deuten sie auf eine Schilddrüsen-Unterfunktion hin.
  • Zahlreiche Zahnabdrücke und ein ungleichmäßiger Belag (die sogenannte "Landkartenzunge") auf der Zungenoberfläche können Anzeichen für Störungen des Verdauungsapparates sein. So äußern sich außerdem auch gestörte hormonelle Abläufe im Körper.
  • Eine starke Ausprägung der Furche in der Zungenmitte mit einem Verlauf über die gesamte Zungenlänge und mit kleineren Furchen an den Seiten, so kann dies auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hindeuten.
  • Geschwollene Papillen (kleine knospenartige Verdickungen auf der Oberfläche) und eine leuchtend rot gefärbte Zunge (auch "Himbeerzunge") kann ein typisches Scharlach-Symptom sein.

In der Schulmedizin könne eine geschwollene Zunge ein Hinweis auf eine Allergie oder aber auch auf eine Zungenentzündung (Glossitis) sein, sagt Dr. Specht. Allerdings solle man mit voreiligen Schlüssen sehr vorsichtig sein. Denn: Verfurchte Zungen weisen nicht immer sofort auf eine Erkrankung. Sie könnten zwar mal auf Diabetes hindeuten, aber üblicherweise habe dies keine große Bedeutung.

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Nach der wissenschaftlichen Medizin sei die Veränderung der Oberfläche der Zunge wichtiger als die Form der Zunge. Specht erklärt: "Die Furchen haben meist keinen Krankheitswert".

Sein Rat: Sollte man Bedenken nach dem Betrachten seiner Zunge haben, so solle man den Hausarzt oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen.