29.08. | MO | 21:15

Team Wallraff

Team Wallraff: Undercover in deutschen Altenpflegeheimen

Undercover in zwei sehr gut benoteten Altenheimen

Sie haben nach dem Krieg die Trümmer weggeräumt, sie haben Deutschland eine stabile Demokratie beschert und sie haben uns Jüngeren großen Reichtum hinterlassen. Jetzt ist diese Generation in den Altenheimen angekommen. Doch wie sieht ihr Leben dort aus? Das Team Wallraff hat sich undercover zwei Altenheime angesehen.

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Undercover-Reporterin Pia Osterhaus bewirbt sich als Praktikantin im Münchner Sankt-Josef-Heim. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bewertet die Einrichtung mit der Bestnote 1,0. Ihr erster Eindruck: Zu wenig Personal und zu wenig Zeit für die Bewohner. "Ich sitze hier seit heute früh um 6 Uhr in einem nassen Bett", beklagt sich eine Heimbewohnerin. Gerade mal fünf Minuten bleiben für die tägliche Morgenpflege: waschen, anziehen und füttern im Akkord. „Eigentlich ist es nur satt, sauber und mit Medikamenten ruhig gestellt“, sagt der Pflegekritiker Claus Fussek. Es ist ein System, das einsame Senioren und frustrierte Pfleger hervorbringt.

Einige Bewohner haben auffallend viele Hämatome. Ein Mann hat massive Einblutungen unter den Augen, ein sogenanntes Brillenhämatom. Was ist mit ihm passiert? Im Pflegedokument steht: "Herr M. sieht aus, als hätte er im Boxring gestanden… Äußert, dass er geschlagen wurde." Der Mann wurde zwar ärztlich untersucht, aber genügt das? „Wenn man solche Hämatome sieht, dann sollte man gegebenenfalls weiter nachforschen und weitere Untersuchungen anstellen, wie beispielweise eine Computertomographie“, sagt der Rechtsmediziner Prof. Dr. Marcel Verhoff.

Die nächste Station: Berlin. Es ist ein Heim der börsennotierten Marseille-Kliniken. Oberste Devise dort: Vollbelegung. Ältere Damen treffen auf randalierende Alkoholiker. Dazu: Verwahrloste Zimmer, Schimmel an den Fenstern, Toiletten für alle auf den Fluren. Der Kostendruck ist enorm.

Undercover-Reporterin Pia Osterhaus hat viel Erbärmliches, aber auch viel Bewundernswertes gesehen. Pflegekräfte, die trotz schlechter Bezahlung weitermachen, weil sie die Senioren nicht im Stich lassen wollen.

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"Die Mitarbeiter sind hier die Opfer - und nicht die Täter."

Undercover-Reporterinnen über ihre Raststätten-Einsätze