30. Januar 2019 - 6:17 Uhr

Acht Monate auf Bewährung für Natalie B.

Die damals 20-Jährige Pflegeassistentin Natalie B. verbrüht während des Duschens in einer Pflegeeinrichtung in Laatzen innerhalb weniger Minuten eine 84-Jährige Seniorin. Fast 30 Prozent der Haut der Heimbewohnerin weisen Verbrennungen auf. Wenig später stirbt die Frau an den Folgen des Duschvorgangs. Das Landgericht Hannover hat die Pflegeassistentin wegen fahrlässiger Tötung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Natalie B. behauptete, sie habe nichts bemerkt

Die Angeklagte sei aus Versehen gegen die Armatur gekommen, argumentierte die Verteidigung im Prozess. Sie habe nicht bemerkt, dass das Wasser plötzlich sehr heiß wurde. Trotzdem verurteilt sie das Landgericht Hannover wegen Fahrlässigkeit.

Natalie B.'s Verteidigerin steht vor mehreren Rätseln. Zwar seien es Fakten, dass ihre Mandantin die Seniorin geduscht habe und diese an Verbrühungen gestorben sei. Aber: "Wir wissen nicht, wie heiß das Wasser tatsächlich war, das rausgekommen ist. Und was wir auch nicht wissen, ist, wie war die Hautbeschaffenheit der Frau und hat sich das in irgendeiner Weise ausgewirkt", sagte Verteidigerin Silke Willig.

Laut Gutachter war die Armatur nicht für ein Seniorenheim geeignet

Die Haut der Heimbewohnerin war besonders an den Armen sehr dünn. Sie hatte eine sogenannte Pergamenthaut. So eine Haut ist empfindlich bei festen Griffen und kann dann sogar reißen. Höhere Wassertemperaturen schaden dieser Haut aber nicht mehr als anderen Hauttypen.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Temperatur des Duschwassers 66 Grad betragen haben soll. In dem Seniorenheim gab es in der Dusche eine Armatur, mit der man per Knopfdruck von der angenehmen Temperatur von 35 Grad schnell auf 66 Grad umschalten kann. So eine Armatur darf, laut Gutachter, in keinem öffentlich zugänglichen Gebäude eingebaut sein. Diese EU-Rechtssprechung schließt auch Seniorenheime ein.