"Die Lücke, die er gerissen hat, ist nie wieder gutzumachen"

Johanna Paulsen (20) stirbt, weil Bekannter betrunken Auto fährt

28. November 2020 - 10:20 Uhr

Johanna Paulsen starb bei Unfall

"Unser Schmerz ist so groß, dass wir keine Worte dafür finden können", heißt es in der Traueranzeige von Johanna Marie Paulsen. Das Leben der 20-Jährigen endete an einem frühen Sonntagmorgen im September 2019. Die junge Frau starb, weil einer ihrer Bekannten sich betrunken hinters Steuer setzte, um sie nach Hause zu bringen. Doch dort kam sie nie an. Auch über ein Jahr danach fällt es Johannas Eltern Martina und Dirk Paulsen noch schwer, Worte zu finden, wenn sie über ihre tote Tochter sprechen. Doch sie gehen an die Öffentlichkeit, weil sie eine wichtige Botschaft haben. Mehr dazu im Video.

"Von einer Sekunde auf die andere ist unser Leben zerstört"

Johanna hatte auf einem Heimatfest bei Husum gefeiert. Ein Bekannter sagte, er könne sie nach Hause fahren. Drei weitere ihrer Freunde stiegen ein. Keiner von ihnen wusste, dass der Fahrer über zwei Promille hatte. Viel zu schnell raste er die Straße entlang. Er verlor die Kontrolle, der Wagen krachte gegen einen Baum, der durch den heftigen Aufprall entwurzelt wurde. Johanna starb, die anderen Personen im Auto wurden schwer verletzt.

"Von einer Sekunde auf die andere ist unser Leben zerstört. Wir wachen morgens mit dem Gedanken an Johanna auf und gehen abends mit dem Gedanken an sie zu Bett", sagt ihre Mutter Martina und die Tränen schießen ihr in die Augen. "Ich habe so oft gedacht: Warum hat der liebe Gott nicht mich geholt? Und so denken mein Mann und unsere Kleinste auch." Der Schmerz über Johannas Verlust ist so groß, dass ihre Familie manchmal selbst nicht mehr leben mag. "Die Lücke, die der Fahrer in unserem Leben hinterlassen hat, ist nie wieder gutzumachen." Über 600 Menschen nahmen an der Trauerfeier für Johanna teil und spendeten der Familie Trost. Sie alle fragten sich: Warum musste das passieren?

Es war nicht die erste Suff-Fahrt des Fahrers

Johanna Paulsen mit ihrem Hund
Johanna mit ihrem Hund
© Crimespot

"Der Unfall hätte verhindert werden können", sagt Johannas Vater. Es war nicht die erste Suff-Fahrt des Fahrers. "Ein Jahr vorher ist der er unter Alkoholeinfluss in einen Teich gefahren. Das wurde vertuscht", so Dirk Paulsen. Der Mann habe Videos gepostet, die zeigen, wie er und sein Freund während der Fahrt Bier trinken. "Auf mehrere Vorgeschichten wurde nicht reagiert." Schon kurz nach dem Unfall sei der Fahrer wieder mit dem Auto unterwegs gewesen, fuhr auch Monate danach noch herum. "Das fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht", sagt ihr Vater. Johannas Mutter ging zur Polizei. "Ich fragte, wie das sein kann. Wenn jemand betrunken Auto fährt und in eine Kontrolle gerät, dann ist der Führerschein sofort weg. Und wenn jemand unser Kind totfährt und drei junge Menschen schwer verletzt, dann darf der noch Auto fahren. Ich kann das nicht verstehen."

Jetzt steht der Suff-Fahrer vor Gericht. Er gab zu, Probleme mit Alkohol zu haben. Johannas Familie schrieb er Monate nach dem Unfall einen Brief – viel zu spät, findet sie. "Er ist schon wieder Alkohol kaufen gegangen, als andere noch im Krankenhaus lagen. Wir sind fassungslos über das Verhalten", sagt Dirk Paulsen. Umso wichtiger ist es ihnen, die Menschen für die Gefahr von Alkohol am Steuer zu sensibilisieren. "Die Menschen sollen sich mehr Gedanken machen. Solche Vorfälle können verhindert werden, wenn vorher reagiert wird und die Vorgeschichten ernstgenommen werden und nicht alles vertuscht und lächerlich gemacht wird."