Live-Ticker zu Todesfahrt in MannheimAlexander S. wollte sich von Polizei erschießen lassen

von Bastian Hauk, Christine Meeßen, Johanna Scherdel, Bella Christophel und Johanna Grewer

Schock am Rosenmontag!
Ein Mann rast in der Innenstadt in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, weitere werden verletzt. Inzwischen ist klar: Der Fall ist wohl kein Terroranschlag. Alexander S. (40) aus Ludwigshafen ist mutmaßlicher Todesfahrer und vermutlich psychisch krank. Alle Informationen hier in unserem Live-Ticker.

Großer Polizeieinsatz in Mannheim - Auto fährt in Menschenmenge - Alle News und Entwicklungen im Live-Ticker

Jan Luhrenberg

Todesfahrer Alexander S. wollte sich von Polizei erschießen lassen

Nach der Todesfahrt von Mannheim kommen weitere Details ans Licht: Alexander S. (40), der in eine Menschenmenge gerast und dabei zwei Menschen getötet haben soll, wollte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft von der Polizei erschießen lassen. Im Zuge seiner Festnahme nach der Tat vom vergangenen Montag habe er Polizisten aufgefordert, ihn zu erschießen, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde. Ob er dies von vorneherein vorhatte oder den Entschluss erst fasste, als die Beamten ihn stellten, kommentierte sie nicht. Aufgrund der laufenden Ermittlungen würden dazu keine detaillierteren Angaben gemacht. Zuvor hatte der Mannheimer Morgen berichtet.

Der bisherigen Erkenntnissen zufolge psychisch kranke Deutsche habe zudem keine Erlaubnis für die Schreckschusspistole gehabt, die er mit sich geführt habe, hieß es weiter. Mit der Waffe hatte er sich vor seiner Festnahme in den Mund geschossen.

Dem 40-Jährigen wird Mord in zwei Fällen sowie versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll am Rosenmontag mit seinem Auto durch die Fußgängerzone gerast sein und absichtlich Menschen umgefahren haben. Eine 83 Jahre alte Frau und ein 54 Jahre alter Mann starben, 14 Menschen wurden teils schwer verletzt.
Camilla Koziol

Fast 130 Menschen suchen Hilfe nach Todesfahrt in Mannheim

Nach der Todesfahrt von Mannheim am Rosenmontag haben sich 126 Menschen an verschiedene Hilfsangebote in Baden-Württemberg gewandt, etwa an die Notfallseelsorge. Es kämen laufend noch weitere Betroffene hinzu, teilte der Opferbeauftragte der baden-württembergischen Landesregierung mit. Über die eigene psychosoziale Krisenhotline seien bislang 27 Personen betreut worden.

Aktuell gehe es unter anderem um die psychische Stabilisierung von Betroffenen, hieß es in der Mitteilung des Opferbeauftragten. Möglicherweise könnten Beschwerden auftreten, wie Verwirrung, Desorientierung, Angst, Ärger, Schock und Erschöpfung. "Diese sind in erster Linie eine normale Reaktion auf ein nicht normales Erleben." Bei den meisten Betroffenen ließen die Symptome nach einiger Zeit von selbst nach.

Bei der Arbeit des Opferbeauftragten und den Partnerorganisationen wird der Betroffenenbegriff weiter ausgelegt, wie es in der Mitteilung hieß. Das Angebot wendet sich demnach nicht nur an Hinterbliebene von Getöteten oder an körperlich Verletzte, sondern auch an Personen, die das Geschehen miterleben mussten oder sonst dadurch psychisch belastet sind.

Die Notfallseelsorge baute nach der Todesfahrt in der Innenstadt eine Anlaufstelle auf. Die Hotline des Opferbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg ist weiterhin unter 0800 000 7556 zu erreichen.
Sebastian

Mannheimer Taxifahrer: "Bin kein Held. Ich bin ein Muslim"

Der Taxifahrer, der den Mannheimer Todesfahrer gestoppt hat, möchte dafür nicht gefeiert werden. "Ich bin kein Held. Ich bin ein Muslim", sagte A. Muhammad, der seinen Vornamen nicht in Medien lesen möchte, bei einem Gespräch mit Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Es sei für ihn selbstverständlich gewesen, einzugreifen und Mitmenschen zu schützen. 

