Joachim und Bärbel Groos machen seit mehreren Jahren gerne Urlaub an der Schlei - 2021 war das Paar aus Nordrhein-Westfalen zuletzt hier in Lindaunis an der geschichtsträchtigen Schleibrücke. Jetzt, fünf Jahre später, wollten sie einfach mal vorbeischauen, den Baufortschritt inspizieren.
Joachim Groos, Urlauber
"ja, es ist Bewegung hier auf der Baustelle. Ich habe heute Morgen gelesen, dass es sich aber von den Kosten her wohl massiv nach oben bewegen wird. Und deswegen sind wir einfach noch mal hingefahren, um mal zu schauen, ob die Kosten auch gerechtfertigt sind."
Ja und die Kosten bewegen sich schon seit Jahren massiv nach oben: kurz vor Baubeginn im Jahr 2020 war noch von rund 50 Millionen Euro die Rede. Später hieß es dann 84 Millionen Euro, und nun wird es doch noch ein kleeines bisschen teurer:
Aufsager
"Aktuell geht die Bahn bei den Baukosten von einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag aus, wie das Unternehmen mitteilt. Das sind also mehr als 100 Millionen €."
Seit September 2020 wird an einem Neubau gebaut, denn die alte Brücke – Teile stammen noch aus dem Jahr 1892 – lässt sich nicht mehr sanieren. Autos sieht sie schon seit Jahren nicht mehr, von Zügen ganz zu schweigen. Wer mit dem Zug reisen will, steigt aus, spaziert 300 Meter über die Schlei – und hofft, dass drüben pünktlich ein Zug weiter fährt. Die Urlauber sehen das gelassen:
"Wir kennen das nicht anders. Wir sind hier nur 14 Tage in Urlaub.
kein Problem mit."
Für Urlauber kein Problem – für Einheimische schon. Wer hier täglich die Schlei überqueren muss, kennt seine Optionen auswendig: Kappeln, Arnis, Missunde. Letztere allerdings mit gewissem Überraschungseffekt – mal fährt sie, mal nicht. Doch das soll sich bald ändern:
Aufsager
"Während die Bahn fleißig weiter baut, fährt die Schlei Fähre. Missunde drei. Ab Mitte Juni wieder los. Das Teil zumindest. Der Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Schleswig Holstein mit."
Na, vielleicht ja dieses Mal sogar etwas länger als nur ein paar Wochen. Immerhin gäbe es dann ein Sorgenkind weniger für das Verkehrsministerium in Kiel. Bleibt halt noch die Brücke, mit gestiegenen Kosten. Grund dafür unter anderem, laut Bahn und Verkehrsministerium: die Lage im Nahen Osten sowie anhaltende Ressourcenknappheit in der Baubranche. Das Land übernimmt 68 Prozent der Kosten, die Bahn 32 Prozent. Dennoch: Was am Ende wirklich fällig wird, steht noch in den Sternen.
Bärbel Groos, Urlauberin
"diese Transparenz ist einfach nicht da. Da wird dann gesagt, es wird teurer. Vielleicht wissen die das, aber erzählen auch nicht alles. Weswegen das dann so teuer geworden ist, ist natürlich schon erschreckend, weil man hat ja irgendwie so ein Fass ohne Boden. Denkt man."
Bei all den negativen Preisschock-Nachrichten, noch etwas positives:
Aufsager
"Das Bauprojekt liegt laut Bahn im Zeitplan. Ab August 2027 sollen hier wieder Züge fahren, Autos dann ab Ende kommenden Jahres."
Vielleicht ist dann endlich das Schleimassel vorbei, wenn Urlauber und Einheimische die Schlei hier wieder ganz normal überqueren können. Mit Fähre, Zug und Auto. So wie früher.