Sie teilen denselben Schmerz und geben sich gegenseitig Halt. Annemarie, Saskia und Sylvia haben ihre Katzen verloren. Für Saskia ist mit Kater Louis ein festes Familienmitglied verschwunden. Die Fassungslosigkeit ist groß – auch zu Hause.
„Meine Tochter weint. Selbst mein Mann, der richtig stark ist, wirklich so ein richtiger Kerl, sitzt abends auf dem Sofa und fängt einfach an zu weinen. Und dann nehme ich ihn teilweise ganz doll in den Arm und muss selber total mitweinen.“
Mindestens 14 Tiere sind in den vergangenen Monaten in Holtensen auf rätselhafte Weise verschwunden. Einige werden später tot aufgefunden, mit Verletzungen an Kopf oder Bauch. In 13 Fällen ermittelt die Polizei. Und mit jedem neuen Fall wächst die bange Frage: Ist hier jemand unterwegs, der gezielt Tiere quält?
Holtensen bei Göttingen. Knapp 1.800 Menschen leben hier. Lange ist es ein Ort, an dem Katzenbesitzer ihre Tiere einfach vor die Tür lassen. Doch seit mehr als einem Jahr ist dieses Gefühl von Sicherheit verschwunden. Viele haben Angst um ihre Vierbeiner und lassen sie kaum noch aus den Augen.
„Ich lasse meinen Alten, der ist fast 18, nicht mehr raus. Der ist so lange Freigänger. Der ist nur oben in der Wohnung und kratzt an den Türen. Der miaut so laut, weil er raus möchte. Ich habe so eine Angst, ihn zu verlieren.“
Auch Sylvias Katze Canula ist seit Anfang August verschwunden. Zwei Vierbeiner hat sie noch. Einer bleibt inzwischen nur noch in der Wohnung, der andere ist weiterhin Freigänger. Und damit ist auch die Sorge pausenlos da.
„Wir gehen ständig vor die Tür oder auf den Balkon und gucken, wo sie ist, wo er ist.“
Die Sorge ist inzwischen so groß, dass sich immer mehr Katzenhalter an die Polizei wenden und Anzeige erstatten. Auch für die Ermittler ist diese Serie auffällig.
Die Verletzungen der getöteten Tiere seien teilweise nicht mit einem gewöhnlichen Unfallgeschehen zu erklären. Das heißt: Auch die Polizei geht davon aus, dass in Holtensen möglicherweise jemand mutwillig Katzen verletzt.
Annemarie, Daniel und ihren Mann trifft es gleich mehrfach. Erst verschwinden ihre geliebten Tiere Joker und Timmy von einem Tag auf den anderen. Dann finden sie auch noch ihren Kater Milo tot – mit einer Verletzung am Kopf.
„Bei unserem Kater Joker und auch bei Timmy gehe ich eher davon aus, dass sie wirklich weggefangen worden sind und da richtig Schindluder betrieben wird.“
Doch was sind das für Menschen, die sich an Tieren vergreifen, die sie entführen, quälen oder sogar töten? Experten sagen, oft seien es Menschen, die sich durch solche Taten am Leben rächen wollen, weil sie selbst Qualen erfahren haben. Und es bleibt häufig nicht beim Einzelfall.
„Es gibt nicht den Fall, dass jemand einem Tier schlimmes Leid zufügt und dann sagt: Jetzt ist das erledigt. Der Antrieb ist nur vorübergehend gestillt und dann entflammt er aufs Neue.“
Annemarie, Saskia und Sylvia sind froh, dass die Polizei nun Ermittlungen aufgenommen hat. Sie hoffen, dass der Täter schnellstmöglich gefunden wird – damit Holtensen bei Göttingen wieder ein Ort wird, an dem Katzenbesitzer ihre Tiere einfach vor die Tür lassen können.