Alarm bei kritischem Zustand von Quarantäne-Patienten

Studie: Knopf im Ohr soll Corona-Sterberate um ein Drittel senken

24. April 2020 - 17:25 Uhr

Telemedizin soll im Ernstfall schnelle Behandlung ermöglichen

Nicht jeder, der sich mit dem Coronavirus infiziert, muss auch im Krankenhaus behandelt werden – zum Glück. Doch gerade ältere Menschen landen oft erst dort, wenn ihr Zustand schon sehr kritisch ist. Hier setzt die neue Studie des Münchner Klinikums rechts der Isar und der Technischen Universität an: Sie soll prüfen, ob ein Sensor im Ohr der Corona-Patienten, die sich zu Hause in Quarantäne befinden, im Notfall Leben retten kann. Das Projekt startet am Montag. Was der Sensor misst und wie die Überwachung auf ärztlicher Seite funktioniert, sehen Sie im Video.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie im Liveticker auf RTL.de nachlesen +++

Zustand in Quarantäne kann sich rasant verschlechtern

Wer positiv auf das Coronavirus getestet wird und nicht stationär behandelt werden muss, wird vom Gesundheitsamt betreut. Die Patienten müssen sich in häusliche Quarantäne begeben und sind angehalten, zweimal am Tag Fieber zu messen, ein Beschwerde-Tagebuch zu führen und sich an den Arzt zu wenden, sollte ihr Zustand sich verschlechtern.

Doch das kann sehr schnell passieren: "Die Corona-Infektion läuft typischerweise in zwei Phasen ab. Die erste Phase kann sehr mild sein, 90 Prozent der Patienten sind danach auch schon wieder gesund. Aber bei 10 Prozent der Patienten kommt es so ab dem 7. bis 10. Tag zu einer drastischen Verschlechterung. Das heißt: Innerhalb weniger Stunden kann sich der Zustand wesentlich verändern und in eine lebensbedrohliche Situation umschlagen", erklärt Prof. Dr. Georg Schmidt, Oberarzt am Klinikum rechts der Isar und Leiter der neuen Studie.

Gesundheitswerte werden 24 Stunden lang überwacht

Gerade bei älteren Patienten gilt es deshalb zu verhindern, dass sie zu spät ins Krankenhaus kommen und im schlimmsten Fall nicht mehr gerettet werden können. Für die Studie sollen zunächst 1200 Freiwillige über 60 Jahren zwei Wochen lang mit dem Sensor, der alle 15 Minuten die wichtigsten Vitalwerte über das Ohr misst, ausgestattet werden. Die Werte werden verschlüsselt an das Klinikum übertragen, wo sie 24 Stunden an sieben Tagen der Woche überwacht werden – von einem Computeralgorithmus, aber auch von medizinischem Personal. Eine Ampel zeigt an, ob alles im grünen Bereich liegt. Bei Gelb wird der Patient für einen eventuellen Untersuchungstermin vereinbart, bei Rot sofort der Rettungsdienst verständigt.

"Bei diesen Patienten erwarten wir, dass wir schneller sind als ihr Selbstgefühl", so Prof. Dr. Schmidt. Denn für die Betroffenen sei es manchmal eine große Hürde, von sich aus den Notdienst zu rufen. "Wir bringen die Methoden der Intensivmedizin in die Schlaf- und Wohnzimmer, ohne dass dadurch große Neukosten entstehen", erklärt der Studienleiter. Für die Teilnehmer der Studie ist die Verwendung des Sensors kostenlos. Finanziert wird das Projekt durch das Ministerium und private Stiftungen. Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, erhofft sich Prof. Dr. Schmidt von dem Projekt eine Senkung der Sterberate in der Studiengruppe um mindestens ein Drittel gegenüber anderen unüberwachten Patienten.

Corona von A bis Z

Was darf ich jetzt noch - und was nicht? Unser A bis Z zu den aktuellen Corona-Regelungen verschafft Ihnen einen Überblick.

TVNOW-Doku Folge 3: Was wir aus der Krise lernen

In der dritten Folge der TVNOW-Doku zum Coronavirus geht es um die Frage: Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen das Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?