Was Simple ist: KI-Abnehmcoach statt Fasten-Timer
Simple tritt als “KI-Abnehmcoach” an, nicht als Fastenuhr. Das Essensfenster ist ein Modul unter mehreren, und wer nur einen Timer für seine Fastenphase sucht, kauft hier deutlich mehr, als er braucht. Entwickler der App ist laut App-Store-Eintrag AM APPS, verfügbar ist sie für iOS und Android.
Das steckt drin:
- ein KI-Coach, der auf Fragen zu Mahlzeiten, Portionen und Fortschritt in Textform antwortet
- Foto-Erkennung: Sie fotografieren den Teller, statt Gramm einzutippen
- personalisierte Essenspläne, abgestimmt auf die Antworten aus dem Onboarding-Fragebogen
- angeleitete Workouts für zu Hause
- der “Success Score” als Fortschrittsanzeige und das Maskottchen “Blinky” als Motivationsebene
- Anbindung an Apple Health
- Begleitung beim Intervallfasten, inklusive Essensfenster und Fastenphase
Der wichtigste Unterschied zu Kalorien-Apps: Simple verlangt kein striktes Kalorienzählen. Statt jede Zutat zu wiegen, protokollieren Sie Mahlzeiten grob und bekommen eine Einschätzung zurück. Das ist ungenauer als eine Kalorien-App. Durchgehalten wird es trotzdem länger, weil der Aufwand pro Eintrag klein bleibt.

Faustregel: Suchen Sie nur eine Uhr für Ihr Essensfenster, brauchen Sie Simple nicht. Suchen Sie jemanden, der Ihnen sagt, was auf den Teller gehört, wenn das Fenster aufgeht, sind Sie hier richtig.
Simple App: Kosten, Laufzeiten und die fehlende Preisliste
Was der Anbieter öffentlich macht und was nicht
Eine Preisseite gibt es nicht. Simple veröffentlicht auf keiner öffentlich zugänglichen Seite eine Tarifübersicht: Der Betrag erscheint erst am Ende des Onboarding-Fragebogens in der App und hängt an der Laufzeit, die Ihnen dort angeboten wird. Zwei Abostufen sind namentlich bekannt, Simple Pro und Simple Premium.
Öffentlich nachprüfbar ist allein die Liste der In-App-Käufe im deutschen App Store (Stand: 27.08.2026):
- Simple Pro: 15,99 €, 16,49 €, 31,99 €, 32,99 €, 42,99 €, 53,99 € und 55,99 €
- Simple Premium: 34,99 € und 69,99 €
Zu welcher Laufzeit welcher Betrag gehört, steht dort nicht. Der Download selbst ist kostenlos, und es gibt eine kostenlose Basisstufe. Die Funktionen, für die Simple bekannt ist, also KI-Coach, Foto-Erkennung und personalisierte Pläne, liegen hinter den In-App-Käufen.
So rechnen Sie sich den Monatspreis selbst aus
Ein Betrag ohne Laufzeit sagt nichts. Simple bietet unter anderem Laufzeittarife über drei und über zehn Monate an. Nehmen Sie die 31,99 € aus der Liste, deren Laufzeit der Anbieter nicht veröffentlicht: Verteilt auf drei Monate wären das rechnerisch rund 10,66 € im Monat, verteilt auf zehn Monate rund 3,20 €. Dieselbe Zahl, mehr als dreifacher Unterschied im Monatspreis. Deshalb kann Ihnen niemand seriös sagen, was Simple “im Monat kostet”, solange die Laufzeit nicht danebensteht.
Unser Rat: Notieren Sie im Bestelldialog drei Zahlen, bevor Sie zustimmen. Erstens den Betrag für den Einstieg. Zweitens die Laufzeit in Monaten. Drittens den Betrag, mit dem sich das Abo danach verlängert. Teilen Sie die erste und die dritte Zahl jeweils durch die Laufzeit: Die eine ist Ihr Preis in der ersten Periode, die andere der Preis, den Sie ab dann dauerhaft zahlen. Rechnen Sie anschließend das erste Jahr komplett durch, Einstieg plus alle Verlängerungen bis zum Jahresende. Diese Summe ist die Zahl, um die es wirklich geht, und sie steht nirgendwo fertig.
