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Spuren von Würgegriffen vermehrt sichtbar

Traurige Zahlen aus Berlin: Häusliche Gewalt gegen Kinder steigt enorm

04. März 2021 - 9:11 Uhr

Kinder geraten durch Lockdown außerhalb der sozialen Kontrolle

Es sind erschütternde Zahlen für Berlin: Im Coronajahr 2020 wandten sich 1.661 Gewaltopfer an die Gewaltschutzambulanz – das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. 405 der Opfer waren Kinder, das entspricht einem Anstieg von 14,4 Prozent. "Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, die Opfer von Gewalt nicht aus dem Blick zu verlieren", betont Dr. Saskia S. Etzold von der Gewaltschutzambulanz und fügt hinzu: "Dieses gilt insbesondere für die Kinder, die während des Lockdowns durch die Schließung von Kitas und Schulen aus der sozialen Kontrolle geraten können."

1.035 mehr Strafverfahren wegen häuslicher Gewalt

Auch der Justizsenator Dr. Dirk Behrendt bestätigt einen generellen Anstieg der häuslichen Gewalt. Die Strafverfolgungsbehörden führten 2020 insgesamt 1.035 mehr Strafverfahren wegen häuslicher Gewalt durch als noch 2019. Das ist ein Zuwachs von 7,5 Prozent. "Insgesamt ist die Zunahme der häuslichen Gewalt eine der ganz gravierenden negativen Effekte des Lockdown", sagt Behrendt.

Die Gewaltschutzambulanz beobachtet außerdem, dass der Lockdown eine wellenartige Bewegung bei den Opferzahlen hervorruft: Während sie im ersten und zweiten Lockdown sogar zunächst zurückgehen, steigen sie mit den Lockerungen im Juni 2020 um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. "In den ersten zwei Juniwochen waren es sogar 50 Prozent", so Etzold.

Brutale Gewalt: Anzahl der Hautunterblutungen nimmt zu

Aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ nimmt die häusliche Gewalt zu. "So gut wie jeder, der zu uns kommt, hat Hautunterblutungen. Das war in all den Jahren der Fall", beginnt Dr. Saskia Etzold ihre Beschreibungen. "Aber was wir gesehen haben, war die Anzahl der Hautunterblutungen. Es ist ein Unterschied, ob Sie mit einer einzigen Schlagwirkung kommen oder ob Sie 80 Verletzungen über den ganzen Körper verteilt haben."

Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ nimmt die häusliche Gewalt zu (Symbolfoto).
Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ nimmt die häusliche Gewalt zu (Symbolfoto).
© imago images/photothek, Thomas Trutschel/photothek via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Außerdem habe der Angriff auf den Hals zugenommen – bei Frauen, aber gerade auch bei Kindern. Das heißt, Kinder wurden 2020 vermehrt gewürgt als noch vor Corona.

Verletzungen bei Kindern bauen schneller ab

"Seien Sie deshalb bitte aufmerksam, wenn Sie etwas in Ihrer Umgebung wahrnehmen", bittet Etzold. Verletzungen sind bei Erwachsenen nur maximal zwei Wochen sichtbar, bei Kindern sogar noch kürzer. Je jünger ein Mensch ist, desto schneller bauen sich seine Verletzungen ab. Wer Opfer von Gewalt geworden ist, sollte sich zeitnah an Hilfe wie die Gewaltschutzambulanz wenden.

"Für eine rechtssichere Dokumentation der Gewaltdelikte ist die Arbeit der Gewaltschutzambulanz für uns enorm wichtig", erklärt der Justizsenator. "Deshalb habe ich eine Verwaltungsvereinbarung zur Finanzierung der Gewaltschutzambulanz der Charité unterzeichnet. Damit sichert das Land Berlin eine qualitativ hochwertige rechtsmedizinische Begutachtung der Betroffenen von Sexual- und Gewaltstraftaten, inklusive einer vertraulichen Spurensicherung." Hier finden Sie die Kontaktmöglichkeiten zur Gewaltschutzambulanz in der Berliner Charité.

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