Arbeiten mit Ton - so geht's und das brauchen Sie dafür

DIY-Trend Töpfern zu Hause – die besten Tipps für Anfänger

Legendär: Demi Moore und Patrick Swayze in "Ghost - Nachricht von Sam"
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Imago Entertainment

von Mireilla Zirpins

Schön glasiertes Geschirr aus Keramik ist gerade mega angesagt. Ob man das selber machen kann? Aber klar! Dank des DIY-Trends gibt es alles, was man dafür braucht, auch problemlos zu kaufen. Und Töpfern hat was total Sinnliches: Wir klopfen uns den Stress aus der Seele, wir matschen in feuchtem Ton und streichen ihn mit den Händen oder einem Schwämmchen glatt. Und am Ende streicheln wir über unser fertiges Objekt und fühlen die körnige Struktur oder die spiegelglatte Glasur. Herrlich! Aber ein paar Dinge muss man wissen und im Haus haben, bevor man mit dem Töpfern beginnt.

Handgefertigte Keramik ist im Trend: jedes Stück ist einzigartig
Handgefertigte Keramik ist angesagt: jedes Stück ein Unikat
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Was Sie brauchen zum Töpfern zu Hause

  • Aufbereiteten Töpferton – im Zweifelsfall „lufttrocknend“*
  • Unterlage als Tischschutz: Backmatte, großes Holzbrett, Wachsdecke
  • Beweglicher Untergrund: Ränderscheibe*, drehbare Tortenplatte oder kleines Holzbrett
  • Holzrolle – ein Nudelholz tut es auch
  • Drahtschlinge: dünner unbeschichteter Draht zum Schneiden des Tons mit Griffen am Ende
  • Schüssel mit lauwarmem Wasser
  • Schüssel oder Schraubglas für die Herstellung von Schlicker (dünnflüssige Ton-Wasser-Gemisch)
  • Einen Schwamm zum Glätten und Befeuchten des Tons
  • Modellierhölzer und eine Drahschlinge*: Töpferwerkzeug zum Kratzen und Glätten, alternativ Fondant-Modellierwerkzeug oder Essbesteck
  • Küchenmesser
  • zwei Vierkanthölzer (ca. 1cm dick) oder gleich dicke alte Holzbretter
  • Frischhaltefolie oder Gefrierbeutel oder alte Tüten – zum Feuchthalten von Restton, der noch nicht verarbeitet ist

Holz-Werkzeuge oder Plastikschüsseln können sich durch den Ton verfärben. Vielleicht möchten Sie sie dann nicht mehr für Lebensmittel verwenden.

Therapeutische Kraft von Keramikarbeiten: wie uns Töpfern zurück in unsere Kindheit versetzt

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, wie Demi Moore im Kinofilm „Ghost“ beseelt an einer Töpferscheibe zu sitzen? Oder die Hände tief in ein Stück schmatzenden Ton zu drücken? Das hat etwas Therapeutisches, weshalb Töpfern gern bei Schlaganfallpatienten eingesetzt wird. Das ungehemmte Matschen katapultiert uns gefühlsmäßig zurück in unsere Kindheit. Und genau das müssen Sie machen, wenn Sie mit dem Töpfern starten. Sie müssen sich eine Stange aufbereiteten Töpferton besorgen und diesen erstmal nach Strich und Faden weichklopfen. Kinder ab zwei dürfen gern mitmachen – der Ton selbst ist ungiftig, nur bei den Glasuren müssen Sie aufpassen.

