Statt Blumen und schöner Worte hagelt es auf der Abi-Feier in Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern heftige Vorwürfe.
"An die, die unserem Jahrgang die Durchfallquote gönnen: Ganz ehrlich, fickt euch einfach alle."
Die Abi-Rednerin ist eine von 17 Schülerinnen und Schülern des Robert-Stock-Gymnasiums, die durchs diesjährige Abi geflogen sind - von 52 im gesamten Jahrgang. Das ist fast jeder Dritte. Der Bundesdurchschnitt liegt bei knapp 5 Prozent. Die Schuld an der hohen Quote tragen nach ihrer Meinung: Die Lehrer.
"Wie kann es sein, dass so viele Lehrer seit 20 Jahren die gleichen Arbeitsblätter austeilen und exakt die gleichen Unterrichtsinhalte vermitteln? Wenn sich die Prüfungen und Erwartungshorizonte jedes Jahr ändern? Viele Lehrer sind so überheblich, dass sie denken: 'Wir haben das schon immer so unterrichtet.'"
Auch ein Lehrermangel an der Schule, vor allem in Mathe, soll über Jahre die Vorbereitung auf die Allgemeine Hochschulreife erschwert haben.
Krasse Vorwürfe, die das Schulamt zurückweist.
"Ein Teil der Schülerinnen und Schüler, denen eine zusätzliche mündliche Prüfung zum Erreichen der Gesamtqualifikation ermöglicht wurde, traten die Prüfungen nicht an. Zeitweise kurz- und langfristige Krankheitsausfälle an der Schule wurden durch organisatorische und personelle Maßnahmen aufgefangen."
Lässt sich die Verantwortung von den Schülern wirklich komplett auf die Lehrer abwälzen? Wir fragen junge Menschen in Mannheim.
"Auf der Abirede vor allem zu sagen, ist schon schon hart."
"Wenn das an dem System liegt, dann muss man diese Kritik ja auch irgendwie loswerden. Und das ist halt schwierig, wenn man dafür gar keine Ansprache Möglichkeit hat."
"Ich finde ab der Quote ist es wirklich nicht mehr so von den Schülern abhängig, sondern wirklich von den Lehrern."
Abiturprüfungen werden landesweit zentral abgehalten, vorbereitet wird aber an den einzelnen Schulen. Der Lehrerverband äußert sich zurückhaltend:
"Ich bin immer ganz vorsichtig, wenn jemand, der eine Prüfung nicht bestanden hat, mit dem Finger zunächst einmal auf andere zeigt, aber ganz wenig auf sich selbst achtet, ob da vielleicht auch etwas schiefgelaufen ist. Aber ich möchte nicht behaupten, dass alle 17 zu wenig getan haben. Hier ist etwas schiefgelaufen. Aber was genau, das müsste man sich im Detail anschauen – die Noten und die Entwicklung über die Jahrgänge hinweg."
Wer am Ende die Verantwortung für den außergewöhnlich schlechten Abi-Jahrgang trägt, soll nun die laufende Untersuchung zeigen. In einem aktuellem Interview mit dem Radio Ostseewelle bereut die Schülerin nun übrigens ihre Wortwahl - den Inhalt aber nicht.