Kurz nach halb zwölf verkündet die Richterin das Urteil: zehn Jahre und neun Monate Haft für den 22-jährigen Angeklagten Shkelqim S. wegen Totschlags, das ist mehr, als die Staatsanwaltschaft zuvor gefordert hat. Der Gerichtssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Angehörige des Opfers Miraç D. sind gekommen – darunter auch seine Mutter.
Heiko Metz, Nebenklagevertreter
"Da kann ich meine Mandantin zitieren, die mir als allererstes nach dem Urteil sagte: Egal, welches Urteil gefällt wird, egal wie hoch die Strafe ist, nichts wird mir meinen Sohn jemals wiederbringen."
Es ist Sonntag, der 13. April 2025, in den frühen Morgenstunden. Der 22-jährige Shkelqim S. feiert mit Freunden in der Großraumdisco Fun Parc in Trittau, auch das spätere Opfer, der 21-jährige Miraç D., ist dort. Kurz vor zwei kippt die Stimmung: Es kommt zu Schlägen, Tritten, Flaschen fliegen. Dann zieht Shkelqim S. ein Messer und sticht einmal auf Miraç D. ein – da ist sich das Gericht sicher.
Merle Lassen-Huhn, Gerichtssprecherin
"Nach Überzeugung des Gerichts kam es dem Angeklagten nicht darauf an, das spätere Opfer zu töten. Er hat dessen Tod aber als mögliche Folge erkannt und in Kauf genommen. Nach den Feststellungen des Gerichts wollte er sich dafür rächen, dass seine Freundin zuvor im Rahmen der Schlägerei zu Fall gekommen war."
Mirac D. – ein Zufallsopfer. Nach Überzeugung des Gerichts hat er keine Chance, diesen Messerangriff zu überleben. Der junge Mann stirbt noch am Tatort. Nach der Tat verlassen Shkelqim S. und seine Freunde die Disco ruhig und überlegt, so beschreibt es die Richterin. Das Messer schmuggeln sie mit hinaus. Erst Tage später stellt sich der 22-Jährige mit einem Anwalt der Polizei – Reue zeigt er vor Gericht nicht.
Annika Redmer, Reporterin
"Der Angeklagte starrte bei der Urteilsverkündung fast die ganze Zeit. Nur geradeaus. Zeigte kaum Regung. Rein gar nichts. Auf mich wirkte es so, als würde er die Urteilsbegründung nur über sich ergehen lassen. Währenddessen waren viele Angehörige mit im Zuschauerraum. Einige waren sichtlich nervös und angespannt. Eine Frau brach in Tränen aus, als die Richterin nochmal von dem Tatabend sprach."
Es ist die Mutter von Miraç D. Sie wollte eigentlich während des gesamten Prozesses dabei sein:
Heiko Metz, Nebenklagevertreter
"Dann wurde die psychische Belastung einfach zu groß, weil letztlich festgestellt werden musste, dass Zeugen, die aus einem Täterumfeld stammen, praktisch durchgängig gemauert haben, sich an überhaupt nichts erinnern konnten. Und das ist natürlich für jemanden, der dort einen Angehörigen so verloren hat, nur schwer erträglich."
Staatsanwaltschaft und Nebenklage zeigen sich zufrieden mit dem Urteil. Noch ist es jedoch nicht rechtskräftig – es kann noch Revision eingelegt werden.