Töpfern liegt im Trend ist eine sinnliche Sache
Eine sinnliche Erfahrung: Töpfern
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Den richtigen Ton finden

Achten Sie darauf, keine synthetische Modelliermasse zu erwerben, sondern richtigen Töpferton, wenn Sie strapazierfähige Keramik erstellen wollen und diese hinterher mit einer glänzenden und abwaschbaren Schicht glasieren wollen. Wenn Sie „nur“ kleine Deko-Elemente herstellen wollen, die nicht mit Flüssigkeit gefüllt oder gespült werden sollen, reicht ein „lufttrocknender Ton“*, den Sie nicht brennen müssen, sondern im Backofen etwas stoßfester machen können. Brennen können sie den auch. In einem speziellen Brennofen verändert er chemisch seine Konsistenz und wird strapazierfähiger.

Ton gibt es in zahlreichen Natur-Tönungen und in verschiedenen Körnungen. Davon hängt ab, wie glatt oder rau ihre Scherbe nach dem Brennen aussieht und ob sie eher terracottafarben leuchtet oder fast weißlich ist.

Den Ton durch Klopfen vorbereiten – hier können Sie alles rauslassen

Teilen Sie mit der Drahtschlinge ein Stück Ton ab. Dann schlagen Sie ihn von allen Seiten auf die Unterlage oder kneten Sie ihn durch. Das ist wichtig, damit der Ton keine Luftblasen mehr enthält. Die könnten das fertige Kunstwerk beim Brennvorgang zum Platzen bringen. Das machen Sie ruhig 5 bis 10 Minuten lang. Aber bitte nicht ziehen. Sonst kann Ihr Werk später beim Trocknen oder Brennen reißen. Ihre Haut entzieht dem Ton Feuchtigkeit. Sollte Ihr Ton zu trocken sein, befeuchten Sie einfach Ihre Hände. Wenn Ihr Ton richtig schön warm und leicht knetbar ist, ist er perfekt zum Bearbeiten.

Schlicker selbst herstellen: Unser Allzweck-Kitt beim Töpfern

Ein Stückchen Ton zerkleinern und in etwas Wasser aufweichen. Dann hat man ständig eine flüssige Schlamm-Masse zur Verfügung, um Schwachstellen auszubessern oder Teile zu verbinden. Sie können jederzeit kleine Tonreste nachfüllen und dann mit etwas Wasser verdünnen. Hält sich auch prima in einem Schraubglas. Nun sind Sie startklar und haben folgende Möglichkeiten, etwas aus dem Töpferton herzustellen. Für Anfänger bietet sich eine Schüssel für Müsli oder Bowls an, Fortgeschrittene können sich an eine Schale mit Deckel oder eine Tasse mit Henkel wagen.

Schlicker fürs Töpfern können Sie selbst herstellen
Schlicker - damit wird's beim Töpfern schön glatt
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1. Aufbautechnik

Bei der Aufbautechnik bauen wir ein Gefäß aus Röllchen auf. Zunächst rollen wir auf der Unterlage zwischen zwei gleich dicken Viertelstäben den Ton zu einer gleichmäßigen Platte von 0,5-1 Zentimeter aus. Mit einem runden Gegenstand oder Papier als Schablone und einem spitzen Messer schneiden wir den Boden unseres Gefäßes aus und setzen ihn auf die kleinere bewegliche Unterlage, etwa eine Renderscheibe, eine Tortenplatte oder ein kleines Holzbrett, damit wir unsere Arbeit drehen können und gut von allen Seiten drankommen.

Dann rollen wir Ton mit den Händen zu gleichmäßigen etwa fingerdicken Würstchen. Aus denen bauen wir Stück für Stück die Wand auf. Wichtig: Mit einem Töpferwerkzeug oder notfalls mit einer Gabel immer beide Tonteile an der Kontaktstelle ordentlich aufrauen. Ein bisschen Wasser drauftupfen, feste aufeinander drücken und dann von beiden Seiten mit einem Werkzeug oder den Fingern verstreichen. Die Rillen kann man mit einem dünneren Würstchen aus sehr weichem Ton und Schlicker füllen. Mit Modellierwerkzeugen oder einem Messer ohne Rillen glätten. Das Ganze mit einem leicht feuchten Schwämmchen nochmal glattstreichen. Wenn Sie noch Griffe oder Henkel dranmachen wollen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Dafür sollte man schon etwas Übung haben. Hier müssen die Verbindungsstellen ebenfalls angeraut werden. Die Röllchentechnik ist perfekt für Anfänger, die noch nicht wissen, wie groß ihr kleines Objekt werden soll.