Sein Handeln sei von einer religiösen Motivation geprägt gewesen, sagte das Mitglied der Ahmadiyya-Muslimgemeinde, das aus Pakistan stammt. Er wolle mit dem Statement auch ein Zeichen gegen Hass setzen, sagte Muhammad. Und sich dafür einsetzen, dass Mannheim Offenheit und Toleranz bewahre.

A. Muhammad, der Held von Mannheim.
A. Muhammad, der Held von Mannheim. RTL
Sebastian

Ermittler: Mehr Hinweise auf Erkrankung bei Todesfahrer

Nach der Todesfahrt von Mannheim verdichten sich die Hinweise auf eine seit Jahren herrschende psychische Erkrankung des Täters. Das gehe unter anderem aus umfangreichen ärztlichen Unterlagen und zahlreichen Zeugenaussagen hervor, teilten Landeskriminalamt (LKA) und Staatsanwaltschaft mit. "Er befand sich in der Vergangenheit regelmäßig in ärztlicher bzw. psychiatrischer Behandlung, zuletzt im vergangenen Jahr auch stationär", heißt es unter anderem in einer Mitteilung.

Gegen den 40 Jahre alten Ludwigshafener war am Dienstagabend Haftbefehl wegen zweifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes erlassen worden. Bei seiner Vorführung beim Haftrichter machte er laut LKA keine Angaben. 
Camilla Koziol

Todesfahrer hatte Kontakte in die rechte und Reichsbürger-Szene

Hinweise auf mögliche Kontakte des Todesfahrers (40) ins rechtsextreme Milieu im Jahr 2018 sind den Ermittlungsbehörden bekannt. Sie stehen derzeit auch im Fokus der Ermittlungen. Wegen eines Facebook-Kommentars mit verfassungswidrigen Kennzeichen, wurde der 40-Jährige bereits zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt. Das melden die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Nach Informationen, die der Rechercheplattform Exif-Recherche vorliegen, war Alexander S. Teil des sogenannten "Ring Bund" – einer Gruppe aus dem Spektrum der Reichsbürger, geführt von Neonazis. 
Camilla Koziol

Kleines Kind (2) unter den Verletzten

Die Anzahl der verletzten Personen hat sich zwischenzeitlich auf 14 erhöht, darunter befindet sich ein zweijähriges Kind. Vier Personen werden aktuell noch in verschiedenen Krankenhäusern behandelt. Das melden die Staatsanwaltschaft Mannheim und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Camilla Koziol

Oberbürgermeister dankt mutigem Taxifahrer, der den Täter stellte

Der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) hat einem pakistanisch-stämmigen Taxifahrer gedankt, der den flüchtigen Todesfahrer in Mannheim gestoppt haben soll. Der Mann habe eine ganz herausragende Rolle gespielt, sagte der Politiker beim Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer. "Der sich so mutig verhielt, dem Täter hinterherfuhr und schließlich dessen Fahrzeug blockierte, um weiteren Schaden abzuwenden." 
Afzal M. lebe seit 15 Jahren in Deutschland und sei Mitglied der Ahmadiyya-Muslimgemeinde. "Er, so wurde mir berichtet, sagt, er habe als Muslim und als Staatsbürger so mutig gehandelt." Am Mittwoch will sich Specht mit dem Mann treffen. 
Camilla Koziol

Haftbefehl wegen Mordes in zwei Fällen erlassen

Todesfahrer Alexander S. ist am Dienstagnachmittag dem zuständigen Haft- und Ermittlungsrichter am Amtsgericht Mannheim vorgeführt worden. Der erließ einen Haftbefehl wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes in fünf Fällen jeweils in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung in elf Fällen. Der 40-Jährige wurde anschließend in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Bei seiner Vorführung vor den Haftrichter machte der Tatverdächtige keine Angaben, sodass sein Motiv für die Tat weiterhin unklar ist. Auch ergaben sich aus der Durchsuchung seiner Wohnung in Ludwigshafen keinerlei Hinweise auf die Beweggründe oder ein Motiv. Die bisherigen Ermittlungen haben Hinweise auf psychische Vorerkrankungen ergeben und deuten demnach daraufhin, dass sich der Tatverdächtige in einem psychischen Ausnahmezustand befand.
Camilla Koziol

