Ungewohnte Vergesslichkeit bei Müttern

Nach der Geburt vergesslich? Wissenswertes über die Stilldemenz

Wieder etwas wichtiges zuhause vergessen? Keine Sorge - junge Mütter und Schwangere sind häufig vergesslicher als sonst. Woran das liegt und was Sie dagegen tun können.
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23. September 2020 - 14:49 Uhr

Stilldemenz: Zeitweise setzt die Erinnerung aus

Das Baby ist da – doch mit ihm auch eine ungewohnte Vergesslichkeit? Gegenstände verschwinden, der Einkauf ist unvollständig und vieles scheint plötzlich wie aus dem Gedächtnis gelöscht. Stilldemenz, so wird das zeitweise Aussetzen der Erinnerung genannt, hat aber weder mit dem Stillen an sich, noch mit einer echten Demenz etwas zu tun. RTL.de greift das sensible Thema auf und erklärt, was es mit der Vergesslichkeit während der Schwangerschaft und nach der Geburt auf sich hat.

Stillen macht vergessich – mögliche Ursachen einer Stilldemenz

Schwangerschaft und Geburt bringen extreme Veränderungen des Hormonhaushaltes mit sich. Das Stress-Hormon Cortisol, das sowohl für die Milchproduktion als auch für die Vergesslichkeit verantwortlich ist, erreicht nach der Entbindung ein hohes Niveau. An die Strapazen der Geburt erinnern sich viele junge Mütter, die sich darüber hinaus in einer Regenerationsphase befinden, kaum.

Schonen kann sie sich jedoch nicht, denn hat der neue Erdenbürger das Licht der Welt erblickt, verändert sich der Lebensrhythmus komplett. Eigene Bedürfnisse treten in den Hintergrund, um den Anforderungen als Mutter gerecht zu werden. Der Schlaf ist gestört, häufig fehlt die wichtige Tiefschlafphase, die für Konzentration und Regeneration von enormer Wichtigkeit ist. Aufgrund dieser Veränderungen gerät die junge Mutter zunehmend in eine Art Ausnahmezustand.

Das Vakuum im Kopf: Symptome einer Schwangerschafts- oder Stilldemenz

Nicht selten machen sich kleine Gedächtnislücken schon während der Schwangerschaft bemerkbar, doch nach der Geburt verschlimmert sich die Vergesslichkeit der frischgebackenen Mama: Plötzlich sind Smartphone, Schlüssel & Co. nicht mehr auffindbar, Namen entfallen, die Gedächtnisleistung ist auf Talfahrt. Streikt das Kurzzeitgedächtnis, entstehen Konzentrationsstörungen und eine erhöhte Reizbarkeit ist die Folge.

Die Still- oder auch Wochenbettdemenz hält längstens ein Jahr lang an. Schläft das Baby erst einmal durch, lichtet sich der Nebel im Kopf schon deutlich früher. RTL.de gibt Tipps, wie kleine Hilfsmittel und Veränderungen den Alltag erleichtern.

Gründe und Hilfen für die Stilldemenz nach der Geburt

Da Schlafentzug die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigt, ist zunächst genügend Schlaf von größter Wichtigkeit. Daher kann es hilfreich sein, wenn das Baby direkt neben dem Elternbett schläft und von der Mutter im Liegen gestillt wird. Wird das Neugeborene mit der Flasche gefüttert, springt sicherlich auch mal der Papa ein, damit Sie als Mutter ungestört weiterschlafen können. Mutter und Kind lernen sich kennen, das braucht Zeit und Geduld. Ist erst einmal Routine vorhanden, vermindert das den Stress schon erheblich und das Gedächtnis kommt zurück.

Hilfreiche Tipps gegen die Vergesslichkeit

Folgende Tricks helfen ebenfalls, die Zeit der Stilldemenz entspannter hinter sich zu bringen:

  • Viel Flüssigkeit und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung bringen Körper und Hirn in Schwung.
  • Bewegung an der frischen Luft tut Körper und Geist gut.
  • Wenn das Baby schläft, ist der ideale Zeitpunkt zum Entspannen und um ein Schlafdefizit auszugleichen.
  • Stillen im Dunklen fördert das schnelle Einschlafen danach.
  • Überforderung und Perfektionismus vermeiden, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden lernen.
  • Wenn der Kopf streikt, Ruhe bewahren; mit, und nicht gegen den neuen Rhythmus leben.
  • Dingen des täglichen Gebrauchs einen festen Platz geben.
  • Notizzettel als Gedächtnisstütze verwenden.
  • Freiräume zum Kraftschöpfen schaffen
  • Erfahrungsaustausch in Babygruppen sorgt für psychische Unterstützung.