Tränen, Fassungslosigkeit und das verzweifelte Ringen um Worte. In der Pause des ersten Prozesstages bricht für Petra Di Mauro und ihre Freundin noch einmal eine Welt zusammen. Sie waren mit den Opfern eng befreundet.
Petra Di Mauro, Freundin der Angehörigen: „Schwierig, wir – ja. Ich empfinde das jetzt gerade in diesem Moment – ich war sehr gefasst. Aber jetzt: Ich habe auch den Papa von der kleinen Ragsha gesehen und das hat mich unheimlich bewegt. Ja, er hat seine Tochter verloren und die Kleine –” (Stimme bricht ab, weint)
Nur Stunden vor dem Unfall war die Welt noch in Ordnung. Das neunjährige Nachbarsmädchen Ragsha war wie so oft bei der 66-jährigen Karin zu Besuch. Zusammen mit einer Freundin wollten die beiden dann in Karins Auto zum Kirchenchor.
Petra Di Mauro, Freundin der Angehörigen: „Ich hatte zwei Stunden vorher noch mit ihr telefoniert und sie hat mir auch noch ein Video geschickt – mit der Kleinen, wie sie zusammen gebacken haben. Es war ja die Weihnachtszeit und haben noch ein Lied zusammen gesungen und wir waren dann auch verabredet für Dienstagnachmittag und sie ist dann nie ans Telefon gegangen.”
Weil Edin D., 32 Jahre alt, diese Straße wohl zu seiner privaten Rennstrecke machte. Mit unfassbaren 145 km/h rast er bei Nässe in der 50er-Zone heran – ein unkontrollierbares Risiko.
Sarah Sattarzadeh, Reporterin: „Es gibt von der Tat Überwachungsvideos, die im Gerichtssaal gezeigt wurden. In dem Moment, als man den Zusammenstoß sieht, haben die Zuschauer und die Angehörigen sehr entsetzt reagiert – unter anderem wurde geweint.”
Für die Staatsanwaltschaft ist das alles kein üblicher Verkehrsunfall mehr. Die Anklage lautet: Mord.
Phillip Ries, Staatsanwalt Zweigstelle Offenbach: „Mit der Anklageerhebung ist die Staatsanwaltschaft hier davon ausgegangen, dass wir einen hinreichenden Tatverdacht des Mordes haben. Mit Blick darauf, dass bei einer solch hohen Geschwindigkeit der Tod von Menschenleben durch den Angeklagten billigend in Kauf genommen wurde.”
Wie so oft wollen viele hier im Prozess vor allem eines wissen: Warum? Drei Leben wurden in Sekundenschnelle ausgelöscht. Für die Angehörigen hat das Warten auf Gerechtigkeit gerade erst begonnen. Der Prozess wird Ende September fortgesetzt.