Mannheim betet für die Opfer

 "Aufgeschreckt sind wir und zugleich wie versteinert", sagte die evangelische Dekanstellvertreterin Anne Ressel zu Beginn der Messe für die Opfer in der Konkordienkirche. "Das Leben der Stadt, die Freude über Fasching, sind binnen Minuten dem Entsetzen gewichen."

Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz der Johanniter gehen in die CityKirche Konkordien. Dort fand um 17 Uhr eine ökumenische Andacht statt.
Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz der Johanniter gehen in die CityKirche Konkordien. Dort fand um 17 Uhr eine ökumenische Andacht statt. . Uli Deck/dpa
Dieses von der Evangelischen Kirche Mannheim zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Gedenkgottesdienst in der Konkordienkirche. Nach der Todesfahrt in Mannheim mit zwei Toten und mehreren Verletzten ist in einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer gedacht worden. Foto: Andreas Henn/Evangelische Kirche
Dieses von der Evangelischen Kirche Mannheim zur Verfügung gestellte Foto zeigt einen Gedenkgottesdienst in der Konkordienkirche. Nach der Todesfahrt in Mannheim mit zwei Toten und mehreren Verletzten ist in einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer gedacht worden. Foto: Andreas Henn/Evangelische Kirche. dpa
Dieses von der Evangelischen Kirche Mannheim zur Verfügung gestellte Foto zeigt Menschen, die bei einem Gedenkgottesdienst in der Konkordienkirche Kerzen anzünden.
Dieses von der Evangelischen Kirche Mannheim zur Verfügung gestellte Foto zeigt Menschen, die bei einem Gedenkgottesdienst in der Konkordienkirche Kerzen anzünden. . dpa
Johanna Grewer

Trauer in Mannheim

RTL
Johanna Grewer

Gedenkgottesdienst für die Opfer 

Die Stadt Mannheim, die evangelische und die katholische Kirche wollen um 17:30 Uhr eine Andacht für die Opfer der Todesfahrt in Mannheim veranstalten. In der Citykirche Konkordien soll an die Toten getrauert und für die Verletzten gebetet werden. 
Johanna Grewer

Alexander S. soll noch heute vor einen Ermittlungsrichter gebracht werden 

Der des zweifachen Mordes und mehrfachen versuchten Mordes verdächtige 40 Jahre alte Todesfahrer von Mannheim wird voraussichtlich noch heute zum Ermittlungsrichter geführt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur steht auch eine Vernehmung durch die Ermittler an. 
Johanna Grewer

Notfallseelsorge für Betroffene in Mannheim

Um Augenzeugen der Todesfahrt von Mannheim und anderen Betroffenen zu helfen, hat die Notfallseelsorge in der Innenstadt eine Anlaufstelle angebaut. Gegenüber des Wasserturms, unweit des Tatorts, steht bis 17.00 Uhr ein Team bereit, wie Isabel Gürel von der Notfallseelsorge Mannheim sagte. Kollegen und Kolleginnen aus Ludwigshafen und Heilbronn unterstützten die Mannheimer. 

Gürel sagte, sie habe am Vortag im Polizeipräsidium Augenzeugen betreut. "Da war in erster Linie Entsetzen, Trauer, Schock." Wer das Angebot vor Ort nicht annehmen könne oder wolle oder erst in einigen Tagen das Bedürfnis nach einem Gespräch habe, könne die Hotline des Opferbeauftragten der Landesregierung Baden-Württemberg unter 0800 000 7556 anrufen, riet sie. Auch Hausärztinnen und -ärzte könnten gute Ansprechpartner sein, wenn man mit den Folgen des Erlebten kämpfe.