Sicher einkaufenQualitätssiegel im Check: Welche sind wirklich seriös?

Young woman shopping groceries, holding orange basket and checking milk bottle in refrigerated section of supermarket
Beim Einkaufen achten wir auf Qualität, aber welchen Qualitätssiegeln kann man dabei trauen?
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Vertrauen ist gut, Qualitätssiegel sind besser?
Kaum ein Produkt, das sich nicht mit irgendeiner Art von Siegel schmückt. Viele davon sehen aber einfach nur gut aus, ohne dass was dahintersteckt. Hier erfahrt ihr, auf welche Qualitätsabzeichen ihr euch wirklich verlassen könnt.

Wie verschafft man sich einen Überblick durch den „Siegel-Dschungel“?

Das kennt jeder. Wenn wir im Internet etwas bestellen möchten oder selbst wenn wir einfach nur im Supermarkt einkaufen: Wir fragen uns, ob das Objekt unserer (Kauf-)Begierde wirklich qualitativ hochwertig ist, trotz der vollmundigen Versprechungen auf der Verpackung oder der beigefügten Produktbeschreibung.

Gerade beim Shoppen im Internet ist das Risiko groß, dass uns minderwertiger Schrott angedreht wird, weil wir ein Schnäppchen machen wollen. Daher schauen wir vermehrt auf Qualitätssiegel. Doch auch die halten längst nicht immer, was sie versprechen. Denn viele dieser Siegel können sich die Anbieter auch einfach kaufen, ohne dass das beworbene Produkt ein ernsthaftes Prüfverfahren durchlaufen hätte. Wie soll man da den Überblick behalten?

Lese-Tipp: Test- und Vergleichsportale im Internet: Wie verlässlich und seriös sind sie?

Grundsätzlich gilt: Seriöse Siegel erkennt man daran, dass der Vergabeprozess transparent ist, regelmäßige Kontrollen stattfinden und unabhängige Prüfstellen involviert sind. Dahinter verbergen sich Prüfstandards, wie man sie von den Verbrauchermagazinen „Stiftung Warentest” und „Öko-Test” kennt. Bei unbekannten Siegeln lohnt sich immer eine kurze Online-Recherche zur Vergabestelle.

Online-Shopping: Diese Gütesiegel sind vertrauenswürdig

Das Internet ist voller Siegel und digitalen Etiketten, die ein angeblich qualitativ hochwertiges Produkt anpreisen. Daher sollen Gütesiegel gerade beim Online-Shopping in erster Linie Vertrauen schaffen – etwa indem sie Käuferschutz bieten oder Datenschutz und Transparenz prüfen. Seriöse Siegel wie Trusted Shops, das EHI-Logo oder TÜV SÜD s@fer-shopping testen Shops nach klaren Kriterien und werden selbst regelmäßig überprüft.

Die Verbraucherzentrale warnt dagegen beispielsweise vor Siegeln wie „Warentest Online” und „Prüfengel”, da deren Prüfkriterien zu lasch seien. Gegen „Warentest Online” wurde 2024 sogar eine Unterlassungsklage eingereicht. Seriöser sind diese Siegel, auf die ihr beim Internet-Shopping achten solltet:

  • Trusted Shops: Das bekannteste Gütesiegel in Deutschland bietet einen Käuferschutz bis 100 Euro (Plus-Variante bis 20.000 Euro) und eine Sternebewertung basierend auf Kundenbewertungen. Der Online-Shop wird auf Herz und Nieren geprüft, transparente Händlerinformationen und schnelle Erreichbarkeit sind Voraussetzung.

  • EHI „Geprüfter Online-Shop”: Dieses Siegel hat teilweise noch strengere Vorgaben als Trusted Shops und bietet vergleichbaren Verbraucherschutz. Es zertifiziert Online-Shops, Gesundheitsanwendungen und weitere Online-Dienstleistungen.

  • S@fer-Shopping (TÜV SÜD): Ein etabliertes Siegel mit dreistufiger Überprüfung (Online-Servercheck, Prozess-Audit und Expert:innen-Bewertung). Die Zertifizierung kostet Anbieter jährlich bis zu 6.000 Euro, was die Ernsthaftigkeit unterstreicht.

