"Ich bin so beschämt. Ich fühle mich so minderwertig gerade, ich kann es gar nicht in Worte fassen."
Wir können es nur bewundern, dass Michaela dennoch ganz offen auf TikTok das für sie so peinliche Erlebnis schildert. Die 29-Jährige steht bei Lidl ewig in der Schlange, sie leidet an einer schwachen Blase, und das macht sich jetzt bemerkbar.
"Du kriegst Schweißausbrüche, du kriegst Gänsehaut, du hast richtig Schmerzen."
Und dann passiert, womit Sie niemals gerechnet hätte:
"Als ich dann endlich dran war an der Kasse, habe ich dann den Kassierer so leise wie möglich gefragt, ob es denn möglich wäre, auf Toilette zu gehen, dass es mir leidtäte. Normalerweise würde ich nicht fragen, aber ich müsste wirklich ganz dringend auf die Toilette. Er guckt mich an und sagt Nein, dürfen wir nicht."
Bevor wir einen Anwalt fragen, ob der Besuch der Toilette wirklich verweigert werden darf, wollen wir von Normalbürgern wissen, wie sie das denn finden.
"Ja, unmöglich. Natürlich. Warum darf man nicht zur Toilette gehen?"
"Ist natürlich doof. Ich dachte, wenn man da zum Beispiel Schmerzen hat oder so, dass sie einen schon auf Toilette lassen."
"Ist doch für mich Grundrecht als Mensch sich entledigen zu dürfen."
Doch rechtlich betrachtet ist die Sache nicht wirklich so ganz klar.
Rechtsanwalt Arndt Kempgens: "Es gibt kein Recht auf einen Toilettengang auf einer fremden Toilette. Da gilt das Hausrecht und da muss quasi demjenigen, dem die Toilette gehört, der kann entscheiden, wer sie nutzt. Es sei denn, wir haben so einen Notfall. Und dann kann man im Einzelfall sicherlich sagen, da ist eben ein Verbot unzulässig."
Michaela fordert jetzt ein klares Recht zur Toilettennutzung im Supermarkt. Aber wie ging es für sie dann weiter?
"Ich bin mit meinen Sachen also schnell zum Auto, habe mich ins Auto gesetzt und da lief es dann auch schon. Ich habe mir in die Hose gemacht und ins Auto gepinkelt. Das ist mir mega peinlich, super unangenehm."
Lidl ist das Ganze inzwischen auch super unangenehm. Das Unternehmen schreibt uns:
"Unsere Mitarbeiter geben Kunden grundsätzlich gerne die Möglichkeit, in Notfällen die Personaltoilette zu benutzen. Im Fall von Michaela [..] wurde dies aufgrund eines Missverständnisses jedoch nicht ermöglicht, das bedauern wir außerordentlich. Wir nehmen dies zum Anlass, die Kollegen dahingehend zu sensibilisieren."
Auch bei Michaela persönlich hat Lidl sich entschuldigt und sie zu einem Gespräch eingeladen. Wir sind uns sicher, dass die Toilettentüren für sie dann weit offen stehen.