Für eine inklusive, genderneutrale Erziehung

Australien: "Mutter" und "Vater" abschaffen - Uni schlägt genderneutrale Begriffe vor

Das kolumbianische Trans-Model Danna Sultana und ihr Ehemann Esteban Landrau, der ebenfalls transgender ist, erwarten ihr erstes gemeinsames Kind.
Das kolumbianische Trans-Model Danna Sultana und ihr Ehemann Esteban Landrau, der ebenfalls transgender ist, erwarten ihr erstes gemeinsames Kind.
© Instagram, Danna Sultana

19. Februar 2021 - 9:57 Uhr

Australian National University: Genderneutrale Alternative zu "Mutter" und " Vater"

Genderneutrale Begriffe zu finden, fällt nicht immer leicht. Erst recht nicht, wenn es ans Eingemachte geht, etwa die Worte "Mutter" und "Vater". Die Vorschläge für die Australian National University klingen noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Gender-Handbuch schlägt alternative, inklusive Begriffe vor

An der Australian National University in Canberra ging ein Vorschlag in Form eines Handbuchs für die Lehrenden aus akademischen Zirkeln ein. Es enthält neue Formulierungen für tradierte Bezeichnungen. So sollen nicht länger die Worte "Mutter" und "Vater" verwendet, sondern durch geschlechtsneutrale Begriffe ersetzt werden. Die Mutter soll demzufolge als "Austragendes Elternteil" bezeichnet werden, der Vater als "Nicht-gebärendes Elternteil". Auf diese Weise soll künftig das soziale Geschlecht von Eltern inkludiert und in der Sprache abgebildet werden.

Zur gender-integrativen Lehre sieht das Handbuch des Gender Institute der Australian National University (ANU) auch einen geschlechtsneutralen Begriff für das Stillen vor, der sich im Deutschen allerdings nicht eindeutig wiedergeben lässt: Das Wort "breastfeeding" soll durch "chestfeeding" ersetzt werden. Auch "Muttermilch" soll nicht länger so heißen, sondern durch "Menschliche Milch" oder "Elternmilch" abgelöst werden. Mit diesen Neuerungen sollen Eltern der LGBTIQ+-Community nicht länger benachteiligt werden.

Nicht-binäre Eltern können sich nicht mit den Begriffen "Mutter" und "Vater" identifizieren

"Während sich viele Studenten als 'Mutter' oder 'Vater' bezeichnen werden, schließt die Verwendung der Begriffe, allein um die Elternschaft zu benennen, jene aus, die sich nicht mit binären Geschlechtern identifizieren", zitiert "The Daily Telegraph" das Handbuch. Da die Uni über eine große medizinische Fakultät verfügt, enthält das Buch einen speziellen Zusatz: "Diese nicht gegenderte Sprache ist in klinischen oder abstrakt akademischen Diskussionen über Geburt und Elternschaft besonders wichtig, erstens um die Identität der Studenten in den Seminaren zu erkennen und zweitens, um inklusives Verhalten bei Studenten zu entwickeln, die in die klinische Praxis eintreten."

Die Lehrenden wurden aufgefordert, sich selbst zu korrigieren, wenn sie versehentlich die falschen Begriffe verwenden. In dem Handbuch wird erklärt: "Sprachgewohnheiten brauchen Übung, um sie zu überwinden, und die Studenten erkennen die Bemühungen an, die Sie machen, um sich inklusiv auszudrücken."

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Gender-Handbuch keine Richtlinie

Ein Sprecher der ANU erklärte, bei dem Handbuch handle es sich nicht um offizielle Richtlinien der Universität. Es sei unter dem Aspekt der akademischen Freiheit von Experten erstellt worden, die auf dem Gebiet ihrer Expertise forschen. Der Sprecher meint damit das Gender Institute, das seinen Fachbereich an der Australian National University hat.

Quelle: "The Daily Telegraph" (Pad Content), "The Daily Mail", Gender Institute der ANU

Hinweis: Dieser Artikel von Susanne Baller erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.