Vegan? Von wegen!

Mit jeder Essfeige verspeisen Sie mindestens eine tote Wespe

Lecker, Feigen! Aber haben sie DAS gewusst?
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17. Juni 2020 - 14:42 Uhr

Schlechte Nachricht für Feigen-Fans

Wer Feigen isst, geht in der Regel davon aus, dass er sich damit nicht nur gesund, sondern auch vegetarisch oder vegan ernährt. Doch da irren Sie gewaltig – zumindest, was Letzteres angeht! Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie beim Genuss einer saftigen Essfeige die sterblichen Überreste einer Wespe mitessen. Grund dafür ist der komplizierte Bestäubungsvorgang des Feigenbaums.

Darum sind Essfeigen nicht vegan

Feigen sind im eigentlichen Sinne nach innen gekehrte Blüten. Wenn man sich ein bisschen mit Botanik auskennt, wirft das sofort die Frage auf: Wie können Blüten bestäubt werden, wenn sie in einer hohlen Kugel liegen? Die Evolution hat für dieses Problem eine komplizierte Lösung hervorgebracht. Zur Vermehrung des Feigenbaums sind zwei bestimmte Feigenarten und eine Wespenart nötig, die sich in der Feige fortpflanzen: die Feigenwespen.

Bei der Bocksfeige sind die Wespen sicher

Die sogenannte Bocksfeige hat weibliche und männliche Blüten, die Essfeige (auch Echte Feige) nur weibliche. Um sich zu vermehren, muss letztere mit den Pollen der Bocksfeige bestäubt werden. Dies erledigt die Feigenwespe. Die Wespenweibchen kriechen in die Blüte hinein, um in der geschützten Hohlkugel ihre Eier abzulegen. Wenn es sich um die etwas größeren männlichen Bocksfeigenblüten handelt, legt das Weibchen in ihnen Eier ab, aus denen neue Wespen schlüpfen. Anschließend kriecht die Wespe wieder aus der Blüte heraus, um zur nächsten Feige zu fliegen.

Wespenweibchen werden in der Essfeige verdaut

Dringt die Wespe jedoch durch die sehr enge Röhre in eine weibliche Blüte ein, verliert sie dabei ihre Flügel. Folglich kann sie ihre Eier nicht ablegen und schafft es auch nicht mehr aus der Blüte heraus. Das Wespenweibchen bestäubt die Blüte zwar, sodass diese zu einer essbaren Feige reift, stirbt jedoch in ihr und wird von den Pflanzenenzymen verdaut. Da Essfeigen nur weibliche Blüten hervorbringen, essen wir also mit jeder Feige auch mindestens eine tote, wenn auch verdaute, Wespe mit.

Es gibt auch selbstbefruchtende Sorten

Eine gute Nachricht gibt es allerdings: Nicht alle Feigenarten "verspeisen" Insekten. Es gibt auch selbstbefruchtende Sorten, die nicht auf den Pollen-Lieferdienst der Wespen angewiesen sind. Dazu gehören etwa Dalmatie, Dauphine oder Negronne. Wer selbst einen Feigenbaum anpflanzen will, muss sowieso auf diese vegan-freundlichen Sorten zurückgreifen – denn die Feigenwespen gibt es hierzulande gar nicht.

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