Entbinden in den eigenen vier Wänden?

Hausgeburt: Wissenswertes über die Entbindung zu Hause

Das Kind auf der eigenen Couch bekommen? Wie eine Hausgeburt abläuft und welche Risiken auf Sie zukommen.
© iStockphoto, Konstantin Postumitenko

23. Oktober 2020 - 16:13 Uhr

Hausgeburten: Früher normal, heute die Ausnahme

Bis vor wenigen Generationen waren Hausgeburten der Normalfall. Nur bei schweren Komplikationen wurde ein Arzt eingeschaltet oder im Krankenhaus entbunden. Heute hingegen sind Hausgeburten weniger üblich. Viele junge Eltern fühlen sich in einer gut ausgestatteten Klinik mit ständig anwesendem medizinischem Personal am wohlsten. Doch gibt es auch immer mehr Mütter, die nun wieder zu Hause in der gewohnten Umgebung entbinden und ganz ungestört die ersten Tage mit dem neuen Erdenbürger genießen möchten. Ob für Sie eine Entbindung im Krankenhaus oder eine Hausgeburt das Richtige ist, können letztendlich nur Sie selbst entscheiden. Im Folgenden finden Sie nützliche Informationen, die Ihnen bei dieser Entscheidung helfen können.

Wer hilft bei einer Hausgeburt?

Die Geburt des Babys zuhause muss gut vorbereitet werden. Der erste und wichtigste Schritt ist, eine Hebamme zu finden, die Sie während der Geburt betreut und unterstützt. Hier empfiehlt es sich, frühzeitig mit der Suche zu beginnen, denn nicht jede Hebamme begleitet Hausgeburten. Darüber hinaus ist es besonders bei einer Hausgeburt wichtig, dass Sie sich bei der Hebamme in guten Händen fühlen. Für den emotionalen Beistand der Eltern während der Geburt können Sie zusätzlich die Hilfe einer Doula in Anspruch nehmen.

Wie verläuft eine Hausgeburt

Wenn die Geburt näher rückt, müssen weitere Vorbereitungen getroffen werden. Klären Sie mit Ihrer Hebamme, was Sie bei Komplikationen tun können und welche Klinik für den Notfall am nächsten liegt. Weiterhin müssen Sie entscheiden, wo Sie genau entbinden wollen und letztendlich auch, wie Sie Ihre Möbel vor Flecken schützen können.

Sobald die Wehen einsetzen, informieren Sie Ihre Hebamme. Diese unterstützt Sie, gibt Ihnen Anleitung und Hilfestellung. Das Baby kommt zuhause zur Welt und ist so trotzdem zu jeder Zeit sicher und gut versorgt.

Wann ist eine Hausgeburt möglich?

Ob eine Hausgeburt für Sie in Frage kommt, können Sie bei den regelmäßigen Untersuchungen während der Schwangerschaft mit Ihrem Frauenarzt besprechen. Wenn Sie bereits schwierige Geburten hatten oder sich das Baby beispielsweise in Beckenendlage befindet, wird dieser Ihnen eine Entbindung im Krankenhaus nahelegen.

In einigen Fällen, unter anderem wenn sich die Nabelschnur um den Hals gewickelt hat oder eine Placenta praevia (eine Fehlposition des Mutterkuchens) vorliegt, ist eine Geburt im Krankenhaus oder ein Notkaiserschnitt unumgänglich. Wenn jedoch nichts gegen eine spontane Entbindung spricht, ist eine Hausgeburt möglich.

Ist eine Hausgeburt sicher?

Selbst wenn Mutter und Kind gesund und kräftig sind, kann es im Geburtsverlauf zu Problemen kommen. Wenn die Wehen zu lange andauern, ist die Mutter irgendwann entkräftet und die Geburt kann nicht mehr gut voranschreiten. Auch für das Baby bestehen Risiken, bei denen es auf sehr schnelle Hilfe ankommt. Im Krankenhaus kann diese geleistet werden – zu Hause müsste erst der Notarzt verständigt werden.

Viele Hausgeburten verlaufen gut, dennoch sollten Sie sich der Risiken bewusst sein. Um für alle Fälle vorbereitet zu sein, sehen Sie sich einfach sicherheitshalber den Kreißsaal im nächstgelegenen Krankenhaus an und geben Bescheid, dass eine Hausgeburt ansteht. 

Das Baby ist da - und jetzt?

Ein großer Vorteil der Geburt im Krankenhaus ist, dass die ersten kinderärztlichen Untersuchungen vor Ort stattfinden können. Auch für die Mutter ist ärztlicher Beistand zu jeder Zeit verfügbar. Von Nachteil ist hingegen der Mangel an Privatsphäre. Während Sie im Krankenhaus oftmals in Mehrbettzimmern mit anderen Müttern und Babys untergebracht sind, können Sie zuhause die Zeit nach der Geburt im engsten Familienkreis verbringen.

Auch sparen Sie sich bei einer Hausgeburt den Heimweg von der Klinik, der für Mutter und Neugeborenes sehr anstrengend sein kann. So können Sie und Ihr Baby sich zuhause ganz in Ruhe von den Strapazen der Geburt erholen und ungestört die ersten gemeinsamen Tage genießen.