Noch ist es still an der Ganztags-Grundschule am Salze in Salzgitter. Aber schon morgen wird hier wieder der Schulalltag beginnen - mit einer kleinen Neuerung.
Bettina Buttke, Schulleiterin
" Wir starten mit neuen Ganztagsgruppen insgesamt, und zwei Gruppen davon sind aus Klasse eins und die sind erstmalig auch am Freitagnachmittag da."
Gemeint ist damit der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, der seit dem 1. August zunächst für alle Erstklässler gilt. Acht Stunden Bildung und Betreuung von Montag bis Freitag soll das gewährleisten.
Doch nicht nur das ändert sich in diesem Schuljahr - schon im Juni verteilt Kultusministerin Julia Willie Hamburg die ersten Ipads an Schülerinnen und Schüler, denn die stehen jedem und jeder ab dem 7. Jahrgang kostenlos zur Verfügung - gestellt vom Land.
Auch im Unterricht ändert sich einiges: An Grundschulen gibt es nun drei zusätzliche Stunden für die Stärkung von Lesen, Schreiben und Rechnen. Und auch beim Thema Religion wird sich der Unterricht verändern. Denn ab diesem Schuljahr wird es schrittweise nur noch das Fach "Christliche Religion geben", dass dann evangelische und katholische Themen vereint.
Aber für all das braucht es genug Personal.
Julia Willie Hamburg, Kultusministerin, B'90/Grüne
"Wir haben in diesem Schuljahr für dieses Schulhalbjahr, also zum 1. 08. 2021, Stellen ausgeschrieben. Das sind mehr als im letzten Jahr, die wir ausgeschrieben haben, und wir konnten davon Stand heute 1586 besetzen. Auch das sind mehr, als wir im letzten Jahr zu diesem Zeitpunkt besetzt haben. Das ist sehr erfreulich."
Doch der gut gemeinte Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen stellt viele Kommunen am Ende vor Herausforderungen - so auch Salzgitter.
Anna Koch-Söchting, kommissarische Fachdienstleitung Bildung Salzgitter
"Da denke ich ganz spontan an die MittagessensVersorgung, an den adäquaten Raum, um eine qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung sicherzustellen. Ich denke an Personal, ich denke an Finanzierung, ich denke an Ausstattung. All das sind Punkte, die uns in den letzten Jahren doch sehr bewegt haben."
Niedersachsen bekommt für den Ausbau 278 Millionen Euro vom Bund, den Rest müssen die Kommunen tragen - neben all den Neuerungen in diesem Schuljahr.
Viele wichtige Themen, die Eltern, Lehrer aber vor allem eben auch die Schülerinnen und Schüler bei uns betreffen. Wir wollen das Ganze nochmal ein bisschen sortieren - mit der Kultusministerin. Mit Julia Willie Hamburg.
Frau Hamburg, als wäre es nicht schon aufregend genug, ins neue Schuljahr zu starten oder überhaupt mit der Schule zu beginnen, gibt es auch sonst noch viele Neuerungen. Das Fach Christliche Religion zum Beispiel oder eben den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen. Überfordern Sie damit nicht alle Beteiligten? Ist das alles nicht ein bisschen viel auf einmal?
Lassen Sie uns mal bei der Ganztagsbetreuung bleiben: Sicherlich gut gemeint aber bei der Umsetzung hapert es ja doch noch ganz schön. Alleine in Salzgitter gibt es fünf schulen, die es noch nicht geschafft haben, eine Mensa einzurichten. Inwieweit gibt es da Unterstützung vom Land oder lassen Sie die Kommunen damit jetzt allein?
Es gibt viele Neuerungen zum Schulstart - aber eben auch viele altbekannte Themen. Lehrermangel und Unterrichtsversorgung zum Beispiel. Darüber haben wir beide ja auch schon unzählige Male gesprochen. Sie selber sehen sich auf einem guten Weg - die Gewerkschaft GEW allerdings wirft Ihnen vor, den wahren Lehrerbedarf zu verschleiern. Sind Ihre Zahlen also nur Augenwischerei?
Die Unterrichtsversorgung liegt in Niedersachsen bei gut 97 Prozent. also noch immer deutlich unter 100 Prozent. Und zur Wahrheit gehört auch, dass selbst die 100 Prozent eben keine Vollversorgung wären, weil da keinerlei Puffer etwa bei Krankheitstagen besteht. Wie viel Arbeit also haben Sie noch vor sich?
Lassen Sie uns abschließend noch einen kurzen Blick nach Vechta richten: Mehr als 100 Zeugnisse sind da an einer Oberschule ja falsch ausgestellt worden. Da hatten Sie vergangene Woche ja angekündigt, weitere Oberschulen im Land überprüfen zu wollen. Gibt es da schon ein Update?
Soweit die Kultusministerin. Vielen Dank Julia Willie Hamburg, nach Hannover. Dankeschön.