Ein zerknülltes Plakat ist das, was von einer 18 Millionen Euro schweren Olympia-Kampagne übrig bliebt. Einen Tag nach dem überraschend deutlichen Olympia-Nein, muss der Senat erklären, warum seine Botschaft bei den Hamburgern nicht ankommen wollte.
„Wenn man eine Frage stellt, darf man sich danach nicht über die Antwort beklagen."
„Das heißt all diejenigen, die jetzt sagen hätte man nicht abstimmen sollen oder sehenden Auges reinlaufen in eine Niederlage, das finde ich ein bisschen billig."
Nicht gerade billig waren auch die Kosten für das Referendum selbst. 7 Millionen Euro für eine Abstimmung, bei der am Ende 54,9 Prozent mit Nein stimmen. Damit ist klar, Hamburg steigt aus dem Rennen um die deutsche Olympia-Kandidatur für 2036, 2040 oder 244 aus.
„Wir haben 49,6 % Beteiligung, ganz knapp unterhalb der 50 % Marke. Das ist immer noch eine hohe Beteiligung für einen Volksentscheid außerhalb einer Wahl."
Bei den Olympia-Gegnern ist die Freude am Sonntagabend groß. Die Linke und das Bündnis NOlympia hatten vor unkalkulierbaren Kosten und steigenden Mieten gewarnt. Eine Studie der Universität Hamburg zeigt, dass genau diese Sorgen auch viele Hamburger umgetrieben haben. Umweltschutz, Sicherheit oder Parteipolitik wurden in der Befragung nur selten als Contra-Argumente genannt.
„Ich finde, der Senat hat sich selbst ein Armutszeugnis ausgestellt, als er gesagt hat, nur mit Olympia können wir die Stadt weiterentwickeln. Das war ein Eindruck, der bei vielen Hamburgerinnen hängengeblieben ist, der gesagt hat könnt ihr nichts Eigenes machen. "
Schon zum zweiten Mal überwiegt die Skepsis gegenüber den Olympia-Versprechen in Hamburg. Auch 2015 stimmen 51,6 Prozent gegen eine Bewerbung für 2024, heute ist das Nein sogar noch deutlicher. Ganz anders die Stimmung in Kiel. 63,5 Prozent der Schleswig-Holsteiner sind für Olympia in ihrer Stadt.
„Berlin hat sich ja committet zu Warnemünde. Also von daher wenn Berlin es wird, dann wäre Kiel nicht dabei. Ich glaube, wir haben sehr, sehr gute Chancen, dass sich München und auch Rhein Ruhr mit Köln pro Kiel entscheidet. Und dafür kämpfen wir auch weiterhin."
Auch der Ministerpräsident hat die Hoffnung für sein Bundesland noch nicht ganz aufgegeben.
„Wir arbeiten weiterhin an dem Ziel von Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland, bei denen Kiel mit den Segelwettbewerben und weiteren Sportarten eine wichtige Rolle einnimmt."
Im Rennen für Olympia in Deutschland bleiben München, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin. Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet Ende September über den finalen Kandidaten. Der Präsident ist optimistisch, dass die Spiele tatsächlich in Deutschland stattfinden könnten.
„Weil wir ja durch diese 19 anderen guten Ergebnisse etwas haben, was bisher kein Land geschafft hat, nämlich Bürgerbefragung, direkte oder in den Parlamenten, wie es in Rostock und Berlin der Fall war, die mit Zweidrittelmehrheiten für Olympia ausgehen."
Der Senat betont, den Ausbau von Sportstätten, Infrastruktur und mehr Barrierefreiheit weiterhin durchzusetzen. Der Rückenwind und mögliche zusätzliche Fördermittel durch Olympia fallen allerdings weg.
„Und natürlich gucken wir jetzt nach der Entscheidung von gestern und ich muss gestehen, ich muss mich da noch ein bisschen schütteln und das auch sacken lassen, weil die Enttäuschung groß ist, weil ich auch wirklich, wirklich traurig bin. Was natürlich gleichzeitig klar ist, dass diese Sachentscheidung nichts daran ändert, dass wir als Senat nicht nur stabil zusammen sind, sondern uns auch wirklich viel vorgenommen haben.
Nach dem Aus für Olympia steht für den Senat also nun die eigentliche Bewährungsprobe an: zu zeigen, dass sie die großen Versprechen für die Stadt auch ohne Olympia einlösen.