Einstiegsangebot ist keine Testphase
In den Nutzungsbedingungen ist keine kostenlose Testphase vorgesehen. Was Simple anbietet, ist ein “Einstiegsangebot”: ein reduzierter Preis für die erste Periode, der sich danach automatisch zum vollen Satz verlängert. Das ist der Mechanismus hinter dem häufigsten Vorwurf in den Rezensionen, nämlich dass Nutzer nach der ersten Periode den vollen Betrag abgebucht bekamen, obwohl sie mit dem günstigen Einstiegspreis gerechnet hatten. Nachlesen können Sie das in den offiziellen Nutzungsbedingungen von Simple.
Achtung: Die Verlängerung ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Das Abo läuft weiter, bis Sie aktiv kündigen.
Kündigen: 24 Stunden vorher, und in Laufzeittarifen mit Gebühr
Die Frist steht in den Bedingungen: Sie müssen mindestens 24 Stunden vor Ende der laufenden Periode kündigen, sonst verlängert sich das Abo. Wo Sie das tun, hängt davon ab, über welchen Store Sie gekauft haben.
Dazu kommt eine Besonderheit, die sich zu kennen lohnt: Die Tarife mit fester Laufzeit über drei oder zehn Monate sind ein Commitment. Steigen Sie vorzeitig aus, fällt eine nicht erstattungsfähige Gebühr an, die die deutschsprachigen Nutzungsbedingungen mit “$29.99” beziffern, also in US-Dollar. Ein deutscher Vertragstext, der eine Gebühr in Dollar ausweist, ist genau die Art Detail, die man vor dem Kauf gelesen haben will und die im Bestelldialog nicht auftaucht.
Tipp: Tragen Sie das Ende der ersten Periode direkt nach dem Kauf in Ihren Kalender ein, mit Erinnerung zwei Tage vorher. Das ist der einzige Handgriff, der die 24-Stunden-Frist zuverlässig rettet.
Simple App im Alltag: was das Tracking Ihnen wirklich abnimmt
Am Wissen scheitert beim Abnehmen fast niemand. Gescheitert wird an Woche drei bis sechs, wenn die Anfangsmotivation weg ist, das Essensfenster durch einen Spätdienst rutscht und das Protokollieren zuerst einen Tag, dann eine Woche ausfällt. Eine App greift hier ein, indem sie die Woche festhält, die Sie sonst nur ungefähr in Erinnerung haben. Das ist der ehrlichste Grund, für eine zu bezahlen.
Drei Dinge nimmt Ihnen das Tracking in Simple tatsächlich ab:
- Ein Protokoll statt Erinnerungsvermögen. Wann Ihre Essensphase begonnen hat, steht in der App und nicht mehr in Ihrem Kopf. Das klingt banal und ist der häufigste Grund, warum ein Fenster ungeplant kippt.
- Weniger Aufwand pro Eintrag. Den Teller zu fotografieren kostet Sie Sekunden, eine Portion abzuwiegen und einzutippen ein bis zwei Minuten. Was Sekunden dauert, machen Sie auch am siebzehnten Tag noch.
- Ein sichtbarer Verlauf. Der Success Score macht aus einer diffusen Woche eine Zahl. Ob Ihnen das hilft oder Druck macht, ist Typsache, aber es ist der Unterschied zwischen “läuft irgendwie” und einer belegten Aussage.
Was die App nicht kann, gehört genauso deutlich hierher: Sie erzeugt kein Kaloriendefizit. Ohne dieses Defizit nehmen Sie auch mit perfekt eingehaltenem Essensfenster nicht ab, und keine Foto-Erkennung dieser Welt ändert daran etwas. Sie ersetzt außerdem keine ärztliche Beratung, wenn eine nötig ist. Und sie schützt nicht vor dem Jo-Jo-Effekt, wenn Sie nach dem Abo wieder in alte Muster fallen.

Was in unseren Augen den größten Unterschied macht: Simple lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was im Essensfenster auf dem Teller liegt. Wenn Sie das Fenster öffnen und mit proteinreichen Lebensmitteln starten, halten Sie das nächste Fenster leichter durch. Eine reine Timer-App sagt Ihnen das nie. Wie sich Simple neben anderen Anwendungen einordnet, zeigt unser Überblick zu Apps zum Abnehmen.
Hinweis: Geben Sie sich zwei bis drei Wochen, bevor Sie beurteilen, ob das Protokollieren zu Ihnen passt. Wer die App in dieser Phase nur sporadisch öffnet, zahlt für eine Funktion, die er nicht nutzt.

