Bitte hab Verständnis dafür, dass wir in diesem Browser keine optimale Nutzung von RTL.de gewährleisten können. Bitte benutze einen aktuelleren Browser (z.B. Chrome, Firefox, Safari oder Edge), damit du die Seite wie gewohnt nutzen kannst.

Laut Verband herrscht enormer Personalmangel in Kliniken

Hebammen am Limit: Corona-Krise verschärft Situation

Eine Mutter hält die Hand eines wenige Tage alten Kindes. Foto: Sina Schuldt/dpa
Eine Mutter hält die Hand eines wenige Tage alten Kindes. Foto: Sina Schuldt/dpa
© deutsche presse agentur

29. März 2021 - 15:44 Uhr

"Nicht nur fünf vor zwölf, sondern zwölf.“

Hebammen arbeiten ihrem Verband zufolge derzeit am Limit und wünschen sich mehr Verstärkung in den Kliniken. "Ich mache mir große Sorgen um die Kollegen. Da ist es nicht nur fünf vor zwölf, sondern zwölf", sagte Vorsitzende des Hebammenverbands in Hamburg, Andrea Sturm der Deutschen Presse-Agentur. In der Corona-Krise kommen etwa Geburtshilfe in Schutzmontur, längere Beratungszeiten oder nötige Doppelschichten bei coronapositiven Gebärenden zu den Schwierigkeiten hinzu, wie der Verband beschreibt.

Viele Hebammen reduzieren wegen der Belastungen ihre Arbeitszeit

Auf Bundesebene sehe die Lage nicht anders aus, erklärt Andrea Ramsell, Beirätin für den Angestelltenbereich beim Deutschen Hebammen Verband in Berlin, RTL gegenüber. "Hebamme ist nach wie vor ein Traumberuf. Die Arbeitsbedingungen sind aber häufig ein Alptraum.", so Ramsell, die selbst 25 Jahre als Hebamme tätig war. Die Belastungen in den Kliniken und die dort vielen fachfremden Tätigkeiten würden dazu führen, dass viele ihre Arbeitszeit reduzieren. Ramsell verweist auf ein Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums von 2020.

Eine Hebamme kümmert sich um drei Frauen gleichzeitig

Laut Gutachten des IGES Instituts wird deutlich, dass sich durchschnittlich eine Hebamme während einer normalen Schicht um drei Frauen gleichzeitig kümmern muss. "Dazu putzen sie nebenbei die Kreissaalbetten, machen den Müll leer und sortieren die Wäsche", erklärt Andrea Ramsell. "Für diese Tätigkeiten werden andere Berufsgruppen nicht hinzugezogen." Denn dafür wäre ja eigentlich das Reinigungspersonal zuständig. Hebammen seien eben nicht teuer genug, begründet Ramsell die Situation. Das Gutachten zeigt auch auf, dass 40 Prozent der Hebammen darüber nachdenken Arbeitszeit zu reduzieren. Mehr als ein Viertel erwog sogar einen vollständigen Ausstieg.

Forderung: Mehr Personal, mehr Geld, mehr Zeit für Gebärdende

"Im Moment sind die Arbeitsbedingungen in den Kliniken so schlecht, dass die Hebammen sich Alternativen zur klinischen Arbeit suchen. Wenn diese Entwicklung weitergeht, dann haben wir bald eine kritische Personalgrenze unterschritten" warnt Andrea Ramsell. Bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung könne die Situation verbessern. "Personalmangel an den Kliniken herrscht ja schon lange. Bundesweit ist jahrelang an allem gespart worden, vor allem am Gehalt", bekräftigt Andrea Sturm.

Der Hebammenverband Hamburg plädiert dafür, dass die Geburtshilfe im Ganzen neu gedacht und beispielsweise eine Eins-zu-eins-Betreuung nicht nur während der Geburt, sondern bereits mit Beginn der geburtsrelevanten Wehen gewährleistet werde.

Quelle: DPA / RTL.de

Auch interessant