Töpfer bereitet eine Tasse mit der Hand vor
Man würde es nicht denken: Das wird später noch glatt
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2. Aushöhltechnik - Skulptieren

Hier arbeiten wir eine Figur oder ein Gefäß direkt aus dem Block, wir skulptieren von außen nach innen. Mit einer festen Drahtschlinge oder einem Löffel höhlen wir unseren Klotz Stück für Stück aus und drücken ihn schon grob in Form. Dann nehmen wir immer mehr weg mit Modellierwerkzeugen und verfeinern die Form, arbeiten etwa bei einem Porträtkopf Augen und Nase aus. Achtung, die Wand sollte bei kleineren Objekten nicht dicker als ein Finger sein, aber noch genug Stabilität haben. Und größere Objekte müssen immer hohl sein, damit sie nicht reißen. Dann wie bei der Aufbautechnik mit Fingern, Schwämmchen oder Werkzeugen glätten und Anbauten mit der Aufrautechnik anfügen. Diese Technik eignet sich besonders für Figuren und größere Objekte.

3. Plattentechnik

Wie bei 1 beschrieben rollen wir zwischen Vierkanthölzern eine gleichmäßig dicke, große Platte aus und schneiden uns eine Bodenplatte zu. Dann für Einzelteile Schablonen anfertigen. Die Teile aus der Platte ausschneiden und leicht überlappend zusammensetzen – natürlich vorher an den Kontaktstellen aufgeraut und angefeuchtet. Dann mit Holzwerkzeugen die Übergänge verschmieren und glätten. Unbedingt notwendig, um ein Gefäß dicht zu bekommen: ein dünnes Röllchen Ton, das man in dem Winkel zwischen Boden und Seitenwand verschmiert. Diese Technik ist super für größere Gefäße oder kugelige Objekte.

4. "Ghost"-Feeling: Arbeiten mit der Töpferscheibe

Das ist die Königsdisziplin. Dabei wird ein Stück vorgeschlagener Ton auf die Mitte der Scheibe geklopft. Während die Drehscheibe auf hoher Geschwindigkeit kreist, wird der Ton in der Rotation mit sehr feuchten Fingern in Form gezogen oder gedrückt. Mit dieser Technik werden die Ergebnisse am dünnwandigsten und am gleichmäßigsten – aber Töpfer ist nicht umsonst ein Lehrberuf. Damit sich die finanziell nicht ganz günstige Anschaffung einer Töpferscheibe lohnt und uns das so lässig gelingt wie Demi Moore im Kultfilm „Ghost“ sollten wir uns die richtige Handhaltung aber am besten von Profis zeigen lassen oder uns an den Schautafeln in Büchern orientieren. In Pottery-Shops, Kunst- und Volkshochschulen gibt es Kurse fürs Töpfern an der Scheibe. Achtung, die sind momentan gefragt und schnell ausgebucht.

Erotik an der Töpferscheibe: Demi Moore und Patrick Swayze in "Ghost"
Töpfern kann sehr sexy sein: Demi Moore und Patrick Swayze in "Ghost"
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Jetzt ist Geduld gefragt: den Ton trocknen lassen

Das fertige Werkstück muss unbedingt richtig durchgetrocknet sein, sonst platzt es beim Brennen. Wir lösen es mit einer Drahtschlinge sanft von der beweglichen Unterlage, lassen es aber darauf trockenen. Dabei decken wir es zunächst lose mit Folie ab – nicht luftdicht, damit der Ton nicht schimmelt! Nach ein paar Tagen die Folie abnehmen und an der Luft fertigtrocknen lassen. Es gibt keine Faustregel, wie lange das dauert, das kommt auf die Größe des Werkstücks an. Wie stellen wir fest, dass der Ton nicht mehr feucht ist? Der Ton wird heller und leichter, wenn das Wasser verdunstet. Beim Druck mit dem Finger darf die Masse nicht mehr beweglich sein oder nachgeben. Profis erkennen beim sanften Dagegenticken am Ton, ob das Objekt trocken ist.

