„Er ist fit, also er macht einen fitten Eindruck. Ist doch alles super. Er geht jetzt in die Höhe. Und genau so haben wir uns das vorgestellt, heute."
Es ist der Moment, auf den hier seit den frühen Morgenstunden alle warten. Der Gänsegeier bricht wieder auf. Zwei Tage lang hat er es sich zuvor in einem Storchennest gemütlich gemacht.
„Gänsegeier treten in den letzten Jahren zunehmend auch mal in Deutschland, auch in Norddeutschland. Wir haben in Niedersachsen vor zwei oder drei Jahren mal einen Trupp von über 30 Vögeln gehabt. Das sind Vögel, die bei gewissen Winden und Strömungen aus Südwesten aus Südeuropa kommen, aus Spanien, vielleicht auch aus Frankreich."
So zeigt sich das Tier mit seiner seiner gigantischen Flügelweite von bis zum zwei Metern achtzig im Sehnder Ortsteil Klein Lobke. Hier dreht er zunächst seine Runden, dann ist aber erst einmal Pause angesagt: Vollgefressen, denn:
„Am Sonntag trat plötzlich um 3:45 ein Geier auf und hat den Storch aus dem Nest getrieben und hat sich auf die kleinen Jungstörche gestürzt und hat sie gefressen. Und die beiden großen Störche haben versucht, es zu verhindern und haben versucht, ihn wegzujagen. Aber sie hatten natürlich keine Chance und haben ihn nicht vertreiben können, sodass er sich da oben satt gefressen hat und alle kleinen Störche aufgefressen hat. Und die beiden großen Störche sind dann abgehauen, sind weggeflogen und haben sich nicht mehr blicken lassen"
Bei dem Geier handelt es sich um einen Jungvogel aus dem letzten Jahr und der muss extrem Hunger gehabt haben, denn normalerweise fressen Gänsegeier keine Storchenküken. Sie gehören zu den Aasfressen und jagen damit eigentlich keine lebenden Tiere. Die Dorfbewohner in Klein Lobke müssen das Drama, was sich in elf Metern Höhe abspielt, hilflos mit ansehen. Umso größer ist die Freude jetzt, als der Gänsegeier davon zieht.
„Wir haben uns gerade mega gefreut. Der ist wirklich weg. Und fünf Minuten später waren die beiden Störche wieder da. Es sind auch dieselben Störche. Die sitzen da oben drin, als wäre nichts gewesen."
Hier in Klein Lobke hoffen alle nun auf neuen Storchen-Nachwuchs im nächsten Jahr - dann aber bitte ohne unangekündigten Besuch eines Gänse-Geiers.