Für die Familie und die Freunde der Opfer ist dieser Prozess von Anfang an kaum auszuhalten.
„Ich war sehr gefasst. Aber jetzt. Ich habe auch den Papa von der Kleinen gesehen. Und das hat mich unheimlich bewegt. Ja. Er hat seine Tochter verloren. Und. Und die Kleine?“
Ragsha ist gerade einmal neun Jahre alt, als sie stirbt. An diesem Abend ist sie, wie so oft, bei ihrer Nachbarin Karin zu Besuch. Zusammen mit einer Freundin wollen die beiden später zum Kirchenchor fahren.
„Ich hatte zwei Stunden vorher noch mit ihr telefoniert und sie hat mir auch noch ein Video geschickt, mit der Kleinen zusammen. Und wir waren dann auch verabredet für Dienstag Nachmittag und sie ist dann nie ans Telefon gegangen.“
Drei Menschenleben ausgelöscht. Und das alles, weil Edin D. wohl entschieden hatte, die Offenbacher Innenstadt zu seiner persönlichen Rennstrecke zu machen.
Mit bis zu 145 km/h soll er bei Nässe durch die Stadt gerast sein – erlaubt sind 50.
Als er dann einem anderen Wagen ausweicht, gerät er auf die Gegenfahrbahn und kracht in das Auto von Karin. Alle drei – Karin, ihre Freundin und die kleine Ragsha – sterben an den Folgen des Aufpralls.
„Ab einem bestimmten Punkt ist eine Geschwindigkeitsüberschreitung so schlimm: Wir sprechen nicht mehr über eine schlimme Fahrlässigkeit der Tat, sondern wir sprechen wirklich über Tötungsvorsatz und damit auch, wenn man die weiteren Mordmerkmale bejaht, über Mord.“
Edin D. selbst schweigt bis zum Ende. Über seinen Anwalt lässt er verlesen, er erinnere sich nicht an den Unfall.
„Er hat eine Kopfverletzung gehabt. Ein Airbag ist jetzt nicht irgendwie Watte. Ja, wenn dann Erinnerungen bei so einem schweren Ereignis eben nicht vorhanden sind, dann ist das jetzt auch nicht gerade die Seltenheit.“
Für die Angehörigen geht es während des Prozesses nur um eins:
„Nur Gerechtigkeit. Ja, das sind wir diesen drei Menschen, glaube ich, schuldig.“
Drei Menschen, die nie wieder nach Hause kommen werden.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, 5VisionVideo