Für wen sich die Simple App lohnt
Vier Profile holen aus diesem Abo genug heraus, um den Preis zu rechtfertigen:
- Sie wissen im Grunde, was Sie essen sollten, verlieren aber ab Woche drei bis sechs die Regelmäßigkeit. Was Ihnen dann fehlt, ist kein weiterer Ratgeber, sondern ein Verlauf, an dem Sie sehen, wo die Woche gekippt ist.
- Sie wollen nicht nur eine Uhr für das Essensfenster, sondern eine Antwort darauf, was auf den Teller gehört, wenn es aufgeht. Das ist der Teil, den reine Fasten-Apps auslassen.
- Sie werden weder wiegen noch jede Portion eintippen, hätten aber trotzdem gern eine Rückmeldung zu Ihren Mahlzeiten. Für diesen Kompromiss ist die Foto-Erkennung gebaut.
- Sie nehmen sich die zwei Minuten im Bestelldialog und rechnen Einstiegspreis, Laufzeit und Verlängerungspreis durch. Wer das tut, bekommt ein kalkulierbares Abo; wer es überspringt, bezahlt für die eigene Unaufmerksamkeit.
Treffen mindestens zwei dieser Punkte auf Sie zu, ist Simple in unseren Augen die richtige Wahl. Trifft keiner zu, lesen Sie den nächsten Abschnitt, bevor Sie zahlen.
Wann Sie die Finger von Simple lassen sollten
Es gibt vier Gruppen, denen wir von diesem Abo abraten.
Erstens: Wenn Sie ausschließlich Ihre Fastenphase stoppen und starten wollen, ist Simple das falsche Werkzeug. Dafür reicht eine kostenlose Timer-App, und Sie sparen sich das gesamte Abothema.
Zweitens: Wenn Sie exakte Zahlen brauchen, weil Sie gezielt auf ein Kalorienziel hinarbeiten, arbeitet Simples bewusst grober Ansatz gegen Sie. Vergleichen Sie in dem Fall lieber Programme mit striktem Protokoll, etwa in unserem Erfahrungsbericht zu Noom.
Drittens: Wenn Sie ein Abo ohne feste Laufzeit und ohne automatische Verlängerung brauchen, weil Sie solche Verträge erfahrungsgemäß vergessen, ist die Kombination aus Einstiegsangebot, automatischer Verlängerung und der Gebühr von “$29.99” bei vorzeitiger Kündigung ein Risiko, das in den Rezensionen regelmäßig eintritt.
Viertens, und das ist der wichtigste Punkt: In der Schwangerschaft und Stillzeit, bei einer Essstörung in der Vergangenheit oder Gegenwart, bei Untergewicht, bei mit Medikamenten behandeltem Diabetes sowie bei Kindern und Jugendlichen ist Intervallfasten nichts, was Sie über eine App starten sollten. Fragen Sie in diesen Fällen zuerst Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, und zwar bevor Sie das Essensfenster überhaupt einrichten. Eine App kennt Ihre Blutwerte nicht und Ihre Medikation auch nicht. Wenn Sie ohne Abo anfangen wollen, sind unsere Tipps zum Abnehmen der günstigere Einstieg.
Was die Store-Bewertungen über die Erfahrungen mit Simple sagen
Simple wird viel bewertet, und die Werte sind gut. Im deutschen App Store steht die App bei 4,5 von 5 Sternen aus 9.818 Bewertungen, auf Trustpilot bei 4,3 aus 44.942 Bewertungen (beides Stand: 27.08.2026). Das sind Store-Bewertungen, keine Testurteile, auch nicht unsere.
Was solche Zahlen messen, ist eng: die Zufriedenheit im Moment des Bewertens, meistens in den ersten Wochen, wenn die Motivation hoch ist. Was sie nicht messen, ist, wie viele Nutzer nach sechs Monaten noch protokollieren und wie viel Gewicht am Ende weg ist. Eine 4,5 belegt, dass die App funktioniert und gefällt. Ob sie bei Ihnen wirkt, steht in dieser Zahl nicht.
Die wiederkehrende Kritik dreht sich auffällig selten um die App selbst und fast immer um das Abo: Unklarheit über die automatische Verlängerung und die Abbuchung des vollen Preises, wo der Einstiegspreis erwartet wurde.
Kurz gesagt: Die Kritik trifft fast nie die App und fast immer den Vertrag.
Dass das kein Simple-Einzelfall ist, sondern ein Muster dieser App-Kategorie, zeigt der Fall der Fasten-App Fastic: Dort geht die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen die Abo-Praxis vor, weil Nutzern 99 € berechnet wurden, ohne dass sie dem erkennbar zugestimmt hatten. Mit Simple hat dieser Fall nichts zu tun. Er ist aber der Grund, aus dem Sie bei jeder Abnehm-App die Verlängerungsbedingungen lesen sollten, bevor Sie zahlen, und nicht erst, wenn die Abbuchung auf dem Konto steht.
