Studie: Lehrpläne hinken beim Thema Migration hinterher

Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz in Potsdam. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild
Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz in Potsdam. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/archivbild
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23. März 2021 - 13:32 Uhr

Dresden (dpa) - Die Themen Migration und Integration spiegeln sich laut einer Studie aus Dresden in Lehrplänen deutscher Schulen nicht angemessen wider. Zentrale Etappen der jüngeren Migrationsgeschichte wie die Anwerbung von Gastarbeitern, die Zuwanderung von Spätaussiedlern oder Fachkräften finde nur selten Erwähnung, teilte die Technische Universität Dresden am Dienstag mit. Dagegen würden Phänomene der Migration oft mit krisenhaften Entwicklungen wie Flucht und Vertreibung verknüpft. "Damit steht die Darstellung der Migration und Integration in den Lehrplänen nicht im Zeichen gesellschaftlicher Normalität. Auch migrationsbedingte Vielfalt und Fragen nach Identität und Zugehörigkeit werden nur selten thematisiert", hieß es.

Für die Studie hatte das Mercator Forum Migration und Demokratie (Midem) an der TU Dresden eine Bestandsaufnahme von Lehrplänen vorgenommen. Dafür wurden die Fächer Geografie, Geschichte und Politik/Gemeinschaftskunde der Klassenstufen 7 bis 10 in Bayern, Berlin und Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen untersucht, dazu auch Schulgesetze und Beschlüsse der Kultusministerkonferenz analysiert. Zudem führten die Forscher Interviews mit ausgewählten Expertinnen und Experten für Lehrplanentwicklung und Lehrerfortbildung. Auftraggeber der Studie war die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU).

"Ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Diese Vielfalt gehört schon längst zum selbstverständlichen Alltag in den Schulen und Klassenzimmern", erklärte Widmann-Mauz. Wichtig sei, diese Vielfalt mit all ihren Chancen und Herausforderungen auch im Schulunterricht und in den Lehrmaterialien zu thematisieren. Die Autoren der Studie empfehlen unter anderem, auch Lehrkräfte mit ausländischen Wurzeln in die Ausgestaltung von Lehrplänen einzubinden.

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Quelle: DPA