Den Ton brennen oder im Backofen haltbarer machen

Nun muss der durchgetrocknete Ton haltbar gemacht werden. Für Deko-Objekte reicht der Backofen. Haltbarer wird der Ton ab Temperaturen von über 900 Grad in einem speziellen Brennofen. Bei diesem Schrühbrand setzt ab einer gewissen Temperatur ein chemischer Prozess ein, der unseren getrockneten Ton, den wir immer wieder befeuchten und einmatschen könnten, in eine feste Scherbe verwandelt wird. Dieser Vorgang ist nicht mehr rückgängig zu machen. Welche Temperatur ihr Ton braucht, steht auf der Verpackung. Suchen Sie im Internet nach Brennstellen – in Kunstateliers, Keramikgeschäften oder Töpfereien wird das gegen eine kleine Gebühr angeboten. Nun können Sie die gebrannte Scherbe in ihrer Naturschönheit zur Geltung kommen lassen, unglasiert mit Acryl- oder Wasserfarbe bemalen oder mit Wachs versiegeln und auf Glanz bürsten. Geschirr oder Vasen glasieren Sie besser. Die Glasur verhindert, dass Wasser einzieht. Glasierte Keramik lässt sich besser spülen. Sie können luft- oder backofengetrocknete Keramik auch mit „Tondicht“* versiegeln.

Keramik später bemalen oder glasieren: Nun kommen die Farbakzente
Keramik später bemalen oder glasieren: Nun kommen die Farbakzente
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Glasieren: mit Glasur und Farbe der Keramik persönliche Akzente verpassen.

Wenn Sie die gebrannte Scherbe noch mit Glanz oder Farbe oder beidem versehen wollen: Glasuren gibt es in zig Farbvarianten und Qualitäten zu kaufen: hochglanz oder matt, mit Farbverlauf oder uni. Wichtig: Möchten Sie aus ihrer Keramik essen oder trinken, achten Sie darauf, dass die Glasur kein Blei oder andere Schadstoffe enthält oder als „lebensmittelecht“ gekennzeichnet ist. Die Glasuren kommen entweder als Pigmente im Beutel und können mit Wasser angemischt werden oder bereits fertig als Flüssigglasur. Dann können sie den gebrannten Ton mit verschiedenen Techniken bemalen oder betupfen – das wäre die sparsame Methode - oder auch gleich in ein Glasurbad tauchen. Das wird gleichmäßiger, aber Sie haben auch mehr Glasur übrig. Achtung: Die Flüssigkeit sieht fast nie aus wie die spätere Glasur. Tipp: Bewahren Sie die Glasur in einem Schraubglas fürs nächste Mal auf. Und machen Sie einen Probebrand auf einer kleinen Scherbe, bevor Sie eine ganze Geschirrgarnitur damit verzieren und Ihnen nachher die Farbe zu intensiv ist. Denn die Glasur lässt sich nach dem Einbrennen nicht wieder entfernen.

Glasurbrand: tolles Finish für Gebrauchskeramik

Nun müssen Sie die Glasur noch einbrennen. Das passiert wieder im Brennofen, in der Regel bei Temperaturen von über 1.000 °C. Die genaue Temperatur steht auf der Verpackung Ihrer Glasur. Achten Sie darauf, dass die Brenntemperaturen und -zeiten mehrerer Glasuren und die des Tons zusammenpassen, damit Ihnen die Glasur im Ofen nicht platzt.

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