Simple App: unser Urteil
Simple gehört zur besseren Hälfte der Abnehm-Apps und verkauft sich mit der schlechteren Hälfte der Vertragsmodelle. Inhaltlich bekommen Sie einen Coach, der Essensfenster, Mahlzeiten und Bewegung an einer Stelle bündelt, der das tägliche Abwiegen durch ein Foto ersetzt und der Sie bei dem Teil unterstützt, an dem Intervallfasten tatsächlich scheitert, nämlich am Durchhalten. Die Bewertungszahlen in den Stores decken sich mit diesem Eindruck.
Vertraglich bekommen Sie ein Abo ohne veröffentlichte Preisliste, ohne Testphase, mit automatischer Verlängerung zum vollen Preis und mit einer Ausstiegsgebühr von “$29.99” in den Laufzeittarifen. Das ist kein Betrug, aber es ist eine Konstruktion, die Unaufmerksamkeit bestraft.
Unsere Empfehlung hat deshalb eine Bedingung, und die ist erfüllbar: Rechnen Sie die zwei Beträge im Bestelldialog durch, tragen Sie das Ende der ersten Periode in den Kalender ein, und Simple rechnet sich. Überspringen Sie diesen Schritt, wird die App genau zu dem Ärgernis, von dem die kritischen Rezensionen handeln. Zwei Minuten Rechnen entscheiden über die gesamte Erfahrung mit diesem Abo.
Häufige Fragen zur Simple App
Ist die Simple App kostenlos?
Der Download ist kostenlos, und es gibt eine kostenlose Basisstufe. Der Funktionsumfang, für den die App bekannt ist, also KI-Coach, Foto-Erkennung und personalisierte Pläne, läuft über kostenpflichtige In-App-Käufe. Eine kostenlose Testphase ist in den Nutzungsbedingungen nicht vorgesehen.
Was kostet die Simple App?
Eine Preisliste veröffentlicht der Anbieter nicht. Im deutschen App Store sind In-App-Käufe zwischen 15,99 € und 69,99 € gelistet (Stand: 27.08.2026), aufgeteilt auf Simple Pro und Simple Premium. Welche Laufzeit zu welchem Betrag gehört, sehen Sie erst im Bestelldialog nach dem Onboarding-Fragebogen. Ein Monatspreis lässt sich daraus ohne diese Angabe nicht ableiten.
Gibt es bei Simple eine kostenlose Testphase?
Nein. Die Nutzungsbedingungen nennen keine kostenlose Testphase, sondern ein “Einstiegsangebot”: einen reduzierten Preis für die erste Periode, der sich anschließend automatisch zum vollen Preis verlängert. Wer das für eine Testphase hält, zahlt am Ende der ersten Periode mehr, als er erwartet hat.
Wie kündige ich die Simple App?
Mindestens 24 Stunden vor Ende der laufenden Abo-Periode, sonst verlängert sie sich automatisch. Wo Sie kündigen, hängt vom Store ab, über den Sie gekauft haben. Bei den Tarifen mit fester Laufzeit über drei oder zehn Monate fällt bei vorzeitiger Kündigung zusätzlich eine nicht erstattungsfähige Gebühr an, die die deutschsprachigen Bedingungen mit “$29.99” angeben.
Ist die Simple App seriös?
Die Bewertungslage spricht dafür: 4,5 von 5 Sternen bei 9.818 Bewertungen im deutschen App Store und 4,3 bei 44.942 Trustpilot-Bewertungen (Stand: 27.08.2026), beides Store-Bewertungen und keine geprüften Testurteile. Die verbreitete Kritik betrifft nicht die Inhalte, sondern die automatische Verlängerung nach dem Einstiegsangebot. Lesen Sie die Konditionen vor dem Kauf, und dieser Punkt entschärft sich.
Muss ich mit Simple Kalorien zählen?
Nein, striktes Kalorienzählen verlangt die App nicht. Sie protokollieren Mahlzeiten per Foto, und der Coach schätzt daraus ab. Das ist ungenauer als das Wiegen jeder Zutat und für die meisten Menschen aus diesem Grund überhaupt erst praktikabel. Ohne Kaloriendefizit funktioniert allerdings auch dieser Weg nicht.
