Viele Klicks sind nötig, bis im Amtszimmer von Richter Michael Burmeister eine E-Mail mit Anhang verschickt werden kann. Das Land Schleswig-Holstein hat die IT-Systeme umgestellt – weg von Microsoft. Das macht manches komplizierter, auch hier im Amtsgericht Ahrensburg.
„Was vorher ein Klick war, kostet jetzt aktuell deutlich mehr Zeit. Und das ist ein Problem, das wir auf vielen Ebenen haben. Wir arbeiten mit Umgehungslösungen und die kosten die Zeit"
Das Land Schleswig-Holstein wagt einen digitalen Neustart: Die Verwaltung soll unabhängiger von großen US-Tech-Konzernen werden – und setzt deshalb auf neue Programme. Die Landesregierung hat das digitale Großprojekt vor etwa fünf Jahren auf den Weg gebracht.
„Uns geht es als Landesregierung darum, digitale Souveränität, also Unabhängigkeit von einzelnen Lösungsanbietern sicherzustellen. Digitale Infrastruktur ist kritische Infrastruktur und wir müssen als Staat endlich anfangen, unsere kritische Infrastruktur auch im digitalen Raum so zu behandeln, als wäre es kritische Infrastruktur."
Der schleswig-holsteinische Schritt weg von Microsoft in ist ungewöhnlich. Viele Verwaltungen anderer Bundesländer und Firmen setzen weiterhin auf die Programme des US-Unternehmens.
Rund 95% der Kommunikation in deutschen Büros läuft über die Programme der großen amerikanischen Tech-Konzerne wie Microsoft, so der Experte.
„Die größte Gefahr ist, dass man der Steuerung oder Willkür oder den AGB's von großen Techkonzernen unterlegen ist, was immer zu höheren Kosten führt und immer zu weniger Selbstbestimmtheit oder eigenen Entscheidungsmöglichkeiten."
Andere Bundesländer und sogar europäische Nachbarn wollen nachziehen, denn die Umstellung soll sich auch finanziell lohnen: Allein im vergangenen Jahr konnten in Schleswig-Holstein so 15 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen eingespart werden.
„Es macht mich stolz, dass die Welt schon ein bisschen auf Schleswig Holstein guckt und das auch deutlich digitalisiertere Länder wie Dänemark beispielsweise auch auf Schleswig Holstein gucken."
Im Amtsgericht Ahrensburg sieht man die Vorteile der digitalen Unabhängigkeit ebenfalls, auch wenn die Systemumstellung zunächst deutlich mehr Aufwand mit sich bringt.
„Es ist zukunftsweisend. Aber wir als neue Richtervereinigung möchten auch, dass dieses Ziel erreicht wird. Denn aktuell haben wir eine Reihe von Schwierigkeiten mit den Open-Source-Produkten, die angegangen werden, aber bei weitem noch nicht behoben sind"
Der Weg zur digitalen Unabhängigkeit: Schleswig-Holstein geht ihn mutig voran - Doch Richter Burmeister und seine Kollegen werden dafür noch einen langen Atem brauchen.