Terror, Tränen & 190.000 Tote: Zehn Jahre Irak-Krieg

21. März 2013 - 16:13 Uhr

70 Prozent der Toten durch direkte Kriegsgewalt sind Zivilisten

Zehn Jahre nach Beginn des Irak-Krieges am 20. März 2003 ist im Irak immer noch kein Frieden eingekehrt. Auch wenn der Krieg im Dezember 2011 offiziell beendet wurde, ist das Land immer noch von Terror geprägt. So kam es auch kurz vor dem Jahrestag zu einer Welle von Terroranschlägen mit mehr als 60 Toten. Die irakische Regierung sagte daraufhin die für den 20. April geplante Regionalwahl in zwei Provinzen ab.

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190.000 Menschen fielen dem Irak-Krieg zum Opfer. 70 Prozent der Toten durch direkte Kriegsgewalt sind Zivilisten. Aber auch 4.488 US-Soldaten verloren ihr Leben.
© REUTERS, STRINGER/IRAQ

Der Krieg hat nach einer jüngsten Studie 190.000 Menschen das Leben gekostet - und den USA kam er mit 2,2 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) weitaus teurer zu stehen als anfangs gedacht. Mehr als 70 Prozent der durch direkte Kriegsgewalt getöteten Menschen seien Zivilisten, heißt es in dem Report der Brown- Universität (US-Bundesstaat Rhode Island). Die USA verloren 4.488 Soldaten. Laut der Organisation 'Committee to Protect Journalists' starben zudem mindestens 150 Journalisten.

Ein Jahrzehnt nach Beginn des Krieges hat der frühere US-Außenminister Colin Powell Fehler der USA eingeräumt. "Man sollte einen Einmarsch zu Ende denken, die Folgen im Auge haben. Das haben die USA im Irak zu wenig getan", sagte Powell der 'Frankfurter Rundschau'. "Das irakische Volk erwartete, dass wir die Lage stabilisieren würden. Das haben wir kein bisschen getan", gestand Powell ein. "Wir sahen stattdessen zu, wie die Revolten begannen und langsam, aber stetig außer Kontrolle gerieten." Der damalige Präsident George W. Bush habe vor dem Angriff auf Bagdad am 20. März 2003 einen Plan zur Stabilisierung des Landes gebilligt, an den sich das US-Verteidigungsministerium aber nicht gehalten habe, sagte Powell.

Auch die Motive für den US-Einmarsch wurden nach Kriegsbeginn von einem US-Untersuchungsausschuss als weitgehend haltlos bezeichnet. Powell hatte mit einer Rede vor den Vereinten Nationen die Welt auf den Irakkrieg eingeschworen, da Iraks Diktator Saddam Hussein angeblich Massenvernichtungswaffen herstelle. Als weiteren Grund für die Invasion nannten die USA Kontakte Saddam Husseins zum Terrornetz Al Kaida.

US-Präsident Obama will dem Irak zu einer stabilen Zukunft verhelfen

Zum Jahrestag der US-Invasion sagten Präsident Barack Obama und Pentagonchef Chuck Hagel dem Irak weitere Zusammenarbeit auf dem Weg zu einer stabilen Zukunft zu und würdigten den Einsatz und die Opferbereitschaft der US-Soldaten. Obama sprach in einer schriftlichen Erklärung von einem "ernsten" Jubiläum. Er hob den Mut, die Selbstlosigkeit und den Teamgeist der Irak-Soldaten hervor. Dies seien die Werte, die Amerika "groß" machten. Der Präsident gedachte der fast 4.500, die ihr Leben geopfert hätten, "um dem irakischen Volk eine Gelegenheit zu geben, nach vielen harten Jahren ihre eigene Zukunft zu gestalten".

Zurzeit scheint diese Zukunft jedoch noch fern. Auf den Einmarsch der US-Truppen und ihrer Verbündeten vor zehn Jahren folgten Jahre des Bürgerkriegs, ethnische Säuberungen, Kriminalität und ungezügelte Korruption. Hundertausende haben damals den Irak verlassen. Viele wurden vertrieben, auch heute noch befinden sich Iraker auf der Flucht. "Wir haben harte Zeiten durchlebt. Wir haben Brüder und Familie bei Schießereien, Bombenanschlägen und Entführungen verloren", sagt Matta, ein Ladenbesitzer aus Al-Wahda. "Und nun fürchten wir, dass sich daran im Irak nichts ändern wird."