Die Toiletten an der Leif-Eriksson-Gemeinschaftsschule in Kiel... Sie sind in einem untragbare Zustand. Eine echte Zumutung für die Schülerschaft und alle, die hier arbeiten, das findet auch die 24-Jährige Schulbegleiterin Ineke Holz, die hier vier Schüler der 7. Klasse betreut.
(O-Ton Ineke Holz, Schulbegleiterin)
"Ja, es ist absolut ekelhaft. Also wenn sie nicht kaputt sind, dann sind sie mit Fäkalien beschmiert bis hoch zu den Decken. Also da, da ist auch nicht mit Saubermachen schnell . Die müssen gesperrt werden und können gar nicht mehr benutzt werden."
Das bestätigt uns auch eine Mutter, deren Tochter hier in die 10. Klasse geht.
(O-Ton Marta Ostapiuk, Mutter)
"Sie hat gesagt, das ist alles dreckig und alles und stinkt. Aber ja. Was kann sie machen? Gar nichts."
"Meine Tochter hat gesagt, sie geht hier nicht. Leider. Sie muss zu ihrer Tante gehen." "Auf Toilette?" "Ja, richtig."
Besonders diese Jungstoiletten sind seit längerem von schwerem Vandalismus betroffen. Ob es sich bei den Tätern um Schüler der Schule handelt ist unklar. Die Schule gehört zu einem Bildungszentrum mit insgesamt drei Schulen. Darunter auch ein Gymnasium und eine Förderschule mit 1200 Schülern. Zutritt zum Komplex haben auch andere, denn das Zentrum im Problem-Stadtteil Mettenhof wird für viele als Treffpunkt genutzt.
Vor eineinhalb Wochen greift der Schulleiter aber dann zu einer drastischen Maßnahme:
O-Ton Ineke Holz, Schulbegleiterin
"Da hieß es erst, dass von der fünften bis zur achten Klas-se kein Junge mehr zur Schule kommen muss, also nur um Materialien abzuholen. Und dann könnten alle wieder nach Hause gehen. Da hatten die Lehrer dann auch die Schüler gebeten, den Eltern Bescheid zu sagen, das bitte das sie aufmerksam machen sollen bei den Bürgermeistern anrufen, Emails telefonieren sollen, dass hier was passiert."
Der Schulleiter schickt alle männlichen Schüler nach Hause. Zwar schreitet das Schulamt sofort ein und am nächsten Tag müssen alle Schüler wieder zur Schule. Aber der Hilferuf an die verantwortlichen Behörden kommt an. Auf RTL Nord- Anfrage teilt uns der Schulleiter mit, er dürfe vor der Kamera nicht sprechen.
Seine Vorgesetzte, Schulrätin Bettina Becker, erklärt uns aber, sie befasse sich schon seit langem intensiv mit der Leif-Eriksson-Schule Und sie sei auch auf Lösungssuche.
(OT Bettina Becker, Schulrätin)
"Die Frage ist ja, wie behalte ich meine Schule Intakt und schön? Und wenn wir jetzt dieses große offene Schulsystem Leif- Eriksson- Gemeinschaftsschule mit den anderen bei-den Schulen sehen , haben wir uns schon die Frage gestellt, ob wir ein Chipsystem einführen . Ei-ne. Das ist eine Art Schülerausweis mit einem Chip, der dann bei Anlegen auf einem Desponder die Türen öffnet.
Neue Toiletten wären die Sache des Schulträgers, also der Stadt Kiel. Aber nicht die alleinige Lösung. Denn Vandalismus- und eben auch die Überschwemmungs- Gefahr würde ja auch bei neuen Toiletten bleiben. Hier sucht Kiels verantwortliche Schuldezernentin und Bürgermeisterin Renate Treutel nach Ideen:
( OT Renate Treutel, Die Grünen, Bürgermeisterin)
"Wir würden uns wünschen, dass wir Videokameras aufstelllen könnten, gerade bei Feuermelder oder vor Toiletten. Das darf man in einer Schule aber nicht und das finde ich auch richtig. {(raus: Also Videokameras in Schulen aufzustellen , das sollte ein NoGo sein.)} Aber wir haben hier eine außer-gewöhnliche Situation und wir können nicht so viele Kräfte zur Aufsicht zur Verfügung stellen. Und hier könnte. Für eine befristete Zeit könnte eine Videoüberwachung Erleichterung schaffen."
Dafür will sich die Bürgermeisterin ein-setzen.
Auch die Polizei sei eingeschaltet.
Und an der Schule suchen die Betroffenen selbst natürlich auch nach Lösungen
(O-Ton Ineke Holz, Schulbegleiterin)
"Wo die Oberstufenschüler oder ältere Schüler über den Tag so Schichten haben und dann auf-passen, dass nichts passiert. Ob man so was vielleicht ein-führen könnte."
Ob dem Schulleiter für seine Aktion Konsequenzen drohen ist nicht bekannt. Der Schulbetrieb an der Leif-Eriksson-Gemeinschaftsschule läuft den Umständen entsprechend normal. Aber wann der Toiletten-Ärger endlich ein Ende findet, ist nicht abzusehen.