  • ips - internet privacy standards (datenschutz cert GmbH): Dieses Siegel liefert Zertifikationen aus den Bereichen Datenschutz und Verbraucherrecht von Online-Dienstleistungen, Gesundheitsanwendungen und Online-Shops

Lebensmittel und Supermärkte: Bio- und Nachhaltigkeitssiegel

Auch bei Lebensmitteln gibt es eine Menge Qualitätsabzeichen, die uns beim Einkauf leiten wollen. Hier geht es vor allem um Bio-Qualität, Nachhaltigkeit, Produktionsbedingungen und Tierwohl. Weil es so gute Argumente für Bio- und Fairtrade-Produkte gibt, nutzen einige Anbieter die Bereitschaft der Kunden aus, für ein hochwertigeres und faires Produkt mehr Geld auszugeben, und locken diese mit fragwürdigen Zertifikaten. Den folgenden Siegeln kann man beim Einkauf vertrauen, denn sie haben recht strikte Vorgaben:

  • Demeter: Das älteste und strengste Bio-Siegel in Deutschland seit 1924. Die Kriterien gehen weit über die EU-Öko-Verordnung hinaus, mindestens 50% des Futters müssen vom eigenen Betrieb stammen.

  • Bioland und Naturland: Beide Verbände haben strengere Richtlinien als das EU-Bio-Siegel. Sie verbieten chemisch-synthetische Mittel auch in Ausnahmefällen, erlauben nur etwa 22 Zusatzstoffe (EU-Bio: 53) und fordern Gesamtbetriebsumstellung

  • EU-Bio-Siegel: Das grüne Blatt kennzeichnet alle Bio-Produkte, die in der EU verkauft werden. Produkte müssen mindestens 95% Bio-Zutaten enthalten.

  • Fairtrade: Bekanntes Siegel für fair gehandelte Produkte, häufig kombiniert mit Bio-Standards.

  • MSC (Marine Stewardship Council): Das einzige Fischsiegel, das die FAO(Food and Agriculture)-Leitlinien erfüllt und von den Vereinten Nationen anerkannt wird. Zertifizierte Fischereien werden von unabhängigen Gutachtern bewertet. Allerdings gibt es auch Kritik bezüglich Tierwohl und einigen Zertifizierungen.

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Im Video: Das große Geschäft mit den Pseudo-Siegeln

Textilien und Kleidung

Auch beim Kauf von Kleidung achten viele Konsumenten auf nachhaltige und hochwertige Produkte. Denn Billigklamotten halten oft nicht lange und begünstigen und verstärken oftmals Umweltverschmutzungen und Ausbeutung in den Herkunftsländern.

  • GOTS (Global Organic Textile Standard): Das am häufigsten vergebene Zertifikat für Naturtextilien. Produkte müssen mindestens 70% Bio-Fasern enthalten (95% für „Bio”-Kennzeichnung). Von Greenpeace mit drei Sternen ausgezeichnet.

  • Blauer Engel: Das weltweit erste Umweltzeichen vom Bundesumweltministerium. Textilien sind frei von Schadstoffen und unter hohen Umweltstandards hergestellt. Siegelklarheit bewertet ihn als „sehr gute Wahl”.

  • IVN Best: Gemeinsam mit GOTS von Greenpeace mit drei Sternen als strengstes Siegel ausgezeichnet.

Wichtig: Auch das beste Qualitätssiegel kann den Verbraucher nicht immer vor Betrug schützen. Manche dubiose Anbieter kopieren schamlos bekannte Siegel, oder lassen sie fast identisch aussehen. Die Polizei rät deshalb: Im Zweifel immer noch einmal im Impressum nachschauen oder einen Blick auf die Website des Siegelanbieters werfen, ob der Shop dort tatsächlich gelistet ist.

Verwendete Quellen: Verbraucherzentrale, Polizei Dein Partner (GdP), Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), NABU, talk2move.de, Utopia.de, Hanseatic Bank