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Team Wallraff

Team Wallraff: Katastrophale Zustände in Deutschlands Krankenhäusern

19.01.2016 | 16:12
Pia Osterhaus 'Team Wallraff'-Reporterin Pia Osterhaus war als Pflegepraktikantin im Einsatz.

Wenn Krankenhäuser für Patienten gefährlich werden

In seiner neuen Investigativ-Reportage geht das 'Team Wallraff' zahlreichen Hinweisen von Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten auf zum Teil katastrophale Bedingungen in deutschen Kliniken nach. Über einen Zeitraum von 14 Monaten haben der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und die Undercover-Reporterin Pia Osterhaus über die Zustände in deutschen Krankenhäusern recherchiert.

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Viel zu viel Arbeit für viel zu wenig Personal. Das ist Alltag an deutschen Kliniken, wie 'Team Wallraff'-Reporterin Pia Osterhaus bei ihrem Einsatz als Pflegepraktikantin schnell feststellen musste. Das Personal ist körperlich und psychisch oft am Limit. Darunter leidet nicht nur die medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten. Es lässt einige Pfleger emotional abstumpfen. Nicht selten entlädt sich der aufgestaute Frust am Patienten: Der Ton ist in Extremsituationen - und die gibt es täglich - rau, gegenüber hilflosen Patienten wird sich im Ton vergriffen.

Der Grund liegt auf der Hand: In Deutschland ist eine Pflegekraft im Schnitt für zehn Patienten zuständig. Das ist viel zu viel. So kommen in Norwegen vier Kranke auf einen Pfleger, in den Niederlanden sind es fünf. Auf vielen deutschen Stationen kommt der Dienstplan offenbar nur zustande, weil von vornherein mit Überstunden geplant wird. Wie das vom Personal geleistet werden kann? "Indem über Kraftreserven hinausgearbeitet wird. Wir sind am Ende", sagt eine Krankenschwester im Gespräch zu Günter Wallraff.

Besonders fatal wirkt sich der Personalmangel in den Notaufnahmen der großen Klinkzentren aus. Die Zimmer sind oft hoffnunglos überfüllt, Patienten warten - teils unter starken Schmerzen - stundenlang auf den Gängen. "Gerade bei börsennotierten Betreibern, haben wir es mit wahren Effizienzmaschinen zu tun, die nicht uns Patienten verpflichtet sind, sondern den Aktionären", sagt der Volkswirtschaftswissenschaftler Prof. Stefan Sell. Zeit für ein paar tröstende Worte bleibt da nicht - und der Kranke sich mit seinen Ängsten selbst überlassen.

Auch bei der Hygiene wird gespart, wie Reporterin Pia Osterhaus während ihrer Recherche erfuhr. So wurden in einem Krankenhaus die Arbeitszeiten der Putzfrauen drastisch reduziert, die Folgen blieben nicht aus: Der Boden verdreckt, blutiges Arbeitsmaterial lag herum, verschmutzte Betten mit befleckten Laken einfach auf dem Flur abgestellt. Ohne Desinfektion wurden diese benutzten Tragen von einer Krankenschwester für die nächsten Patienten vorbereitet.

Ändern wird sich an all dem erst etwas, wenn nicht mehr der Profit, sondern das Wohl der Patienten im Vordergrund steht.