Fäkalienflut im Keller: LEG lässt Mieter nach Rohrbruch sitzen
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Hier stinkt es gewaltig! Naciye Albayrak aus Mönchengladbach weiß nicht mehr weiter. Seit vier Wochen steht im Keller ihres Mietshauses das Abwasser – inklusive Fäkalien. Der ganze Flur stinkt erbärmlich, doch das ist nicht das einzige Problem: Die Anwohner kommen nicht mehr an ihre Mülltonnen und müssen ihre Müllsäcke auf dem Balkon stapeln. Wie kann das sein? Wir sind dem Hilferuf der Mieterin nachgegangen und haben beim Vermieter nachgehakt: Wieso wurde noch immer nichts gegen die Fäkalienflut im Keller unternommen?
Es sind Bilder, die ich nur schwer anschauen kann. Eine Mieterin aus Mönchengladbach hat sie mir geschickt. Es ist ein Hilferuf, weil im Keller des Miethauses seit Wochen das Abwasser steht - samt Fäkalien.
Mieterin: „Ich kann hier nicht durchgehen. Wie Sie sehen, ist hier alles voll mit Fäkalien. (Würgt) Oh Gott!“
Verena: „Also ich habe ja schon so einiges gesehen, richtig große Wasserschäden und heftigen Schimmel, aber das hier top wirklich alles. Das ist so ekelhaft. Und wenn ich mir vorstelle, dass die Leute das jetzt schon seit Wochen so im Keller haben, das muss so stinken. Ich finde das unzumutbar.“
Kurz darauf mache ich mich auf den Weg zu Mieterin Naciye Albayrak. Sie hat uns um Unterstützung gebeten, weil die Vermietergesellschaft angeblich seit Wochen fast nichts unternimmt.
"Hallo, Jendges - RTL! „Albayrak“ „Sollen wir uns mal rein trauen?“ „Maske mitgenommen? „Ja.“
Verena: „Das riecht ja hier schon krass. … Ich traue mich gar nicht zu atmen…puh!“
Es kostet uns viel Überwindung in den Keller zu gehen, um nach dem aktuellen Zustand zu schauen.
Verena: „Boahr, ist das ekelhaft! Das steht ja noch genau so hoch, wie auf dem Video, das Sie mir geschickt haben.“
Naciye Albayrak: „Das sind ja alle Privatsachen hier. Alles ist voll….Aufzug, das läuft hier rein…zwei Tage später war der kaputt.“
Dabei wohnen im Haus wohl einige ältere Mieter, die auf den Aufzug angewiesen sind. Der Zustand hier schockt mich.
Verena: „Und wie lange steht das Wasser jetzt so - 4 Wochen?“
Naciye: „Ja! Und wir haben so oft da angerufen. Und wir hören immer nur: Der Auftrag liegt vor.“
Verena: „Und sonst passiert nichts oder war mal jemand hier?“
Naciye: „Also nur zum Abpumpen…drei Mal… Wasser nachgelaufen… Toilette… kommt das Wasser wieder.“
Verena: „Keiner hat gesagt: Nutzen Sie die Toiletten nicht mehr, suchen sie sich etwas anderes, bis das repariert ist?“
Naciye: „Nö. Es redet ja keiner mit uns. Wir wissen ja nicht mal, was los ist.“
Weil es mittlerweile im ganzen Haus stinkt, versucht die 46-jährige ihre Wohnungstür so gut es geht abzudichten - lüftet fast rund um die Uhr. Ihre 10-jährige Tochter ist seit über einer Woche krank, liegt mit Fieber im Bett und traut sich bei dem Gestank kaum noch aus dem Zimmer. Dann erfahre ich: An die Mülltonnen im Keller kommen die Mieter jetzt auch nicht mehr heran. Der Müll stapelt sich seit Wochen auf den Balkonen.
Verena: „Wie geht es Ihnen denn damit?“
Naciye: „Nicht gut….oft schon geweint….was ich machen soll.“
Verena: „Machen Sie sich sorgen um ihre Gesundheit?“
Naciye: „Ja, sehr!…raus da, aber wo soll ich denn hin?“
Vermieterin ist die LEG - ein großes Wohnungsunternehmen mit rund 146.000 Mietwohnungen. Ich werde die LEG noch konfrontieren.
Doch vorher treffe ich Claus Nesemann vom Mieterverein. Er soll sich die Situation einmal ansehen und rechtlich einschätzen.
Nesemann: „Ja, wirklich heftig!“
Verena: „Haben Sie das so schon mal gesehen?“
Nesemann: „Nein, gar nicht!“
Verena: „Ich meine, das ist doch unzumutbar….müssen hier durchs Treppenhaus…wird einem ja die ganze Zeit schon schlecht.“
Nesemann: „Absolut! Also die Wohnsituation ist katastrophal, keine Frage und es ist unverständlich, dass sich hier nichts tut. Wichtig, dass jetzt hier die Medien eingeschaltet wurden. Gerade bei großen Vermietern ist das oft das einzige Mittel.“
Wir zeigen dem Experten auch, dass die meisten Anwohner gar nicht an ihre Mülltonnen kommen. Und ausgerechnet heute passiert dann zusätzlich noch das:
Verena: „Sie haben ja heute noch ein Schreiben, eine Mahnung bekommen, von der Vermieterin…“
Naciye: „Richtig! …dass wir verpflichtet sind, unsere Mülleimer rauszustellen….müssen sonst zahlen.“
Nesemann, Mieterverein: „Da weiß der eine nicht, was der andere tut…andere Abteilung…“
Verena: „Welche juristischen Möglichkeiten haben die Anwohner denn jetzt?“
Nesemann, Mieterverein: „ Zum Einen steht das Recht zur Mietminderung zu. Von der Höhe würde ich sagen, nachdem, was ich jetzt gesehen habe, 20-30 Prozent. Wenn die LEG dann weiter untätig bleiben sollte, könnte man auch ein Zurückbehaltungsrecht ausüben, d.h. man könnte einen weiteren Teil der Miete einbehalten…auf jeden Fall die Wohnungsaufsicht einschalten und das Gesundheitsamt kontaktieren.“
Zeit für mich, bei der LEG nachzuhaken, warum hier nicht schneller etwas passiert.
Telefonat Gedächtnisprotokoll - Stimme nachgesprochen
Verena: „Jendges hier von RTL. Ich stehe in Mönchengladbach und habe einen Hilferuf bekommen. Hier steht seit 4 Wochen das Abwasser im Keller mit Fäkalien und es ist richtig eklig.“
Mann (LEG): „Dann müssten Sie mir bitte sagen, wo das ist und welche Fragen Sie haben. Dann kann ich mich gerne kümmern.“
Verena: „Wie sieht das denn diesmal mit einem Interview aus? Ich höre ja immer nur, Sie haben keine Zeit."
Mann: „Wir geben keine Interviews zu diesen Themen.“
Verena: „Warum nicht?“
Mann: „Weil wir da nichts gewinnen können.“
Verena: „Wieso können Sie da nichts gewinnen? Es ist ja auch ein Zeichen für die Anwohner.“
Mann: „Ehrlich gesagt bringt mir das nichts, bei RTL in so einem Beitrag aufzutauchen. Da habe ich keine Lust zu.“
Verena: „Ja gut, ist ja Ihre Entscheidung.“
Telefonisch informiere ich auch die Stadt Mönchengladbach und gehe gemeinsam mit der Mieterin zur Wohnungsaufsicht. Filmen dürfen wir nicht – aber ich habe das Gefühl, hier nimmt man die Sache sehr ernst.
Verena: „Ich bin jetzt ehrlich gesagt ziemlich froh, dass wir direkt da waren. Die Wohnungsaufsicht ist eingeschaltet, das ist schon mal super.“
Naciye: „Gutes Gefühl! Ich bin entspannter gerade. Da fällt ne Last von einem, dass sich da was tut.“
Es tut sich sogar schneller etwas als wird gehofft hatten. Zuerst gehe ich zu einer Anwohnerin aus der 5. Etage. Auch sie wollte uns noch sprechen. Für Brigitta Mattheus ist der ausgefallene Fahrstuhl besonders schlimm. Die 73-jährige leidet an Arthrose.
Verena: „Wie kommen Sie denn jetzt überhaupt die Treppen hoch?“
Mieterin: „Ja, unter schwierigsten Umständen…Stufe für Stufe. Ich bin vor zweieinhalb Jahren hier hingekommen…Flutopfer…. Geruch aus der Nase, jetzt kommt er wieder hoch.“
Und dann, während unseres Interviews - plötzlich die Überraschung.
Mieterin: „Ja, Hallo!“
Mann - Stimme nachgesprochen: „Uns liegt hier eine Beschwerde vor.“
Mieterin: „Richtig, kommen Sie hoch.“ „Gesundheitsamt“.
Gesundheitsamt und Wohnungsaufsicht sind gemeinsam zur Stelle. Filmen dürfen wir das nicht. Aber immerhin tut sich jetzt etwas.
Verena Jendges:
„Das Gesundheitsamt hat jetzt zum Glück sehr schnell reagiert, war sofort vor Ort und was ich so rausgehört habe, dass jetzt schnellstmöglich das Trinkwasser kontrolliert werden soll.“
Noch am selben Tag konfrontiere ich die Vermietergesellschaft schriftlich und bekomme wenig später folgende Antwort:
Zitat - Quelle: LEG
"Wir bedauern die Situation im Sinne unserer betroffenen Mieter und möchten uns auch an dieser Stelle für die Unannehmlichkeiten entschuldigen. (...) Wir versichern Ihnen, dass wir die Situation ernst nehmen und im Sinne unserer Mieter mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten.“
Zu dem Schreiben, dass die Mieter ihre Mülltonnen rausstellen sollen, heißt es:
Zitat - Quelle: LEG
"Hier gab es offensichtlich ein Missverständnis, das wir bedauern. Wir werden dies selbstverständlich richtigstellen. Es muss niemand die Tonnen rausstellen, solange der Schaden nicht behoben wurde.“
Und dann geht plötzlich alles ganz schnell. Kurz nach dem wir vor Ort waren, schicken mir die Mieter diese Bilder. Sie zeigen, dass noch am selben Tag ein Abpumpwagen vor Ort war - wenig später auch diverse andere Handwerker.
Verena
„Das Wasser ist zumindest abgepumpt und man erkennt mal wieder den Kellerboden.“
Laut LEG war die Ursache - nicht wie vermutet - ein Rohrbruch, sondern eine durch einen Ball verstopfte Abwasserleitung. Diese Ursache sei inzwischen behoben.
Wenige Tage später bin ich erneut vor Ort und treffe mich mit Dirk Rütten von der Stadt Mönchengladbach. Das Einschalten der Wohnungsaufsicht und die gute Zusammenarbeit haben in diesem Fall offenbar gewirkt.
Verena
„Ich habe sie ja direkt angerufen. Das Gesundheitsamt kam sehr schnell. Welche Gefahren bestanden da?“
Dirk Rütten, Stadt MG
„Naja, wenn irgendwo Fäkalien im Keller stehen, dann macht man sich ja Sorgen, dass es nicht nur unangenehm riecht, sondern sich Bakterien bilden. Wir hatten ein bisschen die Sorge, dass das Trinkwasser vielleicht kontaminiert ist. Das hat sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet.“
Auch die LEG kann dies mit fast absoluter Sicherheit ausschließen, will das aber noch genauer überprüfen.
Ich treffe mich erneut mit Naciye Albyrak, die uns um Hilfe gebeten hatte. Gemeinsam gehen wir noch einmal in den Keller, in dem vor wenigen Tagen noch das Abwasser stand.
Verena: „Sie waren jetzt noch gar nicht hier unten?“
Naciye: „Nein, war ich noch gar nicht.“
Als wir durch den Keller gehen, wird uns das ganze Ausmaß bewusst. Ihre persönlichen, verdreckten Sachen zu sehen - davor hatte die 46-jährige Angst.
Naciye: „Da unten sind halt alles Schulsachen, Bilder…ich bin schon an dem Tag, als das passiert ist, zusammengebrochen…“
Verena: „Kann man ja alles wegschmeißen.“
Naciye: „Ja, alles.“
Trotzdem ist die Erleichterung für die Mieter in diesem Haus groß, dass das verdreckte Abwasser endlich weg ist. Keller und Mülltonnen will die LEG zeitnah reinigen und den Aufzug reparieren lassen. Ich persönlich bin einfach nur froh, wenn die Mieter hier bald wieder frei